Am 8. Mai 2003 jährt sich zum 58. Mal die Zerschlagung der nationalsozialistischen Herrschaft. An diesem Tag feiern wir die Niederlage des deutschen Reiches, das Ende von Mord und Unterdrückung, die Befreiung der Gefangenen aus den Konzentrations- und Vernichtungslagern - und trauern um die Ermordeten der Shoah. Am 8. Mai feiern wir diejenigen und danken denjenigen, die diesem Treiben ein Ende setzten.
Trotz der in den letzten Kriegsjahren sich anbahnenden Niederlage des nazistischen Kampfes zur Unterjochung Europas und der Welt, ließen viele, viel zu viele, Deutsche und ÖsterreicherInnen nicht von den Idealen des Nationalsozialismus ab und verteidigten das nationalsozialistische Vernichtungsprojekt bis zum Letzten. Das deutsche und österreichische Bündnis von Mob und Elite, die nationalsozialistische Volksgemeinschaft, war selbst in den letzten Kriegstagen noch nicht zusammengebrochen. Ende März 1945 erreichten die sowjetischen Truppen unter Marschall Fjodor Iwanowitsch Tolbuchin die österreichische Grenze, am 6. April begann der Angriff auf Wien. Noch in der Phase des Zusammenbruchs verübten SS-Einheiten Morde und fanden Pogrome und Todesmärsche statt, denen vor allem Jüdinnen und Juden zum Opfer fielen. Die einzige Möglichkeit der militärischen Zerschlagung dieser Volksgemeinschaft und der Verhinderung weiteren Mordens war die Intervention von außen. Die bedingungslose Kapitulation des deutschen Reiches am 8. Mai bedeutete das Ende eines Kapitels der Geschichte, das an Grausamkeit und Terror mit keinem anderen verglichen werden kann. Für die unzähligen Menschen, die in ständiger Angst vor Deportation, Lager und Vernichtung im Untergrund lebten und für jene, die aus den Lagern noch befreit werden konnten, ging ein Alptraum zu Ende.
Wie erinnern am 8. Mai an den Sieg der antifaschistischen Allianz. Wir danken den US-amerikanischen und britischen Streitkräften, ebenso der französischen Resistance, den PartisanInnenverbänden, den Deserteuren und allen WiderstandskämpferInnen, die in ganz Europa mit aller Kraft gegen den Nationalsozialismus kämpften. Wir erinnern im Besonderen an den Einsatz der Roten Armee, die mit ihrem Beitrag zur Befreiung die größten Opfer hinnehmen musste. Aus diesem Grund treffen wir uns beim Denkmal der Roten Armee am Schwarzenbergplatz und feiern die Niederlage des Nationalsozialismus!
Ein Fest von Basisgruppe Politikwissenschaft und der Ökologischen Linken (ÖKOLI)
Do, 8. Mai 2003, 18 Uhr
beim Sowjetdenkmal am Schwarzenbergplatz
mit Anwesenheit von Mitgliedern der Organisation der Jüdischen Partisanen der Roten Armee, sowie einer Rede dessen Vorsitzenden Sasha Bergelsohn.
Grünalternative Jugend (GAJ), Initiative Tolbuchin-Ring, Linke Alternative Basisgruppenliste (LIAB), HaShomer HaZair, ÖH Uni Wien, Bagru HuS-Doktorat, Café Critique, Heribert Schiedel (DÖW), ContextXXI (www.contextxxi.at) , Bündnis antinationaler Gruppen (bang!), Autonome Uni-Antifa (aua), Liste unabhängiger Studierender (LUST), Karl Pfeifer, Samuel Laster (www.juedische.at), Ensemble Alptraumtöchter, Strv/IG Nederlandistik, Bagru Thewi
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Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, unterzeichnet die zweite, ratifizierende Kapitulationsurkunde am 8./9. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst.
Der 8. Mai ist als Tag der Befreiung oder auch als Tag des Sieges (Fête de la Victoire) in einigen europäischen Ländern ein Gedenk- oder Feiertag, an dem als Jahrestag zum 8. Mai 1945 der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht und damit des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa und der Befreiung vom Nationalsozialismus gedacht wird. Er wird als Gedenktag und teilweise als Feiertag mit öffentlicher Beteiligung begangen. Das Kürzel VE-Day (Victory in Europe Day) ist in den USA sowie den drei Commonwealth-Staaten Vereinigtes Königreich, Kanada und Australien üblich. In der Sowjetunion, deren Nachfolgestaaten und den meisten Ländern des ehemaligen sowjetisch besetzten Europas findet, bzw. fand ein entsprechender Gedenktag am 9. Mai statt. In der DDR war der 8. Mai von 1950 bis 1967 und im Jahr 1985 (40. Jahrestag) gesetzlicher Feiertag.
Im ehemaligen Ostblock wird der 8. oder 9. Mai nicht unbedingt als Tag der Befreiung empfunden, da dort auf das Ende der deutschen Fremdherrschaft die Herrschaft des Kommunismus unter Führung der Sowjetunion folgte, die erst mit den Revolutionen im Jahr 1989 und dem folgenden Zerfall der Sowjetunion endete.
Bei den Verhandlungen im Hauptquartier der alliierten Streitkräfte (SHAEF) in Reims wurde am 7. Mai die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte vereinbart und diese dort vertraglich unterzeichnet. Als Zeitpunkt für die Einstellung aller Kampfhandlungen in Europa wurde der 8. Mai, 23:01 Uhr festgelegt.[1]
Deutsche Streitkräfte setzten ihre Kampfhandlungen jedoch gegen sowjetische Truppen fort. Um auch die Kämpfe zwischen sowjetischen und deutschen Truppen verbindlich zu beenden, erfolgte am späten Abend des 8. Mai im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst (heute Museum Berlin-Karlshorst) durch die Oberbefehlshaber der Teilstreitkräfte der Wehrmacht eine Gegenzeichnung der Kapitulationserklärung. Diese zog sich bis kurz nach Mitternacht hin. Da es zu diesem Zeitpunkt auf Grund der Zeitzonen in Moskau bereits zwei Stunden später war, wird in der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten (alle außer der Ukraine) der 9. Mai als Tag des Sieges begangen.
Im Gegensatz zur DDR war der 8. Mai in der frühen Bundesrepublik Deutschland kein Bezugspunkt in der Erinnerungspolitik und erfuhr auch ansonsten wenig öffentliche Aufmerksamkeit. Der 8. Mai 1955 wurde vom Inkrafttreten der Pariser Verträge (5. bis 9. Mai 1955) und der damit wiedererlangten Souveränität überlagert. Der zehnte Jahrestag der militärischen Kapitulation wurde in diesem Kontext zwar erwähnt „als Anfang einer Entwicklung, die mit dem Wiedererlangen der Souveränität endete, nicht aber als eigenständiges Datum“.[2] Als erste Bundesregierung gab die sozial-liberale Koalition unter Willy Brandt am 8. Mai 1970 eine offizielle Regierungserklärung anlässlich des 25. Jahrestages im Deutschen Bundestag ab.[3] Vertreter der CDU/CSU-Opposition versuchten dies zu verhindern und erklärten „Niederlagen feiert man nicht“ und „Schande und Schuld verdienen keine Würdigung“.[4] Bereits anlässlich des 20. Jahrestages hatte Bundeskanzler Ludwig Erhard eine Erklärung im Rundfunk und Fernsehen verlesen, in der er anlässlich des „Tag[s] der deutschen Kapitulation“ betonte, dass dem „militärischen Zusammenbruch“ ein „geistiger und moralischer Verfall vorausgegangen“ sei. Nur „wenn mit der Niederwerfung Hitler-Deutschlands Unrecht und Tyrannei aus der Welt getilgt worden wären, dann allerdings hätte die ganze Menschheit Grund genug, den 8. Mai als einen Gedenktag der Befreiung zu feiern“.[5]
In den 1970er Jahren verstärkte sich die Aufmerksamkeit für den 8. Mai als politischen Gedenktag deutlich, von einer allgemeinen Anerkennung dieser Bedeutung lässt sich nach Einschätzung von Peter Hurrelbrink jedoch erst am 40. Jahrestag, dem 8. Mai 1985 sprechen: „Zum ersten Mal wurde in der Bundesrepublik ein Jahrestag des 8. Mai von einer ebenso umfangreichen wie kontroversen Debatte begleitet“.[6] Der Deutsche Bundestag veranstaltete auf hohem protokollarischem Niveau eine Gedenkstunde, in deren Zuge der BundespräsidentRichard von Weizsäcker in der Rede Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft den 8. Mai als „Tag der Befreiung […] von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ bezeichnete.[7]
Seit 1985 wurde in der Bundesrepublik verstärkt darüber diskutiert, wofür der 8. Mai 1945 steht: für die totale militärische Niederlage Deutschlands oder für seine Befreiung vom Nationalsozialismus. Während in der Nachkriegszeit der Aspekt der Niederlage im Vordergrund stand, hat der Aspekt der Befreiung zunehmend an Gewicht gewonnen. Historisch haben die Alliierten allerdings nicht gegen das Deutsche Reich Krieg geführt, um es zu befreien, sondern um es militärisch zu besiegen. Befreit im Wortsinne durch alliierte Truppen wurden Hunderttausende aus politischen, rassischen, religiösen u. a. Gründen Gefangene in den Zuchthäusern, Konzentrations- und Vernichtungslagern und auch nichtinhaftierte Menschen, welche mit der NSDAP-Diktatur nicht konform gingen und teilweise aus dem Untergrund gegen diese kämpften. Dem Historiker Peter Hoeres zufolge markiere das „Datum des 8. Mai als Erinnerungsort [...] im emotionalen Wunsch der heutigen Generation, auf der moralisch privilegierten Seite der historischen Sieger zu stehen, somit einen Bruch mit der europäischen Erinnerungstradition und auch mit differenzierter historischer Aufklärung“, da es sich bei dem „Tag der Befreiung“ zusehends um eine Chiffre handele, „die alle historischen Ambivalenzen und Komplexitäten“ ausblende.[8]
Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte am 8. Mai 2000: „Niemand bestreitet heute mehr ernsthaft, dass der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung gewesen ist – der Befreiung von nationalsozialistischer Herrschaft, von Völkermord und dem Grauen des Krieges.“[9] Nach Einschätzung des Historikers Hubertus Knabe muss bei der Anwendung des Begriffs Tag der Befreiung zudem zwischen Ost- und Westdeutschland unterschieden werden, da die Ostdeutschen erst ab 1989 die Chance erhalten hätten, eine Demokratie aufzubauen. Josef Stalin habe zwar entscheidend dazu beigetragen, den Nationalsozialismus militärisch zu besiegen, den Sieg aber dazu benutzt, seine eigene Diktatur zu errichten.[10]
Der 8. Mai als Feiertag oder Gedenktag im Bund und in den Ländern
In der Bundesrepublik wird seit Jahrzehnten auf Bundesebene und in den Bundesländern diskutiert, den 8. Mai förmlich als Feiertag oder Gedenktag zu etablieren. Insbesondere aus Gewerkschaften und politischen Parteien wie SPD, Grünen und PDS/Linkspartei sowie von Überlebenden der NS-Verfolgung kamen diese Impulse. 2020, anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz, forderte die Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland, Esther Bejarano, den 8. Mai auf Bundesebene zu einem Feiertag zu erklären.[11] So auch Axel Drecoll, der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.[12] Bereits im Mai 2018 hatte der Bundeskongress des DGB beschlossen, sich für einen bundesweiten Feiertag einzusetzen.
„Dieser Tag soll ein Tag gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung jeglicher Form werden. Es soll außerdem darauf hingewirkt werden, dass an diesem Tag bundesweit Veranstaltungen zum Thema Antifaschismus durchgeführt werden.“
Während in der Bundespolitik bislang alle Versuche erfolglos waren, den 8. Mai 1945 zum Feiertag oder Gedenktag zu erklären, ist das historische Datum inzwischen in sieben Bundesländern zum offiziellen Gedenktag erklärt worden:[14]
Seit März 2002 ist der 8. Mai in Mecklenburg-Vorpommern staatlicher Gedenktag als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des 2. Weltkrieges.[15]
In Schleswig-Holstein ist der 8. Mai seit 2020 offizieller Gedenktag, nachdem der Schleswig-Holsteinische Landtag aufgrund einer Petition[18] von drei zivilgesellschaftlichen Organisationen ihn dazu bestimmt hat.[19][20][21][22] Ebenfalls 2020 erklärte das Bundesland Bremen den 8. Mai zum Gedenktag des Stadtstaates.[23]
Im Juni 2022 deklarierte auch das Bundesland Hamburg den Tag zu einem offiziellen Gedenktag.[24]
In Sachsen hat der Sächsische Landtag Ende März 2025 beschlossen, künftig den 8. Mai ebenfalls als offiziellen Gedenktag zu begehen.[25]
2005 fand in Berlin anlässlich des 60. Jahrestags ein „Tag der Demokratie“ statt. In Berlin war der 75. Jahrestag am 8. Mai 2020 einmalig ein gesetzlicher Feiertag.[26] Auch der 80. Jahrestag am 8. Mai 2025 war in Berlin ein gesetzlicher Feiertag.[27]
Bei den Veranstaltungen zu diesem 1950 auf Beschluss der Volkskammer eingeführten Feiertag,[28] der in der Deutschen Demokratischen Republik als Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus[29] gefeiert wurde, wurde die besondere Bedeutung der Roten Armee am Kriegsende in Deutschland hervorgehoben, während der Beitrag der westlichen Alliierten dazu weniger Beachtung fand. 1967 wurde im Zuge der Einführung der Fünf-Tage-Woche der Tag zusammen mit anderen Feiertagen wieder zum Werktag. Allerdings fanden auch weiterhin jedes Jahr bis zum Ende der DDR offizielle Veranstaltungen statt. Zum 30. Jahrestag des Kriegsendes (1975) wurde nach sowjetischem Vorbild der Tag des Sieges (also der 9. Mai) vom Zentralkomitee der SED zum arbeitsfreien Feiertag erklärt. 1985 wurde zum 40. Jahrestag noch einmal der 8. Mai als arbeitsfreier Feiertag begangen.
In Frankreich trägt der Tag den Namen Victoire 1945.Valéry Giscard d’Estaing schaffte die Feiern zum Tag der Befreiung 1974/75 ab. Hieraufhin gab es von unterschiedlichen Seiten heftige Proteste, weswegen François Mitterrand nach seiner Amtsübernahme 1981 diesen Feiertag wieder einführte.
Der 8. Mai ist in Österreich kein arbeitsfreier Feiertag. Die Bundesregierung gedenkt an diesem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Europa.[30]
Seit 2013 organisiert das Mauthausen Komitee Österreich in Kooperation mit der österreichischen Regierung und der Stadt Wien das Fest der Freude an diesem Tag. Das Fest findet am Heldenplatz statt, umfasst Musik und Redebeiträge, und steht im Gedenken an die Opfer und in Freude über die Befreiung von der NS-Terrorherrschaft.[31]
Zum 75. Jahrestag der Befreiung im Jahr 2020 übermittelten Vertreter der Siegermächte öffentliche Videobotschaften.[32]
In Polen wird der 8. Mai seit 2015 als nicht arbeitsfreier "Narodowy Dzień Zwycięstwa" (Nationaler Siegestag) gefeiert.
Bereits im Jahr 1945 selbst wurde über Sieges- bzw. Befreiungsfeiern diskutiert.[33] Bis 1989 wurde in sowjetischer Tradition am 9. Mai gefeiert, mit den zentralen Feierlichkeiten am Plac Zwycięstwa (Siegesplatz) oder Plac Defilad (Paradeplatz) in Warschau. Von 1990 bis 2014 fanden keine offiziellen Zeremonien statt, jedoch organisierten viele Städte und Militäreinheiten eigene Festivitäten am 9. Mai.
Ende Mai 2015 ersuchte der Präsident des Instituts für Nationales Gedenken, Łukasz Kamiński, den Marschall des Sejm, den Gedenktag vom 9. auf den 8. Mai zu verschieben.[34] Am 24. April 2015 beschloss der Sejm den 8. Mai als Nationalen Siegestag und schaffte den 9. Mai als Nationalen Tag des Sieges und der Befreiung ab.[35]
Im Vereinigten Königreich ist der VE Day kein arbeitsfreier Feiertag. Anlässlich des 50. und 75. Jubiläums wurde jedoch 1995 und 2020 jeweils ein Bankfeiertag auf den 8. Mai verschoben.[36]
Im September 1945 diskutierte die tschechoslowakische Regierung über die Einführung eines Gedenktages. Der Vorschlag, sowohl den 9. Mai als auch den 29. August (zur Erinnerung an den Slowakischen Nationalaufstand) zu Feiertagen zu erklären, wurde von Präsident Edvard Beneš abgelehnt. Er schlug vor, den 5. Mai auszuwählen, die Initiative verlief jedoch im Sand.[38]
Ab 1951 wurde der 9. Mai als arbeitsfreier "Tag der Befreiung der Tschechoslowakei durch die sowjetische Armee" gefeiert. 1990 wurde der Gedenktag auf den 8. Mai verschoben und in "Tag der Befreiung vom Faschismus" umbenannt.
In der Slowakei handelt es sich seit 1994 um einen nicht arbeitsfreien Gedenktag am 8. Mai, den Deň víťazstva nad fašizmom (Tag des Sieges über den Faschismus).[38]
In Tschechien ist der 8. Mai ein gesetzlicher Feiertag, an dem Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 200 m² geschlossen bleiben müssen. Er trug ab 2000 den Namen Den osvobození = Tag der Befreiung, und seit 2004 den Namen Den vítězství= Tag des Sieges.
Der 8. Mai wird in den baltischen Staaten als Gedenktag begangen: in Lettland als Nacisma sagrāves un Otrā pasaules kara upuru piemiņas diena (Tag der Zerstörung des Nazismus und Gedenken der Opfer des Zweiten Weltkriegs), in Litauen als Antrojo pasaulinio karo aukų atminimo diena (Tag der Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkriegs). Es ist kein öffentlicher Feiertag, Gedenkveranstaltungen finden während des Tages statt.[39][40]
Seit 2024 begeht die Ukraine am 8. Mai den arbeitsfreien „Tag des Gedenkens und des Sieges über den Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg“ (День па́м'яті та перемо́ги над наци́змом у Дру́гій світові́й війні́ 1939 – 1945 ро́кі́в).[42]
Von 1945 bis 2015 wurde in der Ukraine der Tag des Sieges in sowjetischer Tradition am 9. Mai begangen.[43] Die gesetzliche Grundlage hierfür wurde 2015 im Zuge der "Dekommunisierung" der Regierung Poroschenko außer Kraft gesetzt, da sie den Begriff "Großer Vaterländischer Krieg" enthielt.[44] Stattdessen sollten der 8. und 9. Mai gemeinsam als Tage des Gedenkens und der Versöhnung begangen werden. Der 8. Mai wurde zum „Tag des Gedenkens und der Versöhnung“ (День пам’яті та примирення) gemacht, der 9. Mai zum arbeitsfreien „Tag des Sieges über den Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg“ (День перемоги над нацизмом у Другій світовій війн) erklärt.[45]
Im Mai 2023 erklärte die Werchowna Rada den 8. Mai zum jetzigen arbeitsfreien Feiertag. Der 9. Mai wurde hingegen im Gedenken an die Schumanerklärung zum Europatag. Hintergrund der erneuten Änderung ist die Hinwendung der Ukraine zur Europäischen Union im Zuge des russischen Angriffskriegs.[46]
In den Niederlanden wird der Bevrijdingsdag am 5. Mai begangen. Bereits am Vorabend, am 4. Mai findet die „Dodenherdenking“ mit einer feierlichen Kranzniederlegung zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs statt. Am 5. Mai verhandelten 1945 der kanadische General Charles Foulkes und der deutsche Oberbefehlshaber Johannes Blaskowitz im Beisein von Prinz Bernhard als Kommandant der inländischen Streitkräfte im Hotel de Wereld in Wageningen über die Kapitulation der Wehrmachtseinheiten in dem noch besetzten Teil der Niederlande. Blaskowitz erbat sich 24 Stunden Bedenkzeit. Am 6. Mai 1945 wurden die vorbereiteten Kapitulationsbedingungen für das Gebiet des „Reichskommissariats Niederlande“ in der nahe dem Hotel gelegenen Aula der Landbauhochschule unterzeichnet.
Im Jahr 2012 sprach Bundespräsident Joachim Gauck als erster Deutscher anlässlich des Tags der Befreiung in den Niederlanden.[47]
Dänemark begeht den 5. Mai als Befrielsesdag, der ein nicht arbeitsfreier Gedenktag ist. Öffentliche Gebäude werden beflaggt.[48]
In der Sowjetunion wurde am 9. Mai der Tag des Sieges als gesetzlicher Feiertag begangen, da die Kapitulation gegenüber der Roten Armee erst nach Mitternacht MEZ erfolgte und zudem der Waffenstillstand nach Moskauer Zeit (UTC+3) erst am 9. Mai in Kraft trat. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde der 9. Mai – als Tag des Sieges – in einigen ihrer Nachfolgestaaten als gesetzlicher Feiertag beibehalten. Mit Ausnahme von Russland wird der 8. oder 9. Mai im ehemaligen Ostblock nicht unbedingt als Tag der Befreiung empfunden, da dort – entweder als Teil der Sowjetunion (UdSSR) oder als Satellitenstaat der UdSSR – auf das Ende des Nationalsozialismus ein unfreies Dasein kommunistisch-sowjetischer Prägung hinter dem Eisernen Vorhang folgte, das erst im Jahr 1989 oder mit dem Zerfall der Sowjetunion endete.[49][50][51]
Feierlichkeiten am 8. Mai 2010 in Reims (Frankreich)
Friedrich Huneke: „Vorher war der 8. Mai 1945 ein bloßes Datum …“. Erinnerungskultur im Unterricht. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Jg. 57 (2006), H. 2 – 23254, S. 115–132, ISSN0016-9056.
Peter Hurrelbrink: Befreiung als Prozess. Die kollektiv-offizielle Erinnerung an den 8. Mai 1945 in der Bundesrepublik, der DDR und im vereinten Deutschland. In: Gesine Schwan u. a. (Hrsg.): Demokratische politische Identität. Deutschland, Polen und Frankreich im Vergleich. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14555-X, S. 71–119.
Harald Schmid: Zweierlei Kriegsenden. Der 8. Mai 1945 im politischen Diskurs der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. In: Natali Stegmann (Hrsg.): Die Weltkriege als symbolische Bezugspunkte. Polen, die Tschechoslowakei und Deutschland nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Masaryk°uv Ústav a Archiv AV ČR, Praha 2009, ISBN 978-80-86495-53-8, S. 209–226.
↑Florian Altenhöner (1996): Der 8. Mai: (K)ein Feiertag. Zu einer Ausstellung der Fachschaft Geschichte. In: Konvent der Philipps-Universität Marburg (Hrsg.): Die Philipps-Universität im Nationalsozialismus. Veranstaltungen der Philipps-Universität zum 50. Jahrestag des Kriegsendes 8. Mai 1995. Marburg, S. 79–94, zitiert nach Peter Hurrelbrink: Befreiung als Prozess. Die kollektiv-offizielle Erinnerung an den 8. Mai 1945 in der Bundesrepublik, der DDR und im vereinten Deutschland. In: Gesine Schwan u. a. (Hrsg.): Demokratische politische Identität. Deutschland, Polen und Frankreich im Vergleich. VS Verlag, Wiesbaden 2006, S. 78.
↑Dabei handelte es sich noch nicht um eine Sondersitzung des Deutschen Bundestages anlässlich des Gedenkens, wie es in späteren Jahren üblich wurde, sondern um den letzten Tagesordnungspunkt einer regulären Sitzung. Vgl. Peter Hurrelbrink: Befreiung als Prozess. Die kollektiv-offizielle Erinnerung an den 8. Mai 1945 in der Bundesrepublik, der DDR und im vereinten Deutschland. In: Gesine Schwan u. a. (Hrsg.): Demokratische politische Identität. Deutschland, Polen und Frankreich im Vergleich. VS Verlag, Wiesbaden 2006, S. 85.
↑Peter Hurrelbrink: Befreiung als Prozess. Die kollektiv-offizielle Erinnerung an den 8. Mai 1945 in der Bundesrepublik, der DDR und im vereinten Deutschland. In: Gesine Schwan u. a. (Hrsg.): Demokratische politische Identität. Deutschland, Polen und Frankreich im Vergleich. VS Verlag, Wiesbaden 2006, S. 83 ff.
↑Ludwig Erhard (1965): Ein fester Wille zur Versöhnung. Erklärung des Bundeskanzlers über Rundfunk und Fernsehen zum 20. Jahrestag des Kriegsendes vom 7. Mai 1965. In: Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung vom 11. Mai 1965. Zitiert nach Peter Hurrelbrink: Befreiung als Prozess. Die kollektiv-offizielle Erinnerung an den 8. Mai 1945 in der Bundesrepublik, der DDR und im vereinten Deutschland. In: Gesine Schwan u. a. (Hrsg.): Demokratische politische Identität. Deutschland, Polen und Frankreich im Vergleich. VS Verlag, Wiesbaden 2006, S. 84.
↑Peter Hurrelbrink: Befreiung als Prozess. Die kollektiv-offizielle Erinnerung an den 8. Mai 1945 in der Bundesrepublik, der DDR und im vereinten Deutschland. In: Gesine Schwan u. a. (Hrsg.): Demokratische politische Identität. Deutschland, Polen und Frankreich im Vergleich. VS Verlag, Wiesbaden 2006, S. 87.
↑Richard von Weizsäcker (1985): Der 8. Mai 1945 – vierzig Jahre danach. Rede zum 40. Jahrestag des 8. Mai 1945, Deutscher Bundestag am 8. Mai 1985. In: Ders.: Brücken zur Verständigung. Reden. Berlin 1990, S. 31–46. Zitiert nach Peter Hurrelbrink: Befreiung als Prozess. Die kollektiv-offizielle Erinnerung an den 8. Mai 1945 in der Bundesrepublik, der DDR und im vereinten Deutschland. In: Gesine Schwan u. a. (Hrsg.): Demokratische politische Identität. Deutschland, Polen und Frankreich im Vergleich. VS Verlag, Wiesbaden 2006, S. 89.
↑Peter Hoeres: Vom Paradox zur Eindeutigkeit. Der 8. Mai in der westdeutschen Erinnerungskultur. In: Bernd Heidenreich, Evelyn Brockhoff, Andreas Rödder (Hrsg.): Der 8. Mai 1945 im Geschichtsbild der Deutschen und ihrer Nachbarn. 1. Auflage. Hessische Landeszentrale für politische Bildung, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-943192-31-5, S.57.
↑Thorge Rühmann: Die Befreiung feiern. Eine Initiative ruft dazu auf, sich am neuen Gedenktag zum Kriegsende zu beteiligen. In: Evangelische Zeitung für Schleswig-Holstein. 18. April 2021, abgerufen am 12. Mai 2025.
↑Ole Kristian Grimnes, Ivar Kraglund, Torgeir Ekerholt Sæveraas: frigjøringen. In: Store norske leksikon. 9. September 2025 (snl.no [abgerufen am 8. Mai 2026]).