Zeitschriften » Context XXI » Print » Jahrgang 2005 » Heft 5-6/2005
Alexander Emanuely

Tusia Herzberg 1921-2005

Zu unserer großen Trauer erfuhren wir Anfang November, dass Tusia Herzberg gestorben war – am 27. Oktober war sie in ihrem Zuhause in Ramat Gan, Israel friedlich eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht.

Tusia Herzberg war eine Kämpferin und gleichzeitig der friedlichste und ruhigste Mensch, und sie konnte herzhaft lachen, trotz alle dem, was sie erlebt hatte. Es war schön, mit ihr zu reden und wie stolz war sie auf ihre Mutter Rella Gutman, die — eigentlich schon längst über das StudentInnenalter hinaus — nach dem Krieg nach Paris gegangen war, um bei Zadkine Bildhauerei zu studieren.

Wir lernten sie im Jänner 2004 kennen, als sie bei unserem Symposium „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ als Zeitzeugin auftrat und aus ihrem bewegten Leben erzählte. Ihr für Context XXI (4-5/2004) geschriebener Artikel fing dann ebenfalls bewegt an: „Als ich von diesem Symposion erfuhr, war ich tief beeindruckt, dass Europas Intellektuelle Interesse für den jüdischen Widerstand zeigen.“ (Seite 50) – wie bezeichnend…

Tusia Herzberg, geboren 1921 in Bendzin, Polen, gehörte zu den „verrückten KämpferInnen“, wie sie es selbst bezeichnete, in einen aussichtslosen Kampf gegen die Nazis getrieben -

Sie kämpften, weil ihre Selbstachtung es so verlangte.
Verrückt!
Sie kämpften ohne Waffe.
Sie beschafften sich Waffen – ohne Geld.
Sie suchten Unterkunft in einer feindlichen Umgebung.
Sie übergaben ihr Schicksal ihrem glücklichen Stern.
Aber die meisten waren dem Untergang geweiht

Dieses Gedicht, sowie vieles aus der Zeit als Widerstandskämpferin findet sich in ihrem Buch Der lachende Sand wieder, welches dank der engagierten Arbeit der Edition Mnemosyne, beim Alekto Verlag in Klagenfurt, vor genau 10 Jahren erschienen ist.

Nach dem Krieg war Tusia Herzberg nach Israel ausgewandert, wo sie nicht müde wurde, weiter zu kämpfen - diesmal für die sozial benachteiligten Menschen, in der Frauenbewegung, der Friedensbewegung, auch war sie Pionierin, was die Organisation von Kindergärten betraf, was vielen Müttern ein weniger stressvolles Leben ermöglichte und den Kindern einen schönen Tag. Und dann schrieb sie – sie schrieb über ihren Widerstandskampf (Der lachende Sand) und über ihren sozialen Kampf (A moment of Happiness) und noch vieles mehr. Die Liste der Tätigkeiten dieser unermüdlichen Frau ließe sich ewig fortsetzen, auf jeden Fall erhielt sie für ihren Einsatz 1982 den israelischen Staatspräsidenten-Preis und wurde Ehrenbürgerin ihrer Stadt Ramat Gan, wo sie hauptsächlich tätig war.

Wir waren glücklich, als wir vor zwei Jahren diesem bewegenden Menschen begegnen konnten ...

Für die Redaktion Alexander S. Emanuely

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Oktober
2005
Heft 5-6/2005, Seite 36
Autor/inn/en:

Alexander Emanuely:

Seit Juni 1999 Redakteur und von September 2001 bis 2006 geschäftsführender Redakteur, seither Vorstandsmitglied von Context XXI. Vorstandsmitglied des Republikanischen Clubs — Neues Österreich, Sprecher der LICRA-Österreich. Freier Autor in Wien.

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