FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1982 - 1995 » Jahrgang 1991 » No. 456
Peter Bossew

Die Selbstbestimmung der Völker

Ein Beitrag zur Analyse der politischen Lage in Mitteleuropa im ausgehenden 20. Jahrhundert

Die Diskussionen um die Anerkennung Kroatiens und Sloweniens lassen es geboten erscheinen, die historischen Hintergründe der politischen Situation Mitteleuropas im ausgehenden Zwanzigsten Jahrhundert zu beleuchten. Diese Arbeit widmet sich einer Reihe von Ereignissen, die sich für die späteren Entwicklungen als entscheidend herausstellen sollten. Nur vor diesem Hintergrund, so meinen wir, lassen sich verantwortungsbewußte Entscheidungen treffen, die der komplexen nationalen Realität adäquat sind. Zum

Ausgangspunkt

dieser weitreichenden Entwicklungen, was damals freilich noch niemand wissen konnte, wurde ein zunächst nur von lokaler Bedeutung scheinender Konflikt im Alpenvorland.

Die schon seit einigen Jahren schwelenden kriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen der Republik Schwanenstadt und dem Vereinigten Großherzogtum Attnang-Puchheim, bei denen es leider auch immer wieder zu unschönen, nationalistisch motivierten Übergriffen auf die Zivilbevölkerung kam, nützte schließlich der Fürsterzbischof von Salzburg, sich die bis dahin zu Schwanenstadt gehörende Autonome Region Rutzenmoos einzuverleiben. Das Fürsterzbistum Salzburg war damals mit dem Heiligen Römischen Reich verbündet, das zu dieser Zeit den ersten Wiener Gemeindebezirk bis zur Zweierlinie, abgesehen vom Ballhausplatz und dem Eissalon auf dem Schwedenplatz umfaßte, sowie die rechte Seite der Mariahilferstraße bis zur Neubaugasse, Maria Taferl und zwei Seitenaltäre der Basilika Mariazell. Aus heutiger Sicht was das Bündnis sicher ein machtpolitisches Zweckgebilde, als, wie offiziell stets betont, eine ideologisch motivierte Vereinigung.

Wie dem auch sei, der Fürsterzbischof fühlte sich durch die wohlwollende Haltung Kaiser Ottos II. von Habsburg — der seinerseits auf die Unterstützung Salzburgs bei seinen Ambitionen auf den Eissalon zählte — stark genug, den Griff auf Rutzenmoos zu wagen. Er hatte indessen nicht mit der Entschlossenheit des tapferen Volkes dieser voralpinen Nation gerechnet.

Sofort leisteten die Rutzenmooser Territorialmilizen verbissenen Widerstand gegen die fremden Invasoren und der Sender Stimme Freies Rutzenmoos kündete aller Welt vom heroischen Widerstandskampf und dem Freiheitswillen des Rutzenmooser Volkes.

Die freien Völker waren voll der Sympathie mit der unterdrückten Nation und nachdem die FührerInnen der wichtigsten Rutzenmooser Kampfverbände am 3. Juni bei ihrem legendären Zusammentreffen im Gemeindeamt, das als Rutzenmooser Fahnenappell in die Geschichte eingegangen ıst, die nationale Unabhängigkeit unter Hinweis auf das natürliche Selbstbestimmungsrecht der Völker deklariert hatten, wurde die Republik Rutzenmoos schon am nächsten Tag vom Vereinigten Großherzogtum Attnang-Puchheim anerkannt und nur zwei Tage später als 311895. Mitglied in die UNO aufgenommen. Bei der Abstimmung gab es nach kurzer Debatte nur vier Gegenstimmen, nämlich, wie zu erwarten gewesen war, derer Salzburgs und des Heiligen Römischen Reiches sowie Schwanenstadts, das nun eine Provinz verloren hatte, und, etwas unerwartet, des Fürstentums San Francisco (die Gründe für sein Stimmverhalten wurden nie geklärt). Eifrigster Anwalt der Republik Rutzenmoos in der UNO war die Republik Brennero Libero, die sich, wie manche Historiker meinen, nicht zu unrecht, von der Deutschen Gaugrafschaft Bozen bedroht und somit in einer potentiell ähnlichen Situationen wie Rutzenmoos sah.

Die Republik Rutzenmoos

wurde also am 6. Juni feierlich in die Völkergemeinschaft der Vereinten Nationen aufgenommen, ihre blau-weiß-goldgrün-gelbe Fahne gehißt und die auf einem uralten Volkslied beruhende, ergreifende Nationalhymne „Gott segne Dich, oh Volk der Rutzen“ intoniert. (Eigentlich war schon der 5. Juni als Aufnahmetermin geplant gewesen, doch konnten in der kurzen Zeit nicht genügend Dolmetscher gefunden werden, die die in rutzischer Sprache gehaltene Antrittsrede des Rutzenmooser Vertreters bei der UNO hätten übersetzen können.)

Indessen war damit der Krieg nicht beendet, denn die Salzburger Truppen (unter ihnen auch Ohlsdorfer Söldner, was zusätzlich zu nationalen Spannungen führte, da die Rutzenmooser die Anwesenheit dieser fremdrassigen Soldaten als besondere Provokation empfanden) standen nach wie vor auf Rutzenmooser Territorium. Schwanenstadt versuchte eine Zeitlang, Rutzenmoos zurückzuerobern, war aber durch der Konflikt mit Attnang-Puchheim militärisch zu geschwächt, um gegen die Rutzenmooser Verteidiger eine zweite Front aufbauen zu können, zumal Attnang-Puchheim Rutzenmoos militärisch unterstüzte. Die nunmehr vereinigte Armee der Republik Rutzenmoos war andererseits nicht stark genug, die militärisch überlegenen Salzburger alleine zu besiegen, obwohl sie von der benachbarten Republik Gmunden heimlich mit Patriot-Raketen beliefert wurde (Gmunden hoffte im Fall des Sieges, als Belohnung Ohlsdorf zugeschlagen zu bekommen, in dem eine bedeutende Gmundener Minderheit lebte, unterstützte Rutzenmoos aber nur inoffiziell, weil es die Beziehungen zu Schwanenstadt nicht weiter belasten wollte: es gab nämlich auch in Schwanenstadt eine Gmundener Minderheit, und die amtlicherseits nur halbherzig unterdrückten, auch auf Schwanenstadt gerichteten großgmundener Ambitionen der Gmundener Heilspartei hat das gutnachbarliche Klima ohnehin schon getrübt).

Wieder war es die kleine

Republik Brennero Libero,

die Rutzenmoos zu Hilfe kam, indem sie den KSZE-Mechanismus in Gang setzte. Im August beschloß die Vollversammlung der VertreterInnen der KSZE-Länder, die EG mit der Bildung einer Friedenstruppe zu beauftragen. Die 6332er-Gemeinschaft stellte noch im Herbst eine leichtbewaffnete Einheit auf und auch das Einvernehmen mit den meisten der 226 nicht zur EG gehörenden Staaten, die auf dem Weg nach Rutzenmoos durchquert werden mußten, konnte überraschend schnell hergestellt werden. Die politischen Kommentatoren sahen in der schnellen Abwicklung dieser Formalitäten, die ja schließlich einen Eingriff in die nationale Souveränität der vom Durchmarsch betroffenen Staaten bedeutete, die ersten Anzeichen einer Neuen Weltordnung heraufdämmern — aus heutiger Sicht zu Recht —, in der die Nationen der Welt friedlich zusammenleben würden. Das Ordnungsprinzip des Rechtes auf Selbstbestimmung der Völker habe sich klar bewährt, so der Tenor aller Beobachter, wie schon die Tatsache zeige, daß die Zahl der Kriege im letzten Jahr auf weltweit unter 223800 zurückgegangen sei.

Wie zu erwarten gewesen war, wurden die EG-Truppen rasch in die Kämpfe in Rutzenmoos verwickelt, zumal die Salzburger nicht ans Aufgeben dachten. Der Salzburger Fürsterzbischof hatte auch keine andere Wahl, nachdem er sich in dieses Abenteuer eingelassen hatte, da alle im Salzburger Ständerat vertretenen Vereine und Zünfte ja fest auf dem Boden der Nationalverfassung standen, in deren Präambel bekanntlich die Formel „Gott mit uns und unsrer Heimat / von der Salzach bis zur Traun / von Straßwalchen bis Gastein“ als Artikel 1 steht; in der nationalen Frage nachzugeben hätte sein politisches Todesurteil bedeutet.

Die dramatischen Freignisse in der umkämpften Republik Rutzenmoos ließen den gleichzeitigen, nicht weniger blutigen Konflikt zwischen den benachbarten Kaiserreichen Vöcklabruck und Hausruck um die zu Vöcklabruck gehörende Enklave Berg Ampflwang aus dem Interesse der Weltöffentlichkeit in den Hintergrund treten. Trotzdem sollte sich dieser Konflikt für die weitere Entwicklung des Großen Vaterländischen Krieges, wie er in den Rutzenmooser Schulbüchern später genannt werden sollte, als von bedeutendem Einfluß erweisen. Zwischen dem Fürsterzbistum Salzburg und dem Kaiserreich Hausruck lagen nämlich nur zwei relativ schwache Staaten, und zwar das durch einen inneren Nationalitätenkonflikt geschwächte Großherzogtum Kobernauß und die kleine Republik Schneegattern. Andererseits machte Rutzenmoos gemeinsame völkische Wurzeln mit der Hausruckischen Nation geltend (Audeutungen dazu sind schon in Cäsars De Bello Gallico zu finden), und so war es nur logisch, daß sich sowohl Salzburg als auch Rutzenmoos um ein Bündnis mit dem mächtigen, hochindustrialisierten Kaiserreich Hausruck bemühten.

Dieses wiederum sah sich vor das folgende Dilemma gestellt: das Bündnis mit Salzburg, das ihm für diesen Fall versprochen hatte, es bei der Unterwerfung Ampflwangs auf politischer Ebene international zu unterstützen, würde zur internationalen Isolierung führen, da die Sympathien der meisten Völker auf Seiten Rutzenmoos’ waren; ein Bündnis mit Rutzenmoos würde den Hausruck zwar aus demselben Grund international aufwerten, aber der Ausgang des Krieges zwischen Salzburg und Ruzenmoos war ungewiß und das Bündnis mit einem unterlegenen Ruzenmoos würde wertlos sein. In dieser Situation hielt die Hausrucker

Kaiserin Elfriede II.

die immerwährende Neutralität für die beste Politik, auch wenn die Hausrucker Volkspartei sie als wirtschaftfeindlichen Neutralismus kritisierte: Ein freies Land müsse klare Positionen beziehen, wenn es um die Freiheit unterdrückter Völker gehe.

Um die weitere Entwicklung dieses komplexen Geschehens verstehen zu können, müssen wir einen kurzen Blick auf die Ereignisse in der benachbarten Räterepublik der LokführerInnen der Westbahn werfen, die sich als für die künftige Geschichte Mitteleuropas entscheidend erweisen sollen. Die Räterepublik war bekanntlich drei Jahre zuvor in einem revolutionären Akt gegründet worden, als sich das Volk der LokführerInnen auf seine nationale Wurzeln besann und sich seiner Unterdrückung durch das Heilige Römische Reich und seinen Gewaltapparat, die Heilige Römische Reichsbahnverwaltung bewußt wurde. Die Neuentdeckung der Nationalliteratur der LokführerInnen hatte nicht wenig zu diesem Prozeß nationalen Erwachens beigetragen, doch das nur nebenbei. Die revolutionären EisenbahnerInnen standen von Beginn an an der vordersten Front der Unabhängigkeitsbewegung und konnten die ultralinken und kleinbürgerlichen Minderheiten der LokführerInnen, die in heuchlerischem Kosmopolitismus gegen eine schnelle Unabhängigkeit agitierten — wie wir heute wissen, aus kleinmütigen Motiven heraus, um ihre Privilegien fürchtend — bald ausschalten.

Im letzten Novemberplenum der Räte kam es jedoch zu Differenzen in der Auslegung von Lenins Aprilthesen zur Nationalen Frage (Lenin Werke Bd. 24, S. 295). So beschloß mensch im Sinne von Trotzkis berühmtem Satz „Um sich enger und ehrlicher zusammenschließen zu können, muß man sich zunächst trennen“ (Trotzki Schriften zum Programm, Verl. Ergebnisse und Perspektivon, S. 50) die einvernehmliche Trennung in die Räterepublik der LokführerInnen der Freien Westbahn, die alle Züge Richtung Salzburg, dh. den südlichen Schienenstrang umfaßte, und die Freie Räterepublik der LokführerInnen der Westbahn (Richtung Wien). Im Vertrag von Amstetten wurde noch im Dezember ein Zollabkommen geschlossen sowie ein Kulturabkommen und ganz allgemein gutnachbarliche Beziehungen vereinbart.

Probleme gab es in der Folgezeit bei der Grenzziehung: Insbesondere ein Abstellgleis im Bereich des Bahnhofs Krummnußbaum wurde zum Gegenstand ernster Auseinandersetzungen (vor allem nachdem die Freie Räterepublik der LokführerInnen der Westbahn mit einer Urkunde aus dem Jahr 1422 die historischen Ansprüche ihres Volkes auf dieses Gelände belegte und weitere Verhandlungen darüber als mit der nationalen Würde unvereinbar ausschloß), die im April des folgenden Jahres zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen führten. Das Haager Schiedsgericht wurde vergeblich angerufen, da eine internationale Kommission wegen der inzwischen ausgebrochenen Kämpfe nicht ins Krisengebiet vordringen konnte.

Endgültig internationalisiert wurde der Konflikt jedoch, als ein Autofahrer aus dem

Königreich beider St. Pölten

auf einem Bahnübergang zwischen die Fronten verfeindeter Zollwacheeinheiten geriet und dabei ums Leben kam. Das Volk des Königreichs betrachtete den Zwischenfall als Akt der nationalen Aggression und nachdem diplomatische Avançen keinen Erfolg hatten, erklärte es den beiden Räterepubliken den Krieg. Seine Auswirkungen blieben allerdings deshalb zum Glück gering, da der Hauptbahnhof von St. Pölten zu der Zeit zur Union der sozialistischen Republiken von Ober- und Unterratzersdorf, Ober- und Unterzwischenbrunn, Ober- und Unterwagram und Ober- und Unterradlberg gehörte, die sich in dem Konflikt streng neutral verhielt und den verfeindeten Truppen den Durchmarsch verwehrte.

Der Krieg zwischen den beiden Räterepubliken hatte indessen schwerwiegende soziale Folgen. Die Verluste an LokführerInnen brachten den Zugsverkehr auf der Westbahn praktisch zum Erliegen, was im Herbst zu einer Hungersnot unter den arbeitslos gewordenen nationalen Minderheiten der Freien WestbahnschaffnerInnen und den SchaffnerInnen der Freien Westbahn führte. Verschärft wurde die Situation durch eine Mißernte, da die Bahndämme wegen der Kampfhandlungen nicht richtig bestellt werden konnten. (Um die internationale Öffentlichkeit auf diese Katastrophe aufmerksam zu machen, veranstalteten rührige Künstler ein Konzert unter dem Titel

„Train Aid“,

mit dessen Reinerlös LokführerInnen der Südbahn zur Wiederaufnahme des Westbahnbetriebes bezahlt werden sollten. Dazu kam es nicht, da die Völker der Westbahn-LokführerInnen die damit drohende Überfremdung fürchteten. Die mangelnde Sensibilität der Organisatoren von Train Aid in nationalen Dingen war allerdings auch schon international scharf kritisiert worden.)

Kommen wir nach diesem Exkurs zurück zum Rutzenmooser Krieg. Das Machtvakuum entlang der Westbahn ermöglichte der Rutzenmooser Armee einen Ausfall nach Norden, und in einem Zangenangriff bei Timelkam im Norden und am Fuße des Höllengebirges im Süden konnte der Salzburger Invasionsarmee eine empfindliche Niederlage beigebracht und diese aus dem Gebiet der Republik Rutzenmoos verdrängt werden. Diese Schlacht ist als die Völkerschlacht an der Westautobahn in die Geschichte eingegangen. Auf Rutzenmooser Seite kämpften die EG-Truppe, mehrere sympathisierende, motorisierte Standschützeneinheiten aus der Volksrepublik Höllengebirge, vermummte Einheiten aus Gmunden (die sich erst nach dem siegreichen Ende des Krieges öffentlich deklarierten) und das Großherzogtum Attnang-Puchheim, auf Seiten Salzburgs Nationalgardisten aus dem Heiligen Römischen Reich, die mit einer Luftbrücke nach Salzburg verlegt worden waren, allerdings zu spät, wie Analysen zeigen sollten.

Im Zuge der Kämpfe wurde aber auch die Westautobahn blockiert, sodaß die Industrie des Kaiserreiches Hausruck nach der stilliegenden Westbahn nun auch ihre zweite Verkehrsverbindung zu ihren internationalen Absatzmärkten verlor. Die Hausrucker Volkspartei machte den Neutralismus der Kaiserin für die sich abzeichnenden wirtschaftlichen Probleme des Landes verantwortlich, sodaß Elfriede sich schließlich für ein militärisches Engagement auf Seiten Rutzenmoos’ entschloß, nachdem auch die Grünalternativen, die sie bis jetzt kritisch unterstützt hatten, die politischen Fronten wechselten und unter Hinweis auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker forderten, Rutzenmoos zu Hilfe zu kommen, obwohl Salzburg diplomatisch intervenierte und die politische Kehrtwendung des Kaiserreiches als Einmischung in seine inneren Anliegen bezeichnete. (Die Gewaltfreien Sturmscharen, der militärische Flügel der Grünalternativen, taten sich bei den Kämpfen um die Pfarrkirche von Rutzenmoos übrigens gemeinsam mit dem Kameradschaftsbund durch besondere Tapferkeit und Einsatzfreude hervor.)

Bei dem Bündnis Hausruck — Rutzenmoos kam klarerweise das Kaiserreich Vöcklabruck unter die Räder; auch ein zu Hilfe gesandtes Salzburger Expeditionskorps konnte den Durchmarsch der Hausrucker Truppen nicht verhindern.

Aus heutiger Sicht soll nicht verhehlt werden, daß die nationalen Kräfte des Kaiserreichs Hausruck bei ihrer Unterstützung für Rutzenmoos vor allem das Gebiet Berg Ampflwang im Auge hatten:

  • die Volkspartei und die Freiheitlichen bestritten die Existenz eines Ampflwanger Volkes schlichtweg,
  • die Sozialdemokraten forderten die Einsetzung einer Kommission zur Vorbereitung eines Volksgruppengesetzes, und
  • die Grünalternativen das Recht auf nationale Selbstbestimmung der Hausrucker Minderheit in Ampflwang, was mit dessen politischem Status als Teil des Kaiserreichs Vöcklabruck nicht vereinbar sei; sie schlugen die Teilung Ampflwangs in zwei unabhängige Republiken in Konföderation mit dem Kaiserreich Hausruck vor.

Neue Weltordnung

Kommen wir zum Schluß. Aus der Völkerschlacht an der Westautobahn gingen also Rutzenmoos und seine Verbündeten als Sieger hervor. Dem exemplarischen Charakter dieser Revolution — wir können es nicht anders nennen — entsprechend ist es klar, warum wir die Kenntnis dieser Ereignisse für die Voraussetzung jeder Entscheidung in unseren heutigen Nationalitätenkonflikten betrachten. Denn auch wenn nationale Auseinandersetzungen später nach einem mehrjährigen Bürgerkrieg zur Teilung der Republik Rutzenmoos führten, und obwohl das Problem Berg Ampflwang trotz Fünfteilung des Gebietes bis heute ungelöst ist, kann im Rückblick doch gesagt werden, daß die geschilderten Ereignisse die Tragfähigkeit der auf dem Recht der nationalen Selbstbestimmung der Völker beruhende Neue Weltordnung eindrucksvoll bestätigten. Mit heute weniger als 400.000 Kriegen pro Jahr können wir auf diesen Sieg menschlicher Kultur durchaus stolz sein und es ist deshalb nicht verwunderlich, daß es in der zivilisierten Welt kaum noch jemanden gibt, der in der nationalen Selbstbestimmung nicht das erste Grundrecht, das Alpha und Omega aller Humanität erkennt.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1991
, Seite 7
Autor/inn/en:

Peter Bossew:

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