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Markus Kemmerling

Techno mit Störungen

Ein Projekt von John Rose

In Wien die ARENA, WUK und Chelsea, in Linz die Kapu und im östlichsten Zipfel des Landes — also noch immer kurz vor dem Ende der Welt — die Ja­zzgalerie Nickelsdorf. Alleror­ten feiern kleinere bis mittlere MusikveranstalterInnen derzeit Jubiläen und erinnern derart an die Aufbruchsstimmung, die in der unabhängigen österreichi­schen Musikszene vor fünf, zehn, fünfzehn oder bereits zwanzig Jahren herrschte. Ein Aufbruch übrigens, der augen­fällig oft mit einem Niedergang autonomer Strukturen im Politi­schen einhergegangen ist. Nun­mehr scheint die Stagnation auch erstere erreicht zu haben. Denn wozu sonst sich derart ge­ballt mit Jubiläen aufhalten?

Der Welser „kulturverein waschaecht“ hatte dieses Jahr für sein Anfang November zum zehnten Mal über die Bühne ge­gangenes „music unlimited“-Festival ebenfalls ein Jubiläums­programm auf die Beine gestellt. Daß die Welser trotzdem die momentan spannendste Adres­se im Lande für Musik im Grenzbereich zwischen Jazz und Rock sind, liegt vor allem an ihrem Konzept, die Gestaltung ihres Festivals alle zwei Jahre ei­nem oder einer ihrer Lieblings­musikerInnen zu übertragen (das große I steht hierbei für ein noch einzulösendes Verspre­chen). Letztes Jahr ging der Auf­trag an den Geiger John Rose.

Im Mittelpunkt seines Pro­gramms stand „Techno mit Störungen“, die Konfrontation improvisierender MusikerIn­nen mit digitaler Technologie. Das Wiener Kleinlabel „Plag dich nicht“ hat das Stück auf CD dokumentiert. Wobei Do­kumentation durchaus das richtige Wort ist, entziehen sich doch Experimente wie dieses der Logik des Pop-Marktes, nur „fertige“ Stücke auf CD zu brennen (einer Lo­gik, der sich gemeinhin kleine Rock-, Hardcore- oder ähnli­che Label ebenso unterwerfen wie große Konzerne).

Ich glaube nicht, daß jene, die Techno mögen, an „Techno mit Störungen“ ihre Freude ha­ben werden. Mir gefällt die CD, aber ich habe ja auch nur wenig Freude an Techno. „Der begriff ‚techno‘ wurde dabei“, so John Rose, „in seiner weitestmögli­chen bedeutung verstanden: von sequencing zum live-sampling zur extremen mißhandlung von platten bis hin zu elek­tronischen spielzeug-perversionen.“ Auf der einen Seite der Bühne bedienten Christian Marclay, Otomo Yoshihide und Frank Schulte die Elektronik — digitale und zum nicht geringen Teil auch analoge (Plattenspie­ler, „Radiostimmen“ etc.). Auf der anderen Seite standen fünf­zehn bekannte Improvisations­musikerInnen, Rose nennt sie „techno-gladiators“. Damit nicht genug, mischten noch vierzehn MusikerInnen des ita­lienischen „Laboratorio di Musica & Immagine“ mit.

Geregelt wurde das Ganze durch ein von den MusikerInnen selbst zu bedienendes Ampel-System. Nicht selten scheinen die Improvi­sierenden dabei der an­deren Seite zunächst einmal ein deutliches Rot signalisiert zu haben, um diese dann umge­kehrt ihre Improvisationen „stören“ zu lassen. Diejenigen MusikerInnen, die schon immer einen spielerischen Umgang mit der Elektronik pflegten, dürf­ten auch an diesem Abend ihren Spaß gehabt haben. An­deren gerieten ihre Störungen zu wenig mehr als eben diesen: Störungen — ausgesprochen kurzweilig, doch ein wenig be­liebig. Im Gegensatz etwa zu John Zorns „Cobra“ kann ich mich aber bei „Techno mit Störungen“ des Eindrucks nicht erwehren: Irgendetwas hat da nicht funktioniert. Wie gesagt: eine spannende CD.

Techno mit Störungen
Ein Projekt von John Rose
Plag dich nicht 002
Neulerchenfelderstr. 11/5, 1160 Wien

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1996
ZOOM 7/1996, Seite 26
Autor/inn/en:

Markus Kemmerling:

Gelernter Physiker, EDV-Kundiger und Web-Entwickler bevor die Meisten „Internet“ buchstabieren konnten. Redaktionsmitglied, organisatorisches und moralisches Rückgrat von Context XXI, Fels in allen Brandungen vom mythologischen Anbeginn bis Mai 2003.

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