Das Sprechstück — Salzburgs Sorgenkind
In den letzten Jahren hat sich das Sprechstück bei den Salzburger Festspielen nicht recht wohl gefühlt — ein Gefühl, das auf Gegenseitigkeit zu beruhen schien und das im Vorjahr mit der schwächlichen „Julius Cäsar“-Aufführung in einen akuten Krankheitszustand überging. Infolgedessen wird das Sprechstück — mit Ausnahme des unverwüstlichen „Jedermann“ — den heurigen Festspielen leider nicht beiwohnen. Das ist, trotz begründeter Hoffnung auf baldige Besserung, ein besorgniserregender Zustand. FORVM hat zwei dem Patienten besonders nahestehende Persönlichkeiten gebeten, sich über dessen Zustand zu äußern: Sektionschef Dr. Egon Hilbert, bis zum Vorjahr Leiter der Bundestheaterverwaltung und an der Gestaltung der Salzburger Festspiele auch heute noch intensiv beteiligt; und Hofrat Dr. Ernst Lothar, der heute wohl als der führende Regisseur Österreichs anzusprechen ist und in dessen Händen seit 1952 auch die Inszenierung des Salzburger „Jedermann“ liegt.

