Zeitschriften » Streifzüge » Print-Ausgaben » Jahrgänge 1996 - 2000 » Jahrgang 1999 » Heft 4/1999
Franz Schandl

Vom Iltis im Hühnerstall

Peter Pilz und seine medialen Stoßtruppen

Besonders hervorgetan hat sich abermals die journalistische Jungschar des Kinderkuriers. Kaum „erfrechten“ sich drei grüne FunktionärInnen dem Peter Pilz im profil eine (schaumgebremst, wirklich schaumgebremst!) überzuziehen, schon schrie der journalistische Nachwuchs im Falter auf. „Jenseits“ lautet das erste Urteil über solcherlei Anmaßung.

Eine Woche später findet sich im Kinderkurier ein Artikel, wo uns die Autoren mit Gerüchten vollabern, wer dem grünen Star eins ausgewischt haben könnte. Die flapsige Recherche macht sich wie selbstverständlich auf die Suche nach den Schuldigen. Denn daß die Stürzer schuld sind und nicht der Gestürzte, das ist der Jungschar keinen einzigen Zweifel wert. Der euphorische Fanclub, der Medienprofis liebt und Funktionäre verachtet, weiß nicht was er schreibt, aber er tut es mit Überzeugung.

Peter Pilz darf dort in einem eigenen Setzkästchen wiederum die Märchen von der „Öko-KP“ erzählen, vom „demokratischen Zentralismus“, von „Abgeordneten an der Leine“, von der „innerparteilichen Bürokratie“ etc. Kein antikommunislischerTotschläger wird da ausgelassen. Und die Jungschar assistiert in journaillistischer Manier: „Offenbar fehlte den Grüngemeinderäten der Mut, und so übernahmen die Parteibürokraten die Drecksarbeit.“

Der „Schlagwortwahn“ (Karl Kraus), der hier zu einem hirnlosen Gatsch verrührt wird, bedarf nicht einmal mehr einer Begründung. So reproduzieren sich die dümmsten Vorurteile: hingesagt von blassen Demagogen, hingeschricben von billigen Schreibern, hingenommen von faulen Lesern. Hinig eben.

Zu guter letzt ist auch er aus dem Falter nicht wegzudenken, Pilzens Kumpel aus alten und neuen Tagen, jener Mann der so schreibt, wie er schlitzt: Werner Vogt. Wo er auftritt, ist der Schmutzkübel niemals fern. Und da es um den Freund geht, ist der Griff in den Kübel besonders tief, da werden aufgeführt: die frustrierte Huemer, der „politische Sozialfall Petrovic“, der „Kulissenschieber Prader“, ja eine gackernde Weiberschar, die stets unter der Gockelbezeichnung „Hühner“ auftreten darf.

Ist der große grüne Sperminator auf Schiurlaub, dann bricht „im Hühnerstall erneut Putschstimmung aus.“ Die „Emanzenoper“ darf aber nicht geduldet werden, die „blinden Hühner“ müssen weg. Bereitwillig macht der Vogt daher den Iltis im Stall. Da wird durchgebissen und durchgestartet. Im völlig haltlosen Liquidationsvokabular heißt es dann ganz apodiktisch: „Keine Frage. Der Durchstart ist ohne Köpferollen undenkbar. Chorherr und das Wiener Putschbüro sind untragbar.“ Denn auch das ist klar: Bei Pilz da sind die „versammelten politischen Köpfe“, bei Chorherr und Prader das „Putschbüro“. Vogt spricht jedenfalls aus, was Pilz will.

Und da sie echte Haberer sind, ist die Rede vom „ganzen Pilz“ und vom „halben Chorherr“. Der im Vorjahr noch von Pilz und Freunden maßgeblich mitinstallierte (damalige) Pilz-Freund Chorherr wird einfach zum „Bundesstammler“ degradiert. Den Stammler will Vogt wieder durch den Rammler ersetzt sehen, damit er doch endlich zum wahren Genuß der Direktübertragung Pilz gegen Haider seinen Fernseher aufdrehen darf. Die Armseligkeit solcher Gelüste ist offensichtlich. Rambo oder Rocky sollten für seinesgleichen eigentlich reichen.

Werner Vogt ist kein Gesellschaftskritiker, sondern ein abgeschmackter Geiferer. Die letzte Lemure der Achtundsechziger. Wenn er schreibt, zuckt er aus. Da er oft schreibt, zuckt er oft aus. Die falsche Kritik endet in der Affirmation. Je offener der Mund, desto leerer der Kopf. Nicht, daß Vogt arrogant ist, regt auf, sondern daß diese Arroganz keine inhaltliche Berechtigung hat. Er ist ein (links?) populistischer Schwätzer, ein schimpfender Hausmeister der übelsten Sorte. Seine Arroganz wird bloß noch übertroffen von seiner Ignoranz. Vogt, das ist ein Zyniker, der sich alle zwei Wochen im Falter auskotzt.

Jene, die in Pilz oder Voggenhuber „Vordenker“ (profil) erkennen wollen, geben sich nur ihrerseits als Nichtdenker zu erkennen. Warum ausgerechnet Pilz etwas zu bieten hat, vor allem auch: was, das beantworten im Kinderkurier weder Jungscharführer noch Jungscharchor. Bei solch Medienprofis auf allen Seiten wird das einfach vorausgesetzt. Aber wer weiß: Möglicherweise hat man sogar gemeinsam die gleichen Bücher nicht verstanden.

Zugegeben werden muß, daß Pilz einer der wenigen Grünen ist, die faszinieren können. Doch dieses Faszinieren ist ein Blenden, und es kommt auch nur durch, wenn die Kenntnis des Promis eine vage ist, noch nicht zur Erkenntnis aufgestiegen ist. Im oberflächlichen Kontakt erscheint Pilz als witziger Durchzieher, als einer, der was drauf hat, der weiß, was er will, und vor allem als einer, der das auch kann. In Wirklichkeit ist er ein Aufschneider. Und da es sonst niemand sagt, obwohl viele es wissen, sagen wir es. Und das gilt.

FORVM unterstützen

Die Digitalisierung des FORVM und der Betrieb dieser Website ist ein Projekt von Context XXI. Im Rahmen von Context XXI sind bereits 5787 Beiträge veröffentlicht. 9879 Beiträge warten derzeit darauf, der Texterkennung zugeführt und verfügbar gemacht zu werden. Context XXI kann Euch in den kommenden Jahren noch Vieles bieten. Das kann zu unser aller Lebzeiten und dauerhaft nur mit Eurer Unterstützung gelingen. Ganz so wie unsere alternativen Zeitschriften auf Abos angewiesen waren und sind, so ist dieses Projekt auf regelmäßige Beiträge von Euch Lesenden und Nutzenden angewiesen — hier heißen sie halt fördernde Mitgliedschaften:

Persönliche Daten

bzw. zweites Namensfeld bei juristischen Personen

z.B. "p.A. Kommune 1"

einschließlich Hausnummer und ggf. Wohnungsnummer

Mitgliedschaft

Ich trete hiemit dem Verein Context XXI - Verein für Kommunikation und Information als förderndes Mitglied in der gewählten Beitragsgruppe bei. Ich kann meine Beitragsgruppe jederzeit ändern.

SEPA-Lastschriftmandat

Ich/Wir ermächtige/ermächtigen Context XXI – Verein für Kommunikation und Information, Zahlungen meiner/unserer Mitgliedsbeiträge von meinem/unserem Konto mittels SEPA-Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich/weisen wir mein/unser Kreditinstitut an, die von Context XXI – Verein für Kommunikation und Information auf mein/unser Konto gezogenen SEPA–Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Zahlungsart: wiederkehrende Lastschrift (Recurrent)

Werbung

Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1999
Heft 4/1999, Seite 15
Autor/inn/en:

Franz Schandl:

Geboren 1960 in Eberweis/Niederösterreich. Studium der Geschichte und Politikwissenschaft in Wien. Lebt dortselbst als Historiker und Publizist und verdient seine Brötchen als Journalist wider Willen. Redakteur der Zeitschrift Streifzüge. Diverse Veröffentlichungen, gem. mit Gerhard Schattauer Verfasser der Studie „Die Grünen in Österreich. Entwicklung und Konsolidierung einer politischen Kraft“, Wien 1996. Aktuell: Nikolaus Dimmel/Karl A. Immervoll/Franz Schandl (Hg.), „Sinnvoll tätig sein, Wirkungen eines Grundeinkommens“, Wien 2019.

Lizenz dieses Beitrags:
Gemeinfrei
Diese Seite weiterempfehlen