Zeitschriften » Context XXI » Print » Jahrgang 1999 » Heft 1-2/1999
Jan Donner

Wonderworld Dept.

Der ganz normale Wahnsinn des Medien- und Politspektakels — aufgelesen und kommentiert von

Verdienstvolle Kronen-Zeitung!

Schön, daß Du eine Rubrik hast, die sich „Das freie Wort“ nennt. Was wir dort unter der erlauchten Über­schrift „Mangelhaftes Be­nehmen“ lesen, finden wir freilich schon weit weniger lustig. Was lesen wir da? „Zum ‚gewagten Vergleich‘ von Dr. K. bleibt nur folgen­des zu sagen: Wenn ‚der Hund‘ ins Tierheim muß, dann selten, weil er gegen Gesetze verstoßen hat, son­dern weil er einem Men­schen lästig wurde. Der Hund kann also nichts dafür. Wenn sich allerdings ein Mensch in einem Gastland ‚daneben benimmt‘ ist es sein eigenes Verdienst! Außer­dem, sehr geehrter Herr Dr. med. K. möchte ich gerade Sie erleben, wenn Sie in ei­nem Flugzeug in Reichweite eines solchen Passagiers sit­zen. Ich weiß nach vielen Jahren Tätigkeit für diverse Airlines genau, wovon ich spreche. Üblicherweise wird auch niemand grundlos ab­geschoben. Als Mensch hat man übrigens auch noch die Möglichkeit, sich entspre­chend gesetzeskonform zu benehmen, dann bleiben ei­nem solche Erfahrungen er­spart!

Da auch Sie, s. g. Herr Dr. med. K., sich offenbar zu den momentan aktuellen Gutmenschen zählen, noch eine Frage: Haben Sie schon einen Asylanten bei sich zu Hause aufgenommen — mit allen damit verbundenen Ver­antwortungen und Kosten? H. M., Wien“

So ist das: Ein Hund hat’s in Österreich besser als ein Asylant. Und genauso wie der Hund hat auch der Asy­lant die Möglichkeit, sich zu benehmen. Benimmt er sich daneben, wird er bei der Ab­schiebung umgebracht. Ak­kurat so wie der tollwütige Hund.

So ein Hund hat’s freilich besser!

Asylanten werden nämlich abgeschoben, ob sie sich „be­nehmen“ oder nicht. In diesem Österreich. Das muß ausländerrein bleiben — und wo gehobelt wird, da fallen die Späne. Unlängst ist ein Mensch dabei gestorben. Marcus O. hat sich zwar eigentlich immer „benom­men“, bloß war er schwarz.

Und Schwarze sind Dro­gendealer. Das weiß die ver­dienstvolle „Kronen Zeitung“ — und deswegen stimmt es auch.

FPÖ (I)

Du scheinst auch sonst so manches zu wissen ... So zum Beispiel, daß eine Razzia ge­gen 1000 Nigerianer bevor­steht ... Schließlich liest auch unser Innenminister die ver­dienstvolle „Kronen Zeitung“ — weiß, daß das Böse nicht bloß immer und überall, son­dern vor allem schwarz und nicht weiß ist. Weil der In­nenminister einer ist, der et­was weiß, wissen es seine Spit­zenbeamten auch. Daß eine Razzia bevorsteht. Und weil die alle es wissen, hat die FPÖ einen hellen Moment. Schal­tet um ein Heidengeld Inse­rate: „Handeln Sie endlich, Herr Schlögl“. Und kann ei­nen Innenminister vorführen, der gehandelt hat. So hätte sie wohl gern die EU-Wahlen ge­wonnen.

Intermezzo (I)

Strafmaß für Geheimnisver­rat in Deutschland:

FPÖ (II)

Die EU-Wahlen habt Ihr dann doch verloren, aber gute Verlierer seid ihr nicht. Oder als was sonst, denn als veritable Drohung, sollen wir die Ansage eures Generalsekretärs Peter Westenthaler — vulgo Hojac — auffassen, von wegen „Morgen beginnt die Wählerrückholaktion der Freiheitlichen“? Mal ehrlich: „Wählerrückholaktion“ buchstabiert sich fast wie „Arbeitslager“, „Kraft durch Freude“. Oder: „Aussiede­lung nach dem Osten“.

Intermezzo (II)

Gefunden wurde bei der nämlichen famosen Razzia übrigens nicht wirklich etwas. Dafür hat sich auch die Poli­zei bei einem WEISSEN, den sie in einem Flüchtlingsheim während der Durchsuchun­gen verprügelt hat, weil sie ihn IRRTÜMLICH für einen SCHWARZEN gehalten hat, entschuldigt. Der Menschen­rechtsaktivist XXXX, ein SCHWARZER, ist dafür seit XXXX in Untersuchungs­haft. Als angeblicher Pate aus Nigeria. Was er getan hat? Demonstrationen für den er­mordeten Schubhäftling Marcus O. organisiert. Was er getan haben soll? Geld für Leute nach Nigeria überwie­sen, die kein Konto haben. Und ihnen gesagt, sie sollen, statt arbeiten zu gehen, für ihren ermordeten Lands­mann demonstrieren. Weil in der Vorstellungswelt eines österreichischen Polizisten, der die verdienstvolle „Kro­nen Zeitung“ liest, „Arbeiten“ bei ei­nem SCHWARZ­EN nur „Drogen­dealen“ heißen kann, ist XXXX der Boß aller Dro­gendealer. So funk­tioniert ein Kom­plott, mit dem sich beweisen läßt, daß alle Neger eh Ver­brecher sind, weshalb ruhig wieder einer bei der Ab­schiebung ersticken kann.

Schluß (I)

Das alles ist zum Kotzen, aber dafür haben wir Lauschangriff und Raster­fahndung.

Schluß (II)

Anderswo ist es auch nicht besser: „Rechtsruck in Deutschland“, 68% Prozent für die CSU bei der Europa­wahl in Bayern.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
1999
Heft 1-2/1999, Seite 42
Autor/inn/en:

Jan Donner:

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