Café Rotlauf
Ernest Mandel, Professor für Nationalökonomie in Brüssel, führender Kopf der von Leo Trotzki gegründeten IV. Internationale, wurde von Günther Nenning in dessen TV-Reihe „Das Gespräch“ eine volle Stunde lang den Österreichern serviert. Vom bundesdeutschen Fernsehen wurde die Sendung übernommen. Dem Generaldirektor der Österreichischen Nationalbank, Dr. Heinz Kienzl, Sozialdemokrat, Hausökonom des ÖGB und Vorsitzender von dessen Kontrollkommission, gefiel der Marxist-Trotzkist als Nationalökonom, er lud ihn im Oktober 1976 in das informelle Gremium der SPÖ- und ÖGB-Spitzenökonomen, den „Benedikt-Kautsky-Kreis“. Aus diesem Anlaß war Mandel Gast in Nennings neuer Sendereihe „Club 2“, zusammen mit Heinz Kienzl sowie Kurt Prokop, Leiter des Bildungsreferates des ÖGB, und Kurt Pilz von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter. Hier die zentrale Kontroverse zwischen Kienzl und Mandel, mit reizvoller Umkehrung der Fronten: Revolutionär Mandel plädiert für das reformistische Ziel der Vollbeschäftigung — Reformist Kienzl spricht von Revolution, erstens für den heimischen Notfall, wenn die bisherigen Reformmethoden nichts mehr bringen sollten, und zweitens für England, um dort die überalterten ökonomischen Strukturen zu ändern.


