Zeitschriften » Context XXI » Print » Jahrgang 2006 » Heft 1-2/2006
Thomas Rammerstorfer

Wenn Deutschland Amerika den Frieden erklärt

Bereits Dan Diner hat festgestellt, dass das „antiamerikanische Ressentiment in den politischen Mentalitäten Deutschlands tief­er sitzt als anderswo in Europa.“ Timo Nitz gelingt in seiner nun als Buch erschienen Di­plomarbeit aus dem Jahre 2004 der Nachweis eines explizit „deutschen“ Antiamerikanis­mus, der trotz aller Wandlungen von der Ro­mantik bis zur Gegenwart ein ständiger Be­standteil deutscher Politik und Ideologie ist.

„Milliarden Amerikaner heimlich abgehört“ schlagzeilten die wie es scheint stets weltweit um die Bürgerrechte besorgten Oberöster­reichischen Nachrichten im vergangenen Mai empört. Auch im Text darunter wird dieselbe Zahl an heimlich Abgehörten wiederholt. Die sind so mächtig, die Amerikaner, es müssen derer viele Milliarden sein, dachte sich da wohl der anonyme Schreiber. Er liefert damit eins von unzähligen Beispielen eines heutzu­tage in Österreich und Deutschland omiprä­senten, teils unterschwelligen, teils hysterisch kreischenden Antiamerikanismus. Die Geschichte und Grundlage dieses Ressentiments aufzuhellen hat sich Timo Nitz zur Aufgabe gemacht.

Beginnend mit den Amerika-Bildern deut­scher Literaten des 18. und 19. Jahrhunderts, in denen einem durchaus noch heute gängige antiamerikanische Motive begegnen, landet Nitz bald beim linken und rechten Antiame­rikanismus der Gegenwart, wobei bei einigen Akteuren die Unterscheidung in „links“ oder „rechts“ kaum möglich scheint. Intensiv — im Verhältnis zum bescheidenen Umfang des Buches wohl ein bisschen zu intensiv — widmet sich Nitz den Ansichten und Ergüssen poli­tischer Obskuranten wie Franz Alt, Rudolf Bahro oder dem noch unwichtigeren Alfred Mechtersheimer. Abgesehen davon hat das Werk aber durchaus Substanz und geht der Sache auf den Grund, inklusive einer kom­pakten Zusammenfassung der Marx’schen Kapitalismuskritik.

Fazit: Ein auf alle Fälle lesenswertes Buch. Wer Zugang zu einer Uni-Bibliothek hat, sollte es sich ausleihen. Ob es außerhalb ei­niger universitärer Zirkel überhaupt Beach­tung finden wird darf angezweifelt werden, vor allem weil es aufgrund des Preises wohl kaum Buchhandlungen auf Lager nehmen werden, geschweige denn dann verkaufen. Es dürfte anscheinend schwierig sein, für so ein Werk einen vernünftigen Verlag zu finden, zumal die meisten in Frage kommenden wie ça ira oder konkret bereits ähnliche Titel im Programm haben.

Timo Nitz: Deutscher Antiamerikanismus — Grundlagen, Ent­wicklung und Bestän­digkeit einer Ideolo­gie, VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2006, 179 Seiten, Paperback 60,70 Euro/92 SFr

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Mai
2006
Heft 1-2/2006, Seite 30
Autor/inn/en:

Thomas Rammerstorfer:

Thomas Rammersdorfer war 2005 bis 2006 Redakteur von Context XXI.

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