Christian Kerbler
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Christian Heinrich Kerbler (* 18. April 1940 in Hall in Tirol) alias Peter Hofmann ist ein österreichischer verurteilter Mörder und ehemaliger Agent des italienischen militärischen Geheimdienstes SIFAR. Am 21. Juni 1971 wurde er wegen des Mordes an Luis Amplatz und des versuchten Mordes an Georg Klotz – beide Opfer waren Mitglieder des Befreiungsausschusses Südtirol – von einem italienischen Gericht in Perugia in Abwesenheit zu 22 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Kerbler trat die – mittlerweile verjährte – Strafe nicht an und ist weiterhin auf der Flucht.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Christian Kerbler stammte aus Hall in Tirol und war einer von drei Brüdern. Er arbeitete als Fotoreporter und Journalist und besaß gute Beziehungen zu mehreren italienischen Zeitungen. Er hatte Georg Klotz einen sechzehnseitigen Bild- und Textbericht in der italienischen Zeitschrift L'Europeo vermittelt. Klotz vertraute Christian und dessen Bruder Franz Kerbler seitdem, die sich ihm gegenüber als begeisterte Unterstützer des Südtiroler Freiheitskampfes ausgaben. Unter den BAS-Mitgliedern waren die Brüder Kerbler wegen ihres mondänen Auftretens als die „Playboys“ bekannt.
Mord am 7. September 1964
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Christian und Franz Kerbler nahmen zu einem nicht mehr genau rekonstruierbaren Zeitpunkt Kontakt zum italienischen Geheimdienst SIFAR auf und boten an, Georg Klotz und Luis Amplatz gegen eine Bezahlung von 50.000 Schweizer Franken ausliefern zu können. Die Brüder hatten sich als Unterstützer gemeldet, um Klotz und Amplatz bei der Rückkehr aus dem österreichischen Exil nach Südtirol zu helfen. Zu viert überquerten sie die Grenze. Die Brüder Kerbler kommunizierten dabei heimlich mit einem in einer Leica-Kamera verbauten Funkgerät mit den Italienern. Als sich herausstellte, dass der SIFAR eine „Liquidierung“ (d. h. Ermordung) der Südtirolkämpfer erwartete, ließ Franz Kerbler vom Unternehmen ab und nutzte am 4. September 1964 einen Hinterhalt der Carabinieri, der Klotz galt, um zu verschwinden. Klotz konnte den Italienern entkommen und stieß zurück zu Amplatz und Christian Kerbler. Dieser begab sich nun vorgeblich auf die Suche nach seinem Bruder. In Wirklichkeit traf er mit italienischen Agenten zusammen, die ihm eine Beretta 92 übergaben, um den Mord auszuführen. Danach kehrte er zurück.
Mord
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Luis Amplatz, Georg Klotz und Christian Kerbler die Nacht vom 6. auf den 7. September 1964 in der Heuhütte „Brunner Mahder“ oberhalb von Saltaus in Passeier verbrachten, betäubte Kerbler Amplatz und Klotz zunächst mit Dicodid, das er einem Tee bemischte. Nachdem sich beide zu Bett gelegt hatten, erschoss Kerbler um etwa 2:30 Uhr Amplatz mit vier Kugeln im Schlaf und streckte Klotz mit zwei Kugeln nieder, wobei ein drittes Geschoss sein Ziel verfehlte. Klotz, bei dem das Betäubungsmittel augenscheinlich nicht wirkte und der zunächst einen Hinterhalt der Italiener vermutete, gelang es jedoch, mit einer Kugel in der Brust und einer Wunde im Gesicht zu Fuß zurück nach Österreich zu fliehen.
Nach der Tat
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Christian Kerbler stellte sich noch in derselben Nacht bei der Polizei, wurde allerdings durch Eingreifen des Geheimdienstes wieder auf freien Fuß gesetzt und tauchte unter dem Pseudonym Peter Hofmann unter. Sein Aussehen soll durch chirurgische Eingriffe verändert worden sein. Kerbler wurde am 21. Juni 1971 von einem italienischen Schwurgericht in Perugia wegen Mordes und Mordversuchs in Abwesenheit zu 22 Jahren Gefängnis verurteilt. Am 9. Juni 1972 bestätigte das Berufungsgericht das Urteil. Kerbler wurde nie gefasst, obwohl er noch 1976 in London, Großbritannien, beim Ladendiebstahl verhaftet wurde. Das Urteil gegen Kerbler wurde am 14. Januar 1973 rechtskräftig und ist damit als nicht verbüßte Strafe nach italienischem Recht am 14. Januar 2003 verjährt. Dem italienischen Geheimdienst wird vorgeworfen, Christian Kerbler gedeckt zu haben, sodass dieser nicht gefasst werden konnte und die Aufarbeitung der Tat im allgemein vertuscht zu haben.[1][2]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der Spiegel, 44/1967: Ein Bündel Angst ( vom 25. Mai 2016 im Internet Archive) (28. Oktober 1964)
- Anfrage (PDF; 382 kB) des FPÖ-Nationalratsabgeordneten Werner Neubauer an den österreichischen Europaminister vom 31. März 2009
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Karl Springenschmid: Der Jörg. Aus dem Leben des Südtiroler Freiheitskämpfers Georg Klotz. Verlag K. W. Schütz, Preußisch Oldendorf 1980, ISBN 3-87725-097-1.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Parlamentarische Materialien. Abgerufen am 7. Juni 2026.
- ↑ Christian Kerbler - Mörder des Südtiroler Freiheitskämpfers Luis Amplatz | Parlament Österreich. Abgerufen am 7. Juni 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kerbler, Christian |
| ALTERNATIVNAMEN | Kerbler, Christian Heinrich |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Agent des italienischen militärischen Geheimdienstes SISMI |
| GEBURTSDATUM | 18. April 1940 |
| GEBURTSORT | Hall in Tirol |