Kosmoprolet
Kosmoprolet ist ein Versuch, mit Leuten in Diskussion zu treten, die ebenfalls das Bedürfnis verspüren, die ausgetretenen Pfade des linken Aktivismus zu verlassen und sich auf die Klassenverhältnisse zu beziehen.2 Der Name erinnert an die Cosmopolis, an die Idee des Weltbürgers, doch durch die Einfügung des »r« wird der schöne (kantische) Bürgertraum konterkariert und auf seine radikale Pointe gebracht: Die Weltgesellschaft besteht, aber in verkehrter Form, als allgemeine Proletarisierung. Zugleich steht der Name gegen den »linken« Nationalismus – der »wurzellose Kosmopolit« (Besrodny kosmopolit) war ein Schlagwort in der antisemitischen Kampagne, die Ende der vierziger Jahre in der UdSSR einsetzte.
In den 28 Thesen zur Klassengesellschaft skizzieren wir, welche Veränderungen die Begriffe Proletariat, Klassenkampf und Revolution historisch durchlaufen haben, ohne damit hinfällig zu werden. So wie wir uns den Gedanken der »klassenlosen Klassengesellschaft« bei Adorno geborgt haben, findet sich in den Thesen manches, was, ohne eigens mit Zitaten ausgewiesen zu werden, kurzerhand aus den Schriften des kritischen Kommunismus geplündert wurde. Ein gravierender Mangel besteht sicherlich darin, dass wir den Begriff der Krise umschiffen, was sich insbesondere dort bemerkbar macht, wo wir die gegenwärtigen Veränderungen der Klassenverhältnisse zu fassen versuchen. Die Thesen stellen lediglich den vorläufigen Stand unserer gemeinsamen Selbstverständigung dar. Wir veröffentlichen sie in der Hoffnung, mit Leuten in eine Debatte zu kommen, die sich mit ähnlichen Fragen herumschlagen.