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Robert Weninger

Wr. Neustädter Stattblatt ...®

für Demokratie und Umweltschutz

Was sich hier anmaßend wie eine eigene Zeitung gebärdet, soll tatsächlich bald als solche die Printmedien-Dreifaltigkeit im Bezirk bereichern. Wir können es nicht lassen, das Gründen. Des Grundsätzlichen wegen, der Bewegung zuliebe — den bornierten Machtverhältnissen zum Trotz.

Zum besseren Verständnis nebenstehend die wichtigsten Passagen eines offenen Briefes (veröffentlicht in den Wr. Neustädter Nachrichten vom 2.1.1981). Schon damals waren wir ziemlich frustriert über die Ignoranz, die vor allem von Seiten des Rat(los?)hauses den Problemen und jenen, die sie mit Nachdruck vertreten, entgegenschlägt. WURZELWERK war die erste logische Konsequenz, und die Zeit hat uns zunehmend Recht gegeben.

daß Wiener-Neustädter Kommunalpolitik nicht allein verantwortlich ist für die derzeitige kritische Situation, daß öffentlicher Rational-Monetarismus und Wohlstandswahn, daß auch Gefälligkeitsgutachten von unternehmerischen Auftraggebern wie überhaupt industriell-kommerzielle Aktvitäten insgesamt wesentlich zu dieser bedrohlichen Entwicklung geführt haben — aber trotzdem sehr vieles hätten Sie verhindern können, kraft Ihrer Position und Ihres Machtapparates. Tatsächlich jedoch waren Sie bisher ein willfähriger Vollzugsgehilfe systematischer Umweltzerstörung. Nicht zufällig sprechen Fachleute von „einer blologisch kaputten Region“, nicht zufällig erhält unsere Organisation täglich mehr Mitglieder, nachdem wir nach fast einem Jahr des Aufzeigens und Warnens dazu übergegangen sind, Gleichgesinnte zu suchen. Und vor allem: Nicht zufällig erhalten wir regen Zuspruch von seiten eines Ihnen politisch nahestehenden Gesundheitsministeriums wie auch zahlreicher anderer Organisationen, die sich der Erhaltung einer lebenswerten Umwelt verpflichtet fühlen, die Veröffentlichung von beschwichtigenden Artikeln im Amtsblatt und in der „Arbeiter-Zeitung“, die Einrichtung von papierkorbbespickten Fußgängerzonen ist bestenfalls demagogische Kosmetik. Das Bedecken von wilden Müllgruben mit Erde, das Errichten von Zäunen und Wachhütten (soll man lachen der weinen?) signalisiert zwar, daß etwas zu verbergen oder zu schützen ist, aber — mit Verlaub — so werden Sie die Situation nicht entschärfen.

Inzwischen sind alle Großparteien „grün“, und die Braunen auch, aber die Natur kommt immer mehr unter die Räder der Vollmotorisierung, der Zersiedelung, des technokratischen Größenwahns. Der Pesthauch der Retorte lastet schwer auf uns, und unsere Zauberlehrlinge sind neunmalklug.

Wr. Neustadt, die „Allzeit Getreue“ hat in den letzten Jahren mehr Lippenbekenntnisse, Schlagzeilen, Versammlungen, Verpackung und Kosmetik zum Thema Umweltschutz erlebt als viele andere Gemeinden. Ein erstes Resümee ist niederschmetternd: so gut wie nichts ist geschehen, um die vielerorts immer drängenderen Probleme zu lösen, von sinnvollen Alternativen ganz zu schweigen. Viele Einflüsse kommen auch von außen, wären nur regional, national, oft auch international zu entschärfen.

Neben der ökologischen Bedrohung steht (nicht nur, aber besonders) unser Bezirk vor einem zusammenbrechenden „Arbeitsmarkt“. Eine Bauindustrie mit riesigen Überkapazitäten, eine konkurrenzunfähige Stahlindustrie und so mancher andere Subventionsverschlinger sind an die Grenzen einer Systematik gelangt, die sich allmählich selbst ad absurdum führt. Jetzt auf Teufel komm raus weiterbetonieren, rüsten, schüren — nein, danke. Ganz und gar verlogen aber ist es, Lohneinbußen und Einkommenslosigkeit in Aussicht zu stellen, während allerorts Unsummen verpulvert werden, noch dazu zum Schaden kommender Generationen. Auch der Bürger freilich sollte sich langsam von der Vorstellung befreien, daß ein lohnabhängiger Arbeitsplatz mit Bonus und Extra ein Grundrecht ist, das jeder zu jeder Zeit haben muß und kann. Es fehlt hier Raum und Rahmen, um auf Dualwirtschaft, selbstverwaltete Betriebsstrukturen, auf den tieferen Sinn des Begriffes „Arbeit“ näher einzugehen. Wir werden dies demnächst nachholen.

Jedenfalls: Ökologie und Ökonomie können zahlreiche sinnvolle Synthesen eingehen, und der Sinn eines Menschen steht sicher nach mehr als Staub und Glut. Umweltzerstörer mit Milliardenbeträgen durchzufüttern prolongiert und verschärft die Konflikte. Arbeitslosenunterstützung bei vollem Lohn käme vermutlich billiger, ist aber keine sinnvolle Alternative.

Ohne jetzt mit Zahlen jonglieren zu wollen: auf ein Stellenangebot für den Job einer Sekretärin im Aluminiumgroßhandel meldeten sich innerhalb von 2 Tagen mehr als 60 Bewerberinnen ... Viele Schulabgänger sind in den Arbeitslosenstatistiken nicht erfaßt. Die Lage wird zusehends kritisch.

Wer einen alternativen politischen Anspruch stellt, muß brauchbare Alternativen entwickeln. Eines vorweg: Müll-Recycling, wo immer es geht. Wenn Rohstoffe knapp werden, sollte man die Endprodukte nicht verscharren. Die Vorratslager für einen (arbeitsintensiven) Wiederverwertungsprozeß sind gewaltig: Millionen Kubikmeter Müll versinken im Boden. Leider verringern biologische Abbau- und Umwandlungsprozesse die Möglichkeit der Neuverwendung radikal. Das Gold von morgen vergast schon heute. Darf’s ein bisserl mehr Energie sein? Ein bisserl sehr teuer?

STATTBLATT-Leser werden wissen, warum.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1982
Wurzelwerk 17, Seite 17
Autor/inn/en:

Robert Weninger: Robert Weninger war von 1981 bis 1985 Herausgeber der Zeitschrift „Wurzelwerk“.

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