Zeitschriften » FŒHN » Heft 17
Markus Wilhelm

Wort-Wechsel

Die Sprache, in der öffentlich über die Zustände gesprochen wird, ist die Sprache seiner Profiteure. Die der Ansammlung von Reichtum z.B. der Aktionärsfamilie Schwarzkopf zugrundeliegende Ausbeutung heißt weder in Radio Tirol so, noch im Basta, noch sonstwo. Ja, man hat uns sogar das Wort ’Kapitalismus’ wieder weggenommen. Der Chefredakteur des Kurier, H. Rauscher: ’Es ist besser, dafür den moderneren Begriff ’Marktwirtschaft’ oder ’soziale Marktwirtschaft’ oder auch öko-soziale Marktwirtschaft’ zu verwenden.’ (Kurier, 4.11.90)
Besser für wen? Medien haben die Verhältnisse verschleiernde Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch durchzusetzen. Wer ’Wohnungsnot’ sagt, vermittelt das Gefühl einer Naturkatstrophe, statt das von Spekulation. ’Konjunktur-Einbruch’ läßt an Schicksal denken. Die Sprache, die uns beigebracht wird, ist eine Sprache, die die herrschenden Zustände von oben her gegen seine Opfer verteidigt. Die ganze Zeitung ist voll von solchen Wörtern, die — ohne dafür einen Satz zu brauchen — schon lügen: Wie verbrecherisch ist ein Wort wie ’Nächtigungssteigerung’ angesichts von Kirchberg oder Mayrhofen! Angesichts des Drecks und des Leids und des Schweißes und der Tränen, die damit zugedeckt werden. Die Worte, die sie uns in den Mund legen, sind Feindesworte. Wenn wir sie nachsprechen, ergreifen wir gegen uns selbst das Wort. Das wollen sie ja gerade, daß wir mit ihnen diese wenig verhüllte brutale Geldherrschaft als ’Demokratie’ bezeichnen. Wo die Schule nicht mehr hinlangt, haben die Medien die Aufgabe, uns diese Sicht auf die Dinge aufzuzwingen. Sie haben die oben ausgegebenen Wörter unter das Volk zu schmuggeln: ’wählen’ z.B. für das Nichtszusagenhaben. Die Sachverhalte können sich nicht selbst in Worten ausdrücken, und werden daher von denen, die das Sagen haben, mit Etiketten versehen: wenn Philips wegen schrumpfender Profite das Werk in Gmunden sperrt, heißt das ’Rezession’. Die Rezession ist etwas, für das auch nie jemand verantwortlich ist: es gibt eine, sie droht, sie kommt auf uns zu, geht von Amerika aus, greift über usw.
Die Sieger schreiben bekanntlich die Geschichte. Und geschrieben wird sie in den Medien.
Wenn wir uns dieser Sprachregelung fügen, können wir die Schuldigen nie kennenlernen.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
1992
Heft 17, Seite 21
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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