Zeitschriften » Grundrisse » Jahrgang 2011 » Nummer 38
Grundrisse
Call for Papers – grundrisse # 39:

Wissenschaftskritik im Postfordismus

Im Gefolge von 1968 wurde der Kritik der Sozialwissenschaften ein besonders hoher Stellenwert beigemessen. Unzählige Publikationen zur Kritik der Universität bzw. des universitären Wissens waren die Folge, die Rolle der staatlich-kapitalistischen Institutionen der Produktion und Distribution von Wissen(schaft) im Rahmen kapitalistischer Arbeitsteilung wurden eindringlich beleuchtet, ebenso die Rolle der StudentInnen als künftige AgentInnen der Herrschaft des Kapitals über die ArbeiterInnenklasse. Fazit: All dies sollte sich grundlegend ändern, und zwar untrennbar verbunden mit einer Veränderung des Kapitalismus in seiner Totalität. Heute hat nur noch wenig von dieser Kritik überlebt. Die Veränderung des Kapitalismus hin zum Postfordismus und die damit einhergehende Neoliberalisierung der Bildungspolitik haben zwar die Parameter der Wissenschaftskritik verschoben, die Notwendigkeit ihrer – theoretischen wie praktischen – Durchführung erscheint uns jedoch nach wie vor gegeben.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich das Hauptaugenmerk kritischer Intellektueller allerdings auf die Produktion kritischer Wissenschaft verlagert. Die Entwicklung eigener methodischer Zugänge und Netzwerke kritischer WissenschaftlerInnen leisten einen wichtigen Beitrag zum Kampf um die Hegemonie linker Deutungsweisen gesellschaftlicher Entwicklungen; dabei ist jedoch die grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Wissensproduktion, ihrer Institutionalisierung und deren Rolle im Rahmen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung oft ins Hintertreffen geraten. Die Formen der Beurteilung in den Naturwissenschaften (Peer Review, Publikationserfolg = wer wird wie oft zitiert) werden auf alle Formen der Wissensproduktion ausgedehnt. Dagegen gibt es Widerstand; aber die katastrophalen Auswirkungen des „Beurteilungsapparats“ in den Naturwissenschaften selbst werden nicht thematisiert. Die Kritik an der Forschungspolitik, die Naturwissenschaften betreffend, wird Ethikkommissionen anvertraut, statt sie in die Universitäten und Forschungseinrichtungen hineinzutragen. Braucht es Wissenschaftskritik noch? Kann die von Andre Gorz und anderen geforderte „Zerschlagung der Universität“ noch Horizont einer emanzipativen Strategie sein? Wie könnte ein nicht-hierarchisches Verhältnis von Wissenschaft und sozialen Bewegungen aussehen? Brauchen wir alternative Institutionen der Wissensproduktion und/oder gilt es zuvörderst, um Positionen in den Universitäten und Akademien zu kämpfen? Welche Rolle spielt Wissen als Produktivkraft im Kapitalismus? Macht der Begriff „bürgerliche Wissenschaft“ vielleicht doch Sinn? Weshalb ist die gegenwärtige disziplinäre Teilung der Wissenschaften nahezu unumstritten? Warum geht es in der kritischen Wissenschaft so oft um Strukturanalysen und nur selten um politische Kämpfe und soziale Bewegungen? Liegt es auch an der fehlenden feministischen Wissenschaftskritik? Oder deren Verschiebung in „Gender-Nischen? Gibt es überhaupt noch Kritiken naturwissenschaftlicher Erkenntnisproduktion? Kann und soll die Waffe der Kritik die Kritik der Waffen ersetzen? Sachdienliche Hinweise mit höchstens 45.000 Zeichen bis spätestens 1. August 2011 an redaktion grundrisse.net erbeten.

Wir ersuchen alle, die uns Manuskripte zusenden, folgende einfache Formatierungsregeln zu beachten:

  1. Grundsätzlich gilt: So wenig Formatierungen wie möglich! Also keine automatischen Nummerierungen, keine Einrückungen, keine definierten unterschiedlichen Zeilenabstände, keine festen Binde- und Trennungsstriche, keine Textkästen, keine Wortabteilungen, keine definierten Seitenumbrüche usw.
  2. Einzeilig und Flattersatz. Absätze sind bitte mit Leerzeilen zu trennen. Das gilt auch für Fußnoten. Bilder und Graphiken sind in beliebigen Formaten extra beizufügen.
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Erstveröffentlichung im FORVM:
Mai
2011
Nummer 38, Seite 4
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