FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1969 » No. 185
Heiliges Officium

93mal Inquisition

Fragen an Monsignore Ivan Illich

Was J. B. Metz („Gegenreformation 1969“, FORVM, Jänner 1969) und gar E. Schillebeeckx („Neoinquisition 1969“, FORVM, Anfang März 1969) da so sagten, mag manchem Leser übertrieben vorgekommen sein. Uns eigentlich auch. Aber da ist nun ein Text in unsere Hände gefallen: ein schriftliches Inquisitorium‚ 93 Fragen, des Heiligen Offiziums (seit 1165 „Kongregation für die Glaubenslehre“, vormals „römische und universale Inquisition“) betreffs Monsignore Ivan Illich, 42, Sohn eines kroatischen Katholiken und einer spanischen Jüdin, geboren in Wien, Studien in Salzburg und Rom, Priester in New York, Professor in Puerto Rico, seit 1960 Direktor des interkonfessionellen „Centro Intercultural de Documentación“ (CIDOC) in Cuernavaca, 70 km von Mexico City. Am 17. Juni 1968 nach Rom berufen, verweigerte Illich ein Verhör im Heiligen Offizium, lehnte nachfolgend gedrucktes Inquisitorium als „rechtswidrig“ ab, gab im Jänner 1969 den Priesterberuf auf, blieb aber Direktor des CIDOC; dem Institut wurde die kirchliche Unterstützung entzogen. (Sätze in Klammer sind Anm. d. Red.)

I. Einleitende und allgemeine Fragen

1. Vor- und Zuname, Herkunft der Familie, Nationalität, Lebenslauf, Schulbildung bis zur Priesterweihe, pastorale und soziale Tätigkeit von der Priesterweihe bis 1960.

2. Ist es wahr, daß seit 1960, insbesondere unter dem starken Einfluß des Benediktiners und Psychoanalytikers Pater Lemercier und mit der bedingungslosen Unterstützung durch den Bischof von Cuernavaca, Monsignore Méndez Arceo, in Ihnen sich eine gefährliche allgemeine Entwicklung von neuen Ideen und desintegrierenden Tendenzen humanitärer und libertärer Natur vollzog, Tendenzen, welche der katholischen Doktrin und Tradition sowie der kirchlichen Disziplin schädlich sind?

3. Was sagen Sie gegenüber jenen die sagen, daß Sie „streitsüchtig, abenteuerlustig, unklug, fanatisch und ein Hypnotiseur“ sind; daß Sie „ein Rebell gegen jegliche Autorität, mit der einzigen Ausnahme jener des Bischofs von Cuernavaca“ sind?

4. Ist es wahr, daß Sie in der Kirche nur jene Art von „Dialog“ haben wollen, welche vom progressivistischen Klerus programmiert und aufgezwungen wird? Warum sagen Sie, daß die Unterstützung für die USA in Lateinamerika durch die Hierarchie der Kirche garantiert wird?

5. Ist es wahr, daß Sie durch Artikel, Interviews, zweideutige theoretische und praktische Stellungnahmen, persönliche Sympathien für die politische und soziale Linke in der Welt sowie durch ein krankhaftes Verständnis für ehemalige Ordensleute und Priester schwerwiegende Verwirrung in den Seelen und Gewissen anderer angestiftet haben, insbesondere durch die Assimilierung von Marxismus und Christentum sowie indem Sie das Diakonat Verheirateter für gleichen Ranges halten wie den zölibatären Pfarrklerus?

6. Ist es wahr, daß in den verschiedenen Publikationen Ihres Institutes CIDOC bereitwillig und gierig Artikel abgedruckt werden, welche kommunistiche Propaganda enthalten sowie auch qualifizierte Kommentare über Religion im allgemeinen und protestantisches, antikatholisches Gedankengut im besonderen?

7. Ist es wahr, daß Ihr Institut in Cuernavaca sich in eine einfache weltliche „Gemeinschaft“ verwandelt hat, zusammengesetzt aus Leuten mit verschiedenen Laienberufen, wobei diese Laien auch leitende Funktionen innehaben? Ist es wahr, daß diese „Gemeinschaft“ völlig frei von jedem kirchlichen Regiment ist?

8. Wieso und warum wurde diese Institution von der bischöflichen Autorität losgelöst? Was ist die gegenwärtige juridische Position des Institutes CIDOC, dessen Direktor Sie sind, gegenüber der kirchlichen Jurisdiktion?

9. Ist es wahr, daß im Umkreis Ihres Institutes CIDOC Versammlungen und Parties veranstaltet werden, sogar bei Nacht und in den Privaträumen junger Mädchen, Gäste oder Angestellter, wobei Priester und Ordensschwestern anwesend sind?

10. Wie, warum und mit welchen Resultaten kam es zur Visitation des Institutes von Cuernavaca durch Beauftragte der lateinamerikanischen Bischofskonferenz?

11. Welcher Art waren Ihre Beziehungen zu dem verstorbenen Kardinal Spellman, zur Fordham-Universität und zur Universität von Puerto Rico?

12. Welches sind die spezifischen Ziele Ihres Institutes in Cuernavaca und aus welchen finanziellen Mitteln wird es unterstützt?

13. Welcher Art waren Ihre juridischen und gesellschaftlichen Beziehungen zu Méndez Arceo (Bischof von Cuernavaca), Pater Maza (Enrique Maza, Jesuit, Redakteur der progressiven Zeitschrift „Excelsior“, Professor an der Ibero-amerikanischen Universität) sowie dem Erzbischof von Mexico City (Miguel Miranda y Gómez)?

14. Wie, wann, durch wen und zu welchen Zwecken wurde das Institut CENFI errichtet und wer autorisierte diese Errichtung (Zentrum für kulturelle Bildung in Petropolis, Brasilien, ein Ableger von CIDOC. — Anm. d. Red.)? Wie geriet CENFI unter die Leitung von Monsignore Gerald Cambron (Rektor des Priesterseminars in Tecugigalpa, Honduras; Kanadier, von Illich für diesen Posten empfohlen)?

Aufforderung zur Denunziation

15. Welche finanzielle Unterstützung erhielten Sie von Personen oder Institutionen in Amerika oder Europa? Warum verweigern Sie jede weitere Hilfe in Form von Personal oder Dienstleistung durch das Missionsapostolat? Warum interpretierten Sie das Missionsapostolat auf humanitär und politisch einseitige Weise?

16. Warum, wie und wann begannen Sie freundschaftliche Beziehungen mit bekannten Führern internationaler politischer Bewegungen, insbesondere mit Luis Alberto Gomez de Souza (führender Theoretiker der „Ação Popular“ sowie des christlich-marxistischen Dialogs in Brasilien; studierte 1965 und 1966 in Cuernavaca) sowie mit dem verstorbenen Ché Guevara?

17. Welcher religiösen, politischen und gesellschaftlichen Art sind die Beziehungen, die Sie hatten und vielleicht immer noch haben mit den folgenden Personen in Mexiko? (Die Namen werden hier ausgelassen, um den Betreffenden zusätzliche Schwierigkeiten vielleicht zu ersparen.)

18. Hatten Sie irgend etwas zu tun mit dem Arrest des Bischofs Casariego von Guatemala? Kam es zu diesem Arrest unter dem direkten oder indirekten Einfluß Ihres Institutes? (Erzbischof Mario Casariego CRS wurde gemäß Polizeibericht vom 16.3.1968 von Rechtsextremisten entführt.)

19. Was können Sie uns über das Leben und die sozialen Ideale des Pater Ceslav Hoinacki OP berichten und über seinen gotteslästerlichen Versuch einer zivilen Heirat am 26.8.1967 mit einer gewissen Maria Dubar, einer Ordensschwester, die am Institut vom Heiligen Herzen Mariae ewige Gelübde abgelegt hatte? (Hoinacki war eine Art Studentenseelsorger am Institut CIDOC; Schwester Dubar lehrte an einer nahegelegenen Schule.)

20. Was können Sie uns über die Meinungen und Aktivitäten der folgenden Personen berichten? (Die Namen werden hier aus den bei Punkt 17 erwähnten Gründen ausgelassen.)

21. Was ist Ihre moralische Wertung betreffend den Fall der empörenden Abweichungen des wohlbekannten Camilo Torres Restrepo? Warum glauben Sie, daß die Kirche falsch gehandelt hat, als sie ihn wegen seiner kriegerischen und revolutionären Ideen verurteilte?

22. Wie beurteilen Sie die religiösen Verirrungen des Pater Martin Amaya (kolumbianischer Priester, Autor eines Buches über die Zukunft des Klerus) sowie des Pater Sebastiano Bolo Hidalgo (in Peru eingekerkerter Priester, der in einem Brief aus dem Gefängnis einen Bischof der Kollaboration mit der Regierung beschuldigte)?

23. Was ist Ihre Meinung betreffend den Skandal unter Ordensschwestern durch die Vorlesungen des Pater Jean Lefebvre und dessen bizarre neue Ideen? (Lefebvre, vormals Mitarbeiter Kardinal Suenens, lehrte 1963 am lateinamerikanischen Pastoralinstitut ISPLA, welches seither aufgelöst wurde.)

24. Unter welchem Vorwand und zu welchen Zwecken konnte Thomas R. Melville, ein vom Glauben abgefallener Teilnehmer an der Guerillabewegung in Guatemala, am Institut CIDOC Aufenthalt nehmen, dort seinen Abfall verteidigen sowie ungestraft auf die Maßnahmen seiner kirchlichen Vorgesetzten anworten?

25. Was sagen Sie zu den Ideen der modernistischen, revolutionären Guerillapriester in Lateinamerika, die da sagen, daß der Katholik, der nicht auf der Seite der Revolution steht, sich im Zustand der Todsünde befindet?

26. Welcher Art sind Ihre Beziehungen mit Francisco Julião (Gründer der Bauernvereinigungen in Nordostbrasilien, 1964 exiliert, lehrt in Cuernavaca) sowie mit Pater Alejandro del Corro (argentinischer Jesuit, Sympathisant der Guerilla, Lehrer am CIDOC), ferner mit Sefiorita Olivieri (Mitarbeiterin von Camilo Torres, Sekretärin der Fakultät für Öffentliche Verwaltung, Nationaluniversität Bogotá, zur Zeit, da Torres dort Dekan war; half bei Herausgabe der Schriften von Torres durch CIDOC)?

27. Ist es wahr, daß Ihrer Meinung nach die katholische Kirche ein Bündel aus Aberglauben und Anarchie ist, ein Supermarket des Profits, in welchem Priester und Ordensgeistliche nur um Geld arbeiten, die Kinder ohne Begründung taufen, die Gläubigen zur häufigen Kommunion zwingen sowie zur Anbetung der Jungfrau und der Heiligen, wobei sie immer wieder Geld verlangen?

23. Was sind Ihre Gedanken betreffend den Nationalismus der Staaten, den internationalen Marxismus und den Katholizismus in der religiösen, politischen, sozialen und ökonomischen Weltordnung?

29. Was sind Ihre Gedanken betreffend die sogenannte friedliche Koexistenz zwischen Ost und West sowie die Haltung der Kirche zwecks Sicherung und Entfaltung der katholischen Religion? Wie halten Sie es mit dem Recht der Freiheit und persönlichen Sicherheit für alle und mit der Pflicht zur evangelischen Entsagung und Demütigung des einzelnen im Rahmen des notwendigen menschlichen Zusammenlebens?

30. Was meinen Sie mit „Dialog“ und wie wollen Sie die verschiedenen abweichenden politischen und religiösen Vorstellungen zu einer Lösung bringen? Denken Sie vielleicht an eine Gleichstellung der Partner in Fragen des Glaubens, der Gesetze und Sitten?

31. Ist für Sie das sogenannte „Konziliare Aggiornamento“ gleichbedeutend mit Umsturz, Widerspruch und Kampf gegen die traditionelle Vergangenheit und gegen die ewige Doktrin der katholischen Kirche?

32. Welches sind die gegenwärtigen publizistischen und sozialen Aktivitäten des Institutes CIDOC? Warum, von wem und wann wurde das von der kirchlichen Obrigkeit gewünschte lateinamerikanische Pastoralzentrum von CIDOC abgetrennt?

33. Ist es wahr, daß Sie Mitglied der staatlichen Kommission für Geburtenkontrolle in Puerto Rico waren und in den Pfarren sowie in Gesprächen mit Laien den Gebrauch der ovulationshemmenden Pille anrieten?

34. Was denken Sie über die exhibitionistische und fanatische Haltung gewisser Kleriker, die durch übertriebene Bezeugung ihres Willens zur Armut sowie durch die Behauptung, ökonomische Privilegien seien ihnen gleichgültig, religiöse und soziale Kämpfe anstiften, oft im Gegensatz zu den göttlichen Gesetzen der Buße und Demut? Sind solche Kleriker am Institut CIDOC zu finden sowie unter den Mitarbeitern dieses Institutes?

35. Sind Sie der Meinung, womit Sie die Verleumdung anderer zu Ihrer eigenen machen, und wenn ja, wieso und warum, daß das Haupt der katholischen Kirche in einem luxuriösen Palast mit tausend Räumen lebt? Was sind Ihre Gedanken über die finanziellen und weltlichen Bedürfnisse der Kirche, welche doch in dieser Welt lebt, Bedürfnisse, welche sich ergeben aus ihren Kultgebräuchen, ihren religiösen Institutionen, ihren verschiedenartigen kulturellen Zwecken, aus der Formung der Seelen, aus den Werken der Barmherzigkeit und der Sozialarbeit?

II. Besondere Fragen und Untersuchungen gemäß Anzeigen und Anschuldigungen sowie gemäß den Ergebnissen des Studiums der Schriften des Illich und der Untersuchungstätigkeit seitens dieses Offiziums

A. Gefährliche Lehrmeinungen

36. Wie denken Sie über die Sakramente und Sakramentalien? Wie würden Sie diese am liebsten vollzogen sehen? Durch wen? Für wen? Wann? Auf welche Weise?

37. Wie denken Sie über die juridische Disziplin des Sakraments der Buße und welche Anschauungen bevorzugen Sie hinsichtlich der Beichte der Gläubigen?

38. Ist es wahr, daß Sie die individuelle Beichte am liebsten abschaffen würden?

39. Was denken Sie über die Erbsünde und über die individuelle Sünde, über Hölle, Himmel und Fegefeuer?

40. Was halten Sie von der übernatürlichen Tugend der Keuschheit im allgemeinen und der priesterlichen Keuschheit im besonderen?

41. Ist es wahr, daß Sie das Fest und die Verehrung Christi als eines Königs für einen Irrtum halten, weil die Kirche nach ihrer Meinung ein demokratisches, egalitäres Volk ist und man von Christus daher nur sagen könne, daß er ein guter Hirte ist?

42. Ist es wahr, daß für Sie das Priestertum nur ein Mysterium der Gemeinschaft ist; daß der Priester daher nicht für sich selbst oder für einzelne Individuen zelebrieren kann; daß die für eine einzelne Person zelebrierte Messe ungültig ist; daß die Zelebration von drei Messen hintereinander eine kommerzielle Unternehmung und ein Skandal ist?

43. Ist es wahr, daß Sie die Mitwirkung der Madonna an der Erlösung leugnen und daß Sie die Kirche anklagen, sie mache für sich Reklame, indem sie Wunder erfinde und Heilige fabriziere?

44. Was halten Sie von priesterlichen Visitationen? Wollen Sie die Pfarre durch eine „Diakonie“ ersetzen? Vielleicht denken Sie, daß das verheiratete Leben dem brüderlichen Dienst in der Kirche vorzuziehen sei?

B. Gegen die Kirche gerichtete Irrtümer

45. Warum nennen Sie die katholische Kirche eine „noble Dame“, die Almosen gibt, und was ist Ihre Einschätzung der Mission in Gegenwart und Vergangenheit?

46. Glauben Sie, daß materielle Güter als Mittel für das religiöse Leben gänzlich ausgeschlossen sein sollen?

47. Was meinen Sie mit „ausländischer Kirche“ in Lateinamerika? Warum sagen Sie, daß der Akzent der Missionare, obgleich heilig, immer ausländisch ist? Warum sagen Sie, daß die Probleme Lateinamerikas nicht von Ausländern und mit ausländischer Hilfe gelöst werden können?

48. Was meinen Sie mit Ihrer Feststellung: „Die Kirche besteht aus Klerikern“? Meinen Sie damit vielleicht, daß die Kirche sich als eine einfache, zufällige Institution von Laien in der menschlichen und gesellschaftlichen Ordnung betrachten und verhalten soll?

Unterschied zwischen Hirten und Schafen

49. Ist es wahr, daß Sie eine Haltung einnehmen, welche im Gegensatz steht zu der traditionellen Lehre über die hierarchische Struktur der Kirche? Wünschen Sie eine Kirche, die von Laien geleitet wird, auch in liturgischen Funktionen? Glauben Sie, daß man die institutionelle Struktur des Klerus und der Gläubigen verändern soll, mit dem Ziel, den kirchlichen Dienst vergnüglicher und weniger mühsam zu machen? Sind Sie für die Schaffung eines Priesteramtes von geweihten Laien?

50. Leugnen Sie die Unterschiede zwischen der lehrenden und der hörenden Kirche, zwischen Hirten und Schafen im Volk Gottes auf Erden?

51. Denken Sie vielleicht, daß das Wort Christi: „Die Ernte ist groß und der Arbeiter sind wenige“, nicht länger gültig ist, überhaupt kein Wort für die Welt von heute ist?

52. Geben Sie zu, daß die Hirten in der Kirche, insbesondere der Papst — der oberste und universelle Stellvertreter Jesu Christi — die Gewalt der Jurisdiktion und des Lehramtes innehaben? Was meinen Sie, könnte die mögliche Quelle dieser Gewalt und dieser Vorrechte sein?

53. Was meinen Sie mit einer „Kirche alla spagnola“ oder mit einer „Karikatur der katholischen Kirche“?

54. Ist es wahr, daß Sie eine neue Kirche wollen — ohne ideologische Voraussetzungen, ohne Hierarchie, ohne Klerus und Hirten?

55. Ist es wahr, daß Sie eine Kirche nach Klassengesichtspunkten wollen, die nur aus den Armen besteht und die entsprechend den Grundsätzen des Klassenkampfes die anderen ausschließt, d.h. gegen den Eintritt der Reichen kämpft? Meinen Sie, daß dies die Kirche der Zukunft von der Kirche der Vergangenheit unterscheiden soll?

56. Halten Sie das Leben der Missionare für ein Mißverständnis, das aufgegeben werden muß, wenn man dem Volk das Evangelium bringen will?

57. Was meinen Sie mit dem Ausdruck „kirchliche Bürokratie“? Warum nennen Sie die Kirche den „Agenten Gottes“ oder den „Supermarket des Herrn“?

58. Auf welche Weise wollen Sie Ihre Absicht verwirklichen, die Sozialarbeiter sobald als möglich loszuwerden? Wie würden Sie die Verwaltungsangelegenheiten der Kirche am liebsten geregelt sehen, in religiöser wie in ökonomischer Hinsicht? Wie wollen Sie die gegenwärtige Struktur, bestehend aus sogenannten „kirchlichen Funktionären“, verändern?

59. Was meinen Sie mit „revolutionärer Kirche“ und mit „Politik und Religion“ in der Kirche?

60. Was sind nach Ihrer Meinung die sogenannten Privilegien der Kirche in Lateinamerika?

C. Seltsame Vorstellungen über den Klerus

70. Ist es wahr, daß Sie Priesterseminare für unnötig halten und sogar für gefährlich?

71. Ist es wahr, daß Sie sowohl gegen den „akademischen“ wie gegen den „Pfarrklerus“ sind und statt dessen neue Priester wollen, ausgewählt ohne Rücksicht auf ihren Wert in der übernatürlichen Ordnung und ohne Gedanken an die Gefahren der Welt, an ihre Versuchungen, an frivole menschliche Gelüste?

72. Ist es wahr, daß für Sie die Ordensschwestern gegenwärtig nur ihrem Egoismus frönen und in der Welt keinen Zweck erfüllen?

73. Ist es wahr, daß Sie gegen den Zölibat sowohl des Klerus wie der Ordensgeistlichen sind? Wie beurteilen Sie die Anwendung der Psychoanalyse im priesterlichen und religiösen Bereich?

74. Ist es wahr, daß Sie die religiöse Berufung nicht für ein Ideal halten, sondern für eine menschliche Angelegenheit; nicht für eine Gabe Gottes an die Seele, sondern für ein personelles Instrument der sozialen und politischen Arbeit in der Kirche?

75. Ist es wahr, daß Sie Ordenshäuser und sonstige religiöse Institutionen mit Konzentrationslagern vergleichen, weil dort die menschliche Persönlichkeit zerstört und Zwangsarbeit geleistet wird? Ist es wahr, daß Sie zu solchen Stätten am liebsten nur die Feigen, Alten, Kranken, Schwachen zulassen wollen?

76. Was heißt das, wenn Sie sagen: „Der Zölibat, das angebliche Kleinod der westlichen Kirche, wird in Zukunft durch Glaube und Güte ersetzt werden“?

77. Ist es wahr, daß für Sie Priester und Ordensschwestern, die Anhänger des Kommunismus und des Fidel Castro sind, Zeugnis für Christus geben, während andere Priester und Ordensschwestern, indem sie in den Schulen der Reichen lehren, sich der Räuberei schuldig machen?

78. Ist es wahr, daß Sie auf aprioristische Weise den religiösen Wert der Beobachtung der hergebrachten Regeln herabsetzen, insbesondere der evangelischen Räte der Armut, Keuschheit und des Gehorsams?

79. Ist es wahr, daß Sie verschiedenen Priestern den Rat gaben, zu heiraten, ohne sich über ihr Leben und ihr Gewissen Gedanken zu machen? Haben Sie insbesondere den folgenden beiden einen solchen Rat gegeben: Carlos Placa Garcia und Manuel Agular?

80. Ist es wahr, daß für Sie der Priester nicht Mittler zwischen Gott und den Menschen ist, von der Kirche zum Dienst an seinen Brüdern berufen, und daß der traditionelle lateinamerikanische „Curato“ eine Phantasmagorie sei, mit der aufgeräumt werden müsse, ob es der Kirche paßt oder nicht?

81. Wer sind die Padres Baltasar Lopez, Segundo Galilea, Cassiano Florestan und was sind ihre Ideen über den Zölibat? (Lopez ist Mitarbeiter des Bischofs von Cuernavaca, Galilea und Florestan waren Periti beim Konzil.)

82. Ist es wahr, daß Sie die Gewohnheit haben, wenn man Sie nach der Zukunft des Klerus befragt, zu erklären, es würde eine neue Art von religiöser und sozialer Dienstleistung geben, durch welche die traditionellen Strukturen radikal über den Haufen geworfen werden?

D. Subversive Interpretationen der Liturgie und des kirchlichen Gehorsams

83. Ist es wahr, daß Sie und Ihr Institut den „traditionellen Ritualismus“ und „kirchlichen Moralismus“ verurteilen und auf diese Weise dazu anstiften, daß in der Liturgie eine seltsame Freiheit um sich greift?

84. Ist es wahr, daß in Cuernavaca viele liturgische Seltsamkeiten erlaubt wurden, darunter die Zelebration und Konzelebration der Heiligen Messe in Hemdärmeln?

85. Was meinen Sie mit „Aberglauben des eucharistischen Kultes“?

86. Ist es wahr, daß Sie gegen die derzeitige Praxis der Kommunion unter der Gestalt des Brotes sind; daß Sie am liebsten sehen würden, wenn es zur obligatorischen Einführung der Kommunion in beiderlei Gestalt käme?

87. Ist es wahr, daß Sie dafür eintreten, daß die Eucharistie in Privathäusern gefeiert wird, und zwar durch die Eltern in Anwesenheit ihrer Kinder?

83. Ist es wahr, daß Sie die Meinung vertreten — entgegen den Vorschriften des Kanon 856 Codex Juris Canonici —, daß die Heilige Kommunion empfangen werden kann, ohne daß man zuerst zur Beichte geht, und zwar sogar dann, wenn der Kommunikant weiß, daß er eine Todsünde begangen hat?

89. Ist es wahr, daß Sie gegen die Anbetung der Allerheiligsten Jungfrau sind und insbesondere gegen die Rosenkranzlitanei, den Kult der Heiligen sowie die Übungen gemäß der Methode des heiligen Ignatius von Loyola?

90. Ist es wahr, daß Sie es am liebsten hätten, wenn Frauen zur Beichte gehen, ohne daß der Beichtstuhl mit einem Gitter abgeschlossen wäre?

91. Warum und mit welcher Begründung behaupten Sie, daß die Kirche derzeit ihre Seelsorge auf rituell-magische Weise betreibt und nicht durch ethische Verkündigung?

92. Ist es Ihre Meinung, daß die Kirche heute vielleicht nicht mehr das Haus Gottes sein kann, ein Ort des Gebetes und Opfers. Glauben Sie, daß die Kirche eher ein Ort der Flucht ist, ein Ort der Folklore, eine volkstümliche Sehenswürdigkeit?

93. Was ist Ihre Einschätzung der Anordnung des Erzbischofs von Guadalajara, Kardinal José Garibi y Rivera, gemäß welcher kein Priester an den Lehrveranstaltungen des Institutes in Cuernavaca teilnehmen darf, bei Strafe der Suspension a divinis ipso facto und sofort?

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Mai
1969
, Seite 367
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