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Rainer Langhans

Rainer Langhans bei Wikipedia

Rainer Langhans, 2008

Rainer Langhans (* 19. Juni 1940 in Oschersleben) ist ein deutscher Autor, Filmemacher und Schauspieler, der vor allem für seine Mitgliedschaft in der Kommune I bekannt ist.

Rainer Langhans ist Sohn eines Ingenieurs. Sein Großvater väterlicherseits war Arzt in Jena, sein Vater arbeitete bis 1945 in einem Rüstungsbetrieb bei Stolpmünde in Hinterpommern. Die Familie flüchtete bei Kriegsende nach Jena.[1] Rainer Langhans war Schüler der Jenaer Grete-Unrein-Schule[1] und Mitglied der Jungen Pioniere.[2] 1953 verließen seine Eltern Jena und flüchteten mit der Berliner S-Bahn in den Westen.[1] Durch zahlreiche Umzüge seiner Familie in der Nachkriegszeit erlebte er die unterschiedlichen Schulsysteme in Ost- und Westdeutschland[2] und absolvierte 1960 sein Internats-Abitur an der privaten Zinzendorfschule der Herrnhuter Brüdergemeine in Königsfeld im Schwarzwald.[3]

Nach dem Abitur trat Langhans 1960 freiwillig in die Bundeswehr ein und verließ sie 1961 als Fähnrich der Reserve.[3] Zum Wintersemester 1962 begann er an der Freien Universität Berlin zunächst ein Jurastudium. Zwei Semester später immatrikulierte er sich für das Fach Psychologie,[3] brach jedoch 1969 seine Vordiplomarbeit wegen Differenzen mit dem Professor ab.[4] Während dieser Zeit kam Langhans mit der Studentenbewegung in Berührung und zog im März 1967 in die kurz zuvor gegründete Polit-Wohngemeinschaft Kommune I.[5]

Aktionen in den 1960er Jahren

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Rainer Langhans verteilt Flugblätter vor der Mensa der Freien Universität Berlin (1967)

Mit dem sogenannten „Kaufhausbrand-Flugblatt“, das die Kommunarden 1967 in Umlauf brachten, sollten die Konsumgesellschaft und die Napalm-Attacken der US-Amerikaner im Vietnamkrieg kritisiert werden. Während Monate später Andreas Baader und Gudrun Ensslin, die sich damals im Umfeld der Kommune I aufhielten, in Frankfurt am Main tatsächlich zwei Kaufhäuser in Brand setzten, wurde Langhans durch das Berliner Kammergericht, vor dem er wegen Anstiftung zur Brandstiftung angeklagt war, freigesprochen.

Als 1967 der ehemalige Reichstagspräsident Paul Löbe verstarb, störte eine Gruppe um Andreas Baader die Trauerfeierlichkeiten am Rathaus Schöneberg. Sie trug einen Sarg mit der Aufschrift „SENAT“, verhöhnte Löbe und brachte den Wunsch zum Ausdruck, die Leichen der damaligen Berliner Senatoren zu „verscharren“. Rainer Langhans beteiligte sich im Petticoat an der Aktion.[6]

Bekannt wurde ferner das „Pudding-Attentat“, das Langhans und andere anlässlich des Besuchs des US-Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey geplant hatten: Wiederum als Zeichen des Protests gegen den Vietnamkrieg sollte der US-Politiker mit Pudding beworfen werden. Das Attentat blieb unausgeführt, da die Kommune I damals unter Beobachtung des Berliner Verfassungsschutzes stand und Langhans in Polizeigewahrsam genommen worden war. Die Bild-Zeitung titelte damals: „Geplant: Berlin – Bombenanschlag auf US-Vizepräsidenten“.

Rainer Langhans bei der Beerdigung von Fritz Teufel, 2010

Langhans war bis 1973 mit dem Fotomodell Uschi Obermaier liiert, die ebenfalls in der Kommune I lebte. In München zog sie mit Langhans in die von Thomas Althoff gegründete High-Fish-Kommune (auch Haifisch-Kommune geschrieben).[7][8] Als Fleetwood Mac im Rahmen einer Europatournee 1970 in München Station machte, wurde der damalige Bandleader Peter Green von Obermaier und Langhans zu einer Party der Kommune bzw. Haifisch-Kommune eingeladen.[9]

Langhans vertritt bis heute die Meinung, dass das Private das eigentlich Politische sei. Bereits Anfang der 1970er hatte er sich zusätzlich spirituell-esoterischen Inhalten zugewandt. Nach der Veröffentlichung eines Interviews mit Mathias Bröckers für die taz, das am 12. April 1989 veröffentlicht wurde,[10] geriet Langhans wegen seiner mehrfach vorgetragenen spirituellen Deutung des Nationalsozialismus in den Folgejahren immer wieder in die Kritik. Der Nationalsozialismus sei als eine fehlgeleitete „Gottsuche“ der Deutschen zu verstehen; Hitler sei ein verhinderter Spiritueller.[11] Seit Ostern 2007 beantwortet Rainer Langhans für Focus Online öffentlich Leseranfragen mit regelmäßigen Videokolumnen.

Langhans lebt in einer Mietwohnung des Evangelischen Siedlungswerks in der Clemensstraße[12] in München-Schwabing mit Christa Ritter, Brigitte Streubel und Gisela Getty. Bis zu ihrem Tod, im Februar 2017, wohnte dort auch die Zwillingsschwester von Gisela Getty, Jutta Winkelmann. Die Lebensgemeinschaft fasst sich als soziales Experiment auf, die er als „Der Harem“ bezeichnet. Anders als in einem orientalischen Harem haben die Mitglieder der Gruppe jeweils eigene Wohnungen. Die Frauen führen teilweise weitere Beziehungen.[13][14][15][16] Im März 2007 lud Langhans die ehemalige Terroristin Brigitte Mohnhaupt in einem Interview mit der Abendzeitung in seinen Harem ein. „Nach so langer Gefangenschaft sind sicherlich Bedürfnisse bei ihr vorhanden, zu denen auch Sexualität gehört. Aber bei uns geht es um viel mehr: Wer intensive Beziehungsarbeit – die auch eine Form von Terror sein kann – zu leisten bereit ist, erlebt das Paradies von morgen.“[17] Im Februar 2008 erging, ebenfalls via Abendzeitung, eine Einladung an die Fürther Landrätin Gabriele Pauli.[18]

2011 war Rainer Langhans Teilnehmer in der 5. Staffel der RTL-Show Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Hierfür erhielt er eine Gage von 50.000 Euro. Da er Veganer ist, wurde vertraglich geregelt, dass er im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern keine Tiere essen musste.[19][20] 20.000 Euro hiervon spendete er laut einer Pressemitteilung der Piratenpartei Bayern, weitere 20.000 Euro sollten an Julian Assanges Verteidigungsfonds gehen.[21][22][23] Über seine Dschungelcamp-Erfahrungen berichtete Langhans 2011 in einem weiteren Gespräch mit Manuel Ochsenreiter vom rechtsextremen Magazin Zuerst![24] Am 18. Mai 2011 nahm Langhans bei der rechtskonservativen Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld an einem Gesprächskreis teil.[25][26][27]

Im Kontext seines documenta-13-Besuchs in Kassel betitelte die Hessische/Niedersächsische Allgemeine ihren Artikel Kommunarde Rainer Langhans flirtet mit den Piraten.[28][29] Am 23. November 2012 war er Gast auf dem Programmparteitag der Piratenpartei in Bochum.[30] Am 4. August 2013 war er prominenter Gast in der Wahlkampfzentrale der Piraten in Berlin beim Piraten Talk mit dem Titel Teilen ist das neue Haben zusammen mit Bruno Kramm, Bundestagskandidat der Piraten aus Bayern.[31]

Langhans bezeichnet sich selbst als Asperger-Autist. Aus seiner Zeit als Zeitsoldat bezieht er eine kleine Rente.[32] Weiteres Geld verdient er nach Eigenangaben durch Bücher und Vorträge.[33]

1994 erhielt er zusammen mit Christa Ritter den Grimme-Preis für Schneeweißrosenrot. 2015 war er Teilnehmer der Scripted-Realityshow Newtopia. 2020 machte er seinen unheilbaren Prostatakrebs öffentlich.[34] Er entschloss sich gegen eine Chemotherapie und zu einer Hormonbehandlung.[12]

Der Online-Versandhändler Zalando veröffentlichte 2010 einen Werbespot, der auf Langhans Bezug nimmt. Schauplatz des Spots ist dabei eine Hippie-Kommune im 68er-Stil. Der bewusst Assoziationen an Langhans weckende Protagonist doziert dort über die neueste Bedrohung durch den Kapitalismus in Form des beworbenen Onlineshops.[35] Langhans wehrte sich gegen die Darstellung und schaltete einen Anwalt ein.[36][37] Daraufhin fand sich Zalando zu einer außergerichtlichen Einigung bereit,[20] in deren Rahmen Langhans selbst in einem neuen Zalando-Onlinespot[38] erschien, für den er jedoch kein Honorar erhielt.

Zeitzeugin Gretchen Dutschke äußerte 50 Jahre nach 1968: „Gut möglich, dass Fritz Teufel und Rainer Langhans heute zu den YouTube-Stars zählen würden, den sogenannten ‚Influencern‘, [...]. Eine absurde Vorstellung? Mag sein. Allerdings traf die Kommune 1 den rebellischen Zeitgeist zwischen Hippietum und Revolutionsrhetorik damals, trotz aller inneren Konflikte, sehr genau.“[39]

2018 vergab der Kunstverein Ahlen einen mit 1.968,- Euro dotierten Kunstpreis für ein vergoldetes Schamhaar von Rainer Langhans unter dem Titel „Searching for the Revolution“ an die Künstler Evelyn Möcking und Daniel Nehring.[40]

Filmografie (als Schauspieler)

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Commons: Rainer Langhans – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b c Ulrike Merkel: Alt-68er Rainer Langhans erinnert sich gern an seine Kindheit in Jena. In: Ostthüringer Zeitung. 14. Juni 2015, abgerufen am 21. Februar 2023 (Vorschau; Original archiviert 2015 von Archive.today).
  2. a b Vgl. Setzen, Sechs! - Schulgeschichten aus Deutschland (2/3). Verpasste Chancen. Dokumentarfilm von Christina Brecht-Benze im Auftrag des SWR. Deutsche Erstausstrahlung am 15. Dezember 2005.
  3. a b c Rainer Langhans: Lebensdaten und Werke von Rainer Langhans. In: rainerlanghans.de. Rainer Langhans, abgerufen am 25. März 2023.
  4. Lebensdaten und Werke von Rainer Langhans. (PDF; 21 kB) Rainer Langhans, abgerufen am 21. Februar 2023.
  5. Ulrich Enzensberger: Die Jahre der Kommune I. S. 105.
  6. Klaus Stern, Jörg Herrmann: Andreas Baader. Das Leben eines Staatsfeindes. 3. Aufl. dtv, München 2007, ISBN 978-3-423-24620-0, S. 86/87.
  7. Der Spiegel: Mit Machenschaften eines Kapitalistenknechtes. Nr. 52/1970, S. 60–65
  8. Video: Das Supergroupie packt aus. In: 20 Minuten. 25. Januar 2007, abgerufen am 21. Februar 2023.
  9. Rainer Langhans: Meine Autobiografie (Memento vom 20. September 2008 im Internet Archive).
  10. Rainer Langhans ein "esoterischer Faschist"? In: infopartisan.net. Abgerufen am 21. Februar 2023.
  11. Volker Steinhoff: Von Mao zu Hitler: Studentenführer von 68 als Rechtsradikale. In: Panorama. Abgerufen am 21. Februar 2023.
  12. a b Rainer Langhans: „Ich habe der Uschi gesagt, ich kann nicht dauernd Sex machen“ - WELT. 3. Juli 2023, abgerufen am 3. Juli 2023.
  13. Tagesspiegel.de: Haremsglück und Ahnendienst, 11. April 1998
  14. Jutta Winkelmann: Das Harem-Experiment. Begegnungen mit Rainer Langhans, dem letzten APOnauten, Heyne-Bücher Band 13, Sphinx bei Heyne 3021, Esoterische Psychologie. Heyne, München 1999, ISBN 3-453-13284-X
  15. Barbara Nolte: Panorama: Im Harem ist die Hölle los. In: Tagesspiegel. 30. März 2003, abgerufen am 21. Februar 2023.
  16. 'Das ist eine utopische Situation'. In: Die Welt. 6. November 2000, abgerufen am 21. Februar 2023.
  17. Langhans an Mohnhaupt: "Brigitte, komm in meinen Harem!" In: Der Spiegel. 27. März 2007, abgerufen am 21. Februar 2023.
  18. „Gabi gehört zum Harem“. In: Abendzeitung. 17. Februar 2008, abgerufen am 21. Februar 2023.
  19. Langhans bekommt 50.000 Euro für „Dschungelcamp“. In: Die Welt. 2. Januar 2011, abgerufen am 21. Februar 2023.
  20. a b Alexander Kühn: Der Busch-Trommler. In: Der Spiegel. 10. Januar 2011, abgerufen am 21. Februar 2023.
  21. Piratenpartei Bayern erhält Großspende von Rainer Langhans. Piratenpartei Deutschland, 1. Dezember 2011, abgerufen am 21. Februar 2023.
  22. Dschungel-Gage für die Piraten. In: sueddeutsche.de. 1. Dezember 2011, abgerufen am 29. März 2018.
  23. Fabian Mader: 20·000 Euro Spende: Rainer Langhans sticht mit den Piraten in See. In: Focus Online. 19. Januar 2012, abgerufen am 14. Oktober 2018.
  24. Andreas Speit: Plaudern mit Neonazis. Rainer Langhans gibt dem rechtsextremen Magazin „Zuerst!“ ein Interview. Nicht zum ersten Mal redet der Ex-Kommunarde mit der Redaktion. Warum? die tageszeitung, abgerufen am 30. Januar 2014.
  25. Im Gespräch mit Rainer Langhans: Jene Linken, die den Dialog verweigern, sind faschistoid (Memento vom 21. September 2013 im Internet Archive)
  26. Jörg Diehl: Langhans bei Burschenschaft: Rechts wie links. In: Der Spiegel. 19. Mai 2011, abgerufen am 21. Februar 2023.
  27. „Ich rede mit jedem“ - Rainer Langhans besucht Bielefelder Burschenschaft und spricht über Gewalt, Musik und das „Dschungelcamp“. Burschenschaft Normania-Nibelungen zu Bielefeld, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 24. August 2011; abgerufen am 10. Februar 2012 (Wiedergegeben aus dem Westfalen-Blatt vom 20. Mai 2011).
  28. Artikel HNA: Kommunarde Rainer Langhans flirtet bei einer Performance mit den Piraten. In: Theater Chaosium. 23. Juni 2012, abgerufen am 21. Februar 2023.
  29. Kommunarde Rainer Langhans flirtet mit den Piraten. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA). 22. Juni 2012, abgerufen am 21. Februar 2023.
  30. Lenz Jacobsen: Rainer Langhans: „Die Piraten haben von Liebe keine Ahnung“. In: Zeit Online. 25. November 2012, abgerufen am 25. November 2012.
  31. PIRATEN-Talk mit Rainer Langhans und Bruno Kramm. Piraten Berlin, abgerufen am 21. Februar 2023.
  32. Sabine Dobel: Rainer Langhans plädiert für „geistigen Sex“. Augsburger Allgemeine, 19. Juni 2020
  33. Justus Bender: Mensagespräch mit Rainer Langhans: „Ich war vollkommen verklemmt“. In: Die Zeit. 20. April 2010, abgerufen am 21. Februar 2023.
  34. Ikone der 68er-Bewegung. Rainer Langhans hat Prostatakrebs. In: spiegel.de. 20. Oktober 2020, abgerufen am 25. März 2023.
  35. Start-up-Spot: Zalando II. In: Deutsche Startups. 20. September 2010, abgerufen am 21. Februar 2023.
  36. "Ranzig und verblödet": Rainer Langhans will gegen Zalando klagen. In: Werben & Verkaufen (W&V). 28. Oktober 2010, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 29. Oktober 2010; abgerufen am 21. Februar 2023.
  37. Streit um Werbung: Der Rainer und Uschis Pumps. In: Abendzeitung. 28. Oktober 2010, abgerufen am 21. Februar 2023.
  38. Sigstnix: Zalando Spot-Premiere mit Rainer Langhans auf YouTube, 31. Januar 2011, abgerufen am 23. Februar 2023.
  39. Gretchen Dutschke: 1968 : worauf wir stolz sein dürfen. Kursbuch Edition, Hamburg 2018, ISBN 978-3-96196-006-4, S. 55.
  40. Vergoldetes Schamhaar gewinnt Kunstpreis. In: Der Spiegel. 17. Mai 2018, abgerufen am 21. Februar 2023.
  41. Good luck finding yourself. Internet Movie Database, abgerufen am 23. Februar 2023 (englisch).
  42. Walchensee Forever. Internet Movie Database, abgerufen am 23. Februar 2023 (englisch).

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