Zeitschriften » Context XXI » Print » EKG & ZAM » EuropaKardioGramm » Jahrgang 1995 » EKG 5-6/1995
Alfred Pranzl
Festival der Regionen

St. Peter → Hermann-Göring-Werke → VOEST-Linz

Weidende Schafe neben Sintermetallhalden: „Die Achse Des Ofens“ schilderte im Rahmen des „Festivals der Regionen“ theatralisch die Geschichte des VOEST-Areals.

Wäsche hängt am riesigen Werksgelände der VOEST. An einem Platz, wo früher 4500 Menschen den Ort St. Peter bewohnten. Als den Hausfrauen eines Ortsteiles die Mitteilung zukommt, daß ihre Häuser in zwei Tagen gesprengt werden, bleibt nur noch die Frage: „Ja, wo sollen wir denn hin?“.

Viele Familien wurden am Keferfeld angesiedelt, zu besseren Bedingungen, sogar mit Bad. Eine rasche Absiedlung ist so wohl nur in einer Diktatur möglich, die Frage von Ablösung und Enteignung wird mit erpresserischen Methoden entschieden. Herr Schrefler, Fleischhauer von Beruf, der sein gewünschtes Ersatzobjekt nicht bekommt, gibt nach langwierigem Prozeß klein bei und stirbt nach einem halben Jahr am 1. März 1939. Zu diesem Zeitpunkt sind auch die Toten St. Peters längst umgebettet.

Eine persische Erzählung, die langfristig einer gequälten Ansiedlung gegenüber den Kräften der Natur den Kürzeren ziehen läßt, und ein anstrengender Aischylos-Text verleihen der szenischen Aufführung von Uwe Dörr und Stefan Kurowski, Sohn eines Zwangsarbeiters der Göring-Werke, Endzeitstimmung. Bosnische Flüchtlingsfrauen aus dem naheliegenden Asyl-Heim Lunzerstraße stehen hiezu still in den Stahlbehältern jener aufgelassenen Stahlwerkshalle, in der das LD-Verfahren entwickelt wurde.

Bilder archaischer Wucht tun sich auf, wenn die Zuschauer in vier werkseigenen Schienenbuswaggons durch das riesige, gespenstisch-kalte Industriegelände fahren. Und doch sind der faszinierenden Einfälle zu wenige in eindreiviertel Stunden, die Peter Androschs um die Idylle trauernde Musik doch um einiges kurzweiliger macht. Schafe schlafen in einem Geviert. Strohgarben brennen, ein Förderband hievt Akten. Schlußendlich steigen die Flüchtlingsfrauen in den Zug ein. Sie nehmen teils Plätze der Zaungäste ein, und manch einer denkt wohl insgeheim: „Das war doch meiner.“ Alle Frauen müssen aber bald wieder hinaus. Am Bahnsteig müssen sie in der Kälte weiter warten, während unsereiner sich, am Ausgangspunkt angekommen, auf die Heimreise macht.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Oktober
1995
EKG 5-6/1995, Seite 39
Autor/inn/en:

Alfred Pranzl:

Alfred Pranzl ist Redakteur des Mediums skug — Journal für Musik, das von Oktober 1990 bis Dezember 2015 als Zeitschrift erschien und seither als online-Medium weiterbesteht.

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