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Redaktion Streifzüge

Zum Tod von Karl Kollmann (1952-2019)

Sprache wird zu einer Waffe, mit der man zurückschlägt, da man sich vom Leben wie es ist, gedemütigt fühlt.

Am 5. September 2019 ist völlig überraschend unser Freund und Autor Karl Kollmann gestorben. Karl war den Streifzügen in vieler Hinsicht verbunden, als kluger Autor, als aufmerksamer Leser, als diskreter Unterstützer.

In seinem bürgerlichen Leben war Karl Kollmann Ingenieur, Soziologe, Jurist, Ökonom. Viele Jahre tätig für die Arbeiterkammer, dann Professor an der Universität. Er war bekannt als Verbraucherschützer, als Kritiker des Konsums, ein profunder Analytiker der „Verschwendungsindustrie“. „Wir werden Stück für Stück konditioniert“, sagte er heuer in einem ORF-Interview.

Doch sein Leben war mehr als seine bürgerliche Existenz, ging es ihm doch um nichts weniger als um die Überwindung des „braven, bescheidenen Bürgersklaven“. Dafür hat er geschrieben und gelebt. Daraus resultierte sowohl seine Motivation als auch sein Pessimismus. Kollmanns Gesellschaftskritik war indes umfassend, er war ein Intellektueller von Format. Hervorzuheben ist auch insbesondere seine intensive Auseinandersetzung mit der Sprache.

Am Besten wir lassen Karl Kollmann selbst sprechen, indem wir einige kurze Passagen aus seinem Buch „Ausgeschrieben. Auf der Suche nach den verlorenen Möglichkeiten von Literatur, Veränderung und Befreiung“, erschienen 2011 im Maro Verlag, Augsburg, veröffentlichen. Es ist übrigens ein sehr persönliches und offenes, unerschrockenes und rücksichtsloses Buch, rücksichtslos auch gegen sich selbst.

Das ganze Unglück, der unglückliche Planet (um es pathetisch zu sagen), wird durch eine Sprache der Herrschaft zusammengehalten und mit dieser werden die Menschen niedergedrückt.

Es ist die Sprache, die die Welt beherrscht, und wenn es keine andere Sprache gibt, dann wird einfach nichts draus, da wiederholt sich nur das Alte, das Immergleiche.

Aufbegehren findet statt, wenn man das Papier angreift und eigene Worte darauf schreibt. Das Geschriebene wieder und wieder verwirft. Weglegt, nach Wochen wieder hervorkramt, Und es dann absendet, an eine Zeitschrift, einen Verlag, einen Menschen, dem man vertraut.

Sprache wird zu einer Waffe, mit der man zurückschlägt, da man sich vom Leben wie es ist, gedemütigt fühlt.

Klassischer Erfolg kann die Depression an der Welt wohl nicht ausreichend und dauerhaft aufhellen, wenn sich die materielle Lage verbessert, lassen sich ein paar Bedürfnisse mehr befrieden, aber für jedes gestillte platzen zwei, drei neue auf.

Verzicht auf Erwerbsarbeit macht auch nicht viel freier, da die anderen Abhängigkeiten alle bleiben und die wiegen schwer genug, alles ist auf Geld ausgerichtet, zu allem benötigt man Geld, Und das muss man erst einmal haben.

Das Schöne an alten Freundschaften ist, es gibt keinen lästigen, billigen Wettbewerb um was auch immer, keiner muss sich durchsetzen, jeder kann verletzlich bleiben.

Die Welt, nein: die Zivilisation könnte vor dem Untergang gerettet werden, wenn alle ehrlich über ihre Gefühle reden würden. Authentisch, ohne Lügen.

Man lernt lebenslänglich Widerwärtigkeiten zu akzeptieren.

Man ist Teil des Ensembles, des Massakers, der Schande, der Masseninfektion.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
September
2019
Autor/inn/en:

Redaktion Streifzüge:

Lizenz dieses Beitrags:
CC0
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