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Alfred Pranzl
Festival

Sura Za Afrika — Die Gesichter Afrikas

Das eigenständige Potential Afrikas, die afrikanische Identität in ihren mannigfaltigen Formen und Ausprägungen versucht das Festival „Sura Za Afrika" aus­schnittweise nahezubringen.

Frantz Lamothe

Ein wesentliches Anliegen, da unser südlicher Nachbar-Erd­teil wegen der Katastrophen­geilheit der Medien allzu schnell als „verlorener Kontinent“ ab­gekanzelt wurde. „Die andere Reise. Afrika und die Diaspora“ nennt Kura­tor Simon Njami die bis 30. Juni in oben erwähntem Zusammenhang statt­findende Ausstellung in der Kunst.Halle.Krems. Der Titel impli­ziert die Zerschlagung des westzen­trierten Blicks auf Afrika. Nicht dieses abstrakte geographische Gebilde, son­dern den Menschen gelte es zu verste­hen. Daher ist in den zeitgenössischen Exponaten der aus aller Welt kommen­den KünstlerInnen afrikanischer Her­kunft nicht spezifisch das Afrikanische zu suchen, geschweige denn zu finden. Die ausgestellten KünstlerInnen wol­len sich dem ethnologischen Blick (der immer wieder Masken und traditionel­les Kunsthandwerk mit Afrika assozi­iert) entziehen. Sie sehen ihre Kunst als universell, losgelöst von afrikanischen Bedeutungen, und wollen daher nicht ethnographisch mißbraucht werden. Gewahren wir also, daß Kunstschaffen ein individueller Akt der Schöpfung ist und keineswegs ein von vornherein „rassisch“ oder national bestimmter. „So klingt Pygmäisch“ ist eine rassisti­sche Festschreibung! Schränken wir al­so Menschen aus Afrika nicht auf ihr Bewegungs- oder Rhythmustalent ein, um ihre Herkunft zu untermauern. Vielmehr geht es um die Schärfung des Blicks auf die jeweilige Person, um ihre Persönlichkeit. Selbst wenn der Her­kunftskontext Offensichtlichkeiten zu Tage fördert, sollten die Äußerungen und Kreationen von Menschen unter einem universellen Aspekt gesehen werden. Die rhythmische Botschaft von MusikerInnen aus Afrika versteht der Westeuropäer ebenso wie der Nordamerikaner. Ein Austausch von beispielsweise David Lindley/Henry Kaiser mit madegassischen Kollegen, der nicht auf ausbeuterischer Ebene abläuft, ist ein Glücksfall. Ebenso, daß einer der wichtigsten Vertreter der Mu­sikszene Madagaskars endlich nach Österreich kam. Justin Vali, Meister der Valiha (Bambusharfe), begeisterte im Mai wie Kantè Manfila (gitarren­dominierte Maninka-Musik aus Guinea/Maley, verquickt mit Jazz, Blues und spanischem Einfluß) im Trio in der Minoritenkirche Krems/Stein. Gemeinsam mit Fracis Bebey (Kamerun), der auch als Schriftsteller erfolgreich ist, entsprachen die Wahl­pariser dem Programmotto „Masters Of African Music“ vollauf. Da in jedem österreichischen Bundesland (Märkte, Tänze, Lesungen, ...) Afrika zu Gesicht zu bekommen ist, seien noch einige Highlights herausgegriffen:

  • Kultodrom Festival Mistelbach, 13.-16. Juni: Begegnung Ö-Afrika mit Tschuschenkapelle, Stella Chiwese (Simbabwe), Fußballmatches etc.
  • Afrika-Filmnächte: Wiener Rathaus­platz, 15.-28. Juni.
  • WOMAD-Festival/Freudenau, 28. Juni, 15 Uhr: Papa Wemba (Zaire), Manu Dibango & Soul Makossa Gang (Kamerun), Remmy Ongala (Tansania), Abdelli (Algerien) und Hukwe Zawose & Wagogo Music & Dance Ensemble.
  • Master Musicians of Jajouka (Marokko): Szene Wien, 1. und 2. Juli.
  • „French Connection“ mit Livebands, DJs aus Paris und Wien: Volksgarten, 21. Juni.
  • Interkultureller Dialog: IWK, 25. Juni, 18 Uhr.
  • Workshop Politik (Julius Raab-Stiftung, Institut für Politikwissenschaft), 26./27. Juni: Afrikanische Intellektuelle entwer­fen Leitbilder fürs dritte Jahrtausend. Mit Dr. Bernard Lédéa Ouedraogo (Agronom, Burkina Faso), Prof. Dr. Kum’a Ndumbe III (Politikwissenschaft­ler Freie Uni Berlin, Kamerun) und Prof. Dr. Achille Mbembe (Historiker, Kamerun/Paris).
  • Workshop Wirtschaft: 21./22. Juni, Johannes Kepler Universität Linz.
  • Workshop Menschenrechte: 24./25. Juni, Universität Graz.
  • Workshop Wissenschaftliche For­schung: 28./29. Juni, Uni Innsbruck.
  • Workshop Medien: 20.-22. Juni, Uni Salzburg/Ö. UNESCO Kommission.
  • Wiener Memorandum: 1.-5. Juli, Kreisky Forum, Parlament. Hochrangige afrikanische Intellektuelle (siehe Work­shops) und VertreterInnen von Basisorganisationen werden einen Text ausar­beiten, der einerseits an die afrikanischen Eliten gerichtet sein soll, aber auch die Verantwortung Europas nicht ausnimmt.
    Festivalinfo: (+43 1) 503 25 1 0 E-Mail: sura.za.afrika magnet.at

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Erstveröffentlichung im FORVM:
März
1996
ZOOM 2/1996, Seite 24
Autor/inn/en:

Alfred Pranzl:

Alfred Pranzl ist Redakteur des Mediums skug — Journal für Musik, das von Oktober 1990 bis Dezember 2015 als Zeitschrift erschien und seither als online-Medium weiterbesteht.

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