Zeitschriften » FŒHN » Heft 12
Markus Wilhelm

Was bisher geschah

Seit unser Land wieder unabhängig geworden ist, ist es wieder abhängig gemacht worden. Österreich wurde als Produktions- und Absatzkolonie ein­gerichtet. Heute arbeiten hier zwischen 370.000 und 420.000 Österreicherin­nen und Österreicher in mehr als 3000 ausländisch beeinflußten Unternehmen.

Der österreichische Handel ist zu sechzig Prozent in ausländischer Hand, vom Versandhandel (Universal-Versand, Quelle, Moden Müller usw.) über den Lebensmittelhandel (Hofer, Metro, Löwa, Zielpunkt usw.) und Drogeriehan­del (dm, Schlecker z.B.) bis zum Textilhandel (Adler, Quelle, Hettlage, C&A, Kleider Bauer usw.). Die österreichischen Regierungen seit 1955 haben Beihilfe dazu geleistet, daß ein Volk zu Konsumsklaven vor allem der BRD heruntergemacht worden ist.

Ein anderes Beispiel: 73 Prozent des Nominalkapitals der 68 in Österreich tätigen Versicherungen befinden sich von A bis Z, von Allianz bis Zürich Kosmos, in ausländischem Besitz. Von 21 Neuzulasssungen zwischen 1970 und 1985 sind 18 Versicherungs-Gesellschaften überwiegend in deutscher Hand. (Presse, 31.7.1985)

Das ist alles nicht passiert, das war Inhalt der anti-österreichischen österreichi­schen Politik. Die Elektro- und Elektronikindustrie in Österreich gehört zu rund 65 Prozent dem Ausland (Siemens, Philips, Alcatel-ITT, AEG, ABB usw.). Dieses Volk arbeitet, um anderen Ländern Verkehrswege zu finanzie­ren, anderen Ländern Kraftwerke zu bauen, arbeitet, um die Gewinne des Auslandes zu mehren.

Der Skandal ist nicht, daß das ausländische Kapital Österreich räumen will. Der Skandal ist vielmehr, daß wir hier, in Wien, in Innsbruck usw., Regierun­gen haben, die dem Vorschub leisten. Die Papierindustrie unseres Landes, der in der letzten Zeit ein wahrer „Steuergeld-Segen für Investitionen“ (Presse 5.11.1988) zuteil wurde, ist im vergangenen Jahr binnen weniger Wochen rausverkauft worden: 1. Die Papierfabriken Laakirchen (950 Arbeiter/innen) und Bunzl & Biach (750 Arbeiter/innen) wurden im Oktober mehrheitlich vom schwedischen Konzern SCA (Svenska Cellulosa Aktienbolaget) über­nommen. 2. Die Papierfabrik Frantschach (1475 Arbeiter/innen), die im Besitze der amerikanischen (altösterreichischen) Familie Hartmann ist, hat den Großteil der Aktien der Neusiedler Papierfabrik (1210 Arbeiter/innen) und der Zellstofffabrik Pöls gekauft und ist damit der größte Papierhersteller in Österreich. 3. Die Leykam Papierfabrik der CA (3.020 Arbeiter/innen) wurde zur Hälfte an den holländischen NKP-Konzem abgegeben. 4. An der Papierfabrik Steyrermühl (765 Arbeiter/innen) ist seit Sommer 1988 der deutsche Papierkonzem Haindl zu 20 Prozent beteiligt. 5. Die Halleiner Pa­pierfabrik (1240 Arbeiter/innen) gehört schon länger zu 75 Prozent dem deutschen Papierkonzem PWA.

Tausende Arbeitsplätze wurden hier im Handumdrehen vom Ausland abhän­gig gemacht! Und von den Volksvertretern wurde nicht einmal gehüstelt. Unsere Lebensgrundlage wird verschachert. Das ist in Prozentzahlen nicht auszudrücken. Um zu verstehen, was wird, muß man sehen, was ist. Untenste­hend eine von uns selbst erstellte unvollständige Chronik des Ausverkaufs der direkt und indirekt Verstaatlichten Industrie seit 1980.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
April
1989
Heft 12, Seite 4
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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