„Belvedere“ (ital.): Häßlicher Anblick
Vor kurzem ist im Oberen Belvedere die „Österreichische Galerie des XIX. und XX. Jahrhunderts“ eröffnet worden — ohne die Bilder von Manet, Daumier, Renoir, Monet, van Gogh, Legér und anderen, die sie früher als „Moderne Galerie“ enthalten hat. Jetzt stellt sie sich als Exodus Österreichs aus Europa vor und als Demonstration der Erkenntnis, daß museumsreif vor allem die Idee eines Nationalmuseums ist. Dennoch wurde diese museale Fehlgeburt von einem Großteil der heimischen Presse enthusiastisch begrüßt, weil es nämlich in weiten Kreisen unseres Landes als unpatriotisch gilt, irgend etwas zu kritisieren, was unter der Flagge „österreichisch“ einhergesegelt kommt.
FORVM empfindet es als besondere Pflicht und als besondere Ehre, zur Frage der „Österreichischen Galerie“ im folgenden drei Repräsentanten unseres Kunst- und Geisteslebens das Wort zu erteilen, und zwar ein unverhohlen kritisches Wort: Dr. Ernst H. Buschbeck ist Direktor des Kunsthistorischen Museums zu Wien und als Experte weithin anerkannt, der Schriftsteller Franz Theodor Csokor, dessen kämpferischem Temperament die Jahre nichts anhaben können, ist Präsident des Österreichischen Penclubs, und der Bildhauer Fritz Wotruba, künstlerischer Leiter der Galerie Würthle‚ gehört zu jenen Österreichern, deren kritischer Blick auch durch Erfolg und Anerkennung nicht getrübt wird (seine Plastiken sind in dem hier kritisierten Institut prominent ausgestellt).


