FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1976 » No. 268
Heidi Pataki

Der Häuselstrich is scho des letzte

Als Strichbub in Wien

Puncto „einfacher“ Homosexualität —- zwischen Erwachsenen — zeigte sich kürzlich sogar das sonst so bornierte „Dokument“ des Vatikans bereit, ein pastorales Auge zuzudrücken. Immer noch von Affekten besetzt und von Angst umstellt ist die Päderastie, wie die Kontroverse um Pasolinis „Salò“-Film beweist, in der man das eigentliche Thema schlankweg ignoriert: die adoleszente Lust am pubeszenten Körper. Stefan George, Marcel Proust, André Gide, William S. Burroughs durften diese Lust literarisch stilisieren, im Kult der jungen Fußballer, Eisläufer und Skistars tobt sie sich ungeniert und massenhaft aus. Die Päderastie besitzt die Tradition eines aristokratischen Lasters: im Gefolge Wilhelms II., Adolf Hitlers und anderer Militärkönige spielten Freunde der männlichen Jugend eine wichtige Rolle — sie gaben besonders stramme Soldaten ab. Als offene Prostitution befindet sich die Päderastie allerdings am Tiefpunkt der sexuellen Hierarchie. Das Gespräch mit einem Wiener Ex-Strichbuben führte Heidi Pataki.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
April
1976
, Seite 39
Autor/inn/en:

Heidi Pataki:

Studierte Zeitungswissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien; Gedichtband „schlagzeilen“, Suhrkamp 1968; Literaturkritik Hessischer Rundfunk u.a. ORF Studio Steiermark (Essays über jugoslawische Literatur „Über die Grenzen“); Übersetzungen aus dem Serbokroatischen, Englischen. Von 1970 bis 1980 Redaktionsmitglied des FORVM. Sie gehörte 1973 zu den Gründungsinitator/inn/en der Grazer Autorinnen/Autorenversammlung, ab 1991 war sie deren Präsidentin.

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