Zeitschriften » Context XXI » Print » Jahrgang 2001 » Heft 7-8/2001 — 1/2002
Alexander Pollak • Heribert Schiedel

Nationaler Schulterschluss gegen die Erinnerung

Über Aktualität und politische Opportunität von Burgers Philosophie des Vergessens

Also, ich bin sicherlich nicht derjenige, der ein Leben lang im Büßer­hemd durch die Welt geht. (...) Warum soll ich mich mit irgendwelchen Ver­gangenheitsproblemen belasten?

(Jörg Haider, in: Der Spiegel 5/2000)

Reden wir über Wiedergutmachung: Die betrifft nämlich nicht nur die in New York und im Osten, sondern vor allem auch unsere sudetendeut­sche Freunde. Wir wollen uns zuerst um die eigenen Leute kümmern.

(Jörg Haider, am 20.10.2000 in der Wiener Stadthalle)

Der Schattenkanzler der Wenderegierung gibt auch im Bereich der Vergangenheitspolitik die Richtung vor. Sein ideologischer Einflüsterer Andreas Mölzer nennt als Ziel der FPÖVP-Regierung die „Überwindung des typisch deutschen und damit österreichischen National­masochismus und die Gewinnung eines geläuterten, auf historischer Wahrheit beruhenden zukunftsfähigen Selbstbewußtseins des österreichischen Gemeinwesens“. [1]

Dieser als „Selbstbewusstsein“ verharmloste Nationalismus verträgt sich nicht mit der Er­innerung an die NS-Verbrechen, die maßgeblich von Österreichern geplant und begangen wurden. Das gilt insbesondere für die Shoah, die planmäßige Vernichtung der europäischen Juden und Jüdinnen. Bis Mitte der 80er Jahre wurde diese Schuld und die daraus resultie­renden (finanziellen) Verpflichtungen von politischer Seite mit dem Opfermythos abgewehrt. Nach diesem waren die ÖsterreicherInnen das „erste Opfer“ der NS-Aggression, wie Kanzler Schüssel im Interview mit der Jerusalem Post am 9. November (!) 2000 neuerlich behauptete. In den Entschädigungszahlungen an die tatsächlichen Opfer drückt sich demnach auch kein Rechtsanspruch aus, sondern eine „moralische Verantwortung“ (Schüssel). Den so vom guten Willen Österreichs abhängigen jüdischen NS-Opfern wird dann auch noch Dankbarkeit ab­verlangt. Vor allem sollen sie endlich Ruhe geben: In der unter kritischer internationaler Be­obachtung erfolgten Einigung mit den jüdischen Opferverbänden drückt sich der Wunsch nach einem „Schlussstrich“ aus, wie es Finanzminister Grasser in seiner diesbezüglichen Re­de im Parlament auch unumwunden aussprach. Sein Parteifreund Westenthaler wollte An­fang 2001 von den zuständigen MinisterInnen wissen, „wie lange wir noch zahlen müssen“. Der ungeduldige FPÖ-Klubobmann meinte weiter, dass man die „Frage stellen dürfen (soll), wann ein Schlußstrich gezogen wird.“ [2]

Diejenigen, die sich dem Schlussstrich widersetzen oder alleine durch ihre Existenz dauernd an die Shoah erinnern, werden neuerlich zum Objekt des Hasses.

Sekundärer Antisemitismus

In der Kritischen Theorie wurde noch in den 50er Jahren jener postnazistische Antisemitismus, der sich nicht trotz, sondern wegen Auschwitz ausbildet, auf den Begriff „sekundär“ ge­bracht. [3] Der sekundäre Antisemitismus hat seine Ursache im spezifischen Umgang mit der Shoah seitens der TäterInnen, ZuschauerInnen und ihrer Nachkommen. Dieser Umgang lässt sich zusammenfassend als „Abwehr“ und „Verdrängung“ [4] von Schuld und Erinnerung be­schreiben. Wie jeder Antisemitismus stellt auch der sekundäre eine Rationalisierung von Aggressionen, hier diejenigen der Schuld- und Erinnerungsabwehr, dar. Diese Aggressionen rühren aus der inneren Bedrohung des narzisstischen Größenselbst [5] durch die Erinnerung an das Grauen. Deren Abwehr beschreibt Adorno als „den Versuch, die eigene überwertige Identifikation mit dem Kollektiv, zu dem man gehört, in Übereinstimmung zu bringen mit dem Wissen vom Frevel: man leugnet oder verkleinert ihn, um nicht der Möglichkeit jener Identifikation verlustig zu gehen“. [6] Hier ist bereits der Zusammenhang zwischen dem Grad des Nationalismus und dem sekundären Antisemitismus angesprochen. Aber auch autoritäre Un­terwürfigkeit und Konformismus, die eine kritische Distanz zur (Groß-)Elterngeneration ver­unmöglichen, begünstigen ihn.

Die wohl beliebteste Rationalisierung der Abwehraggression stellt die Behauptung dar, die Juden und Jüdinnen würden die Erinnerung an die Shoah zu eigenen, meist finanziellen oder machtpolitischen Zwecken missbrauchen. [7] Mit Norman G. Finkelsteins Buch über eine an­gebliche „Holocaust-Industrie“, [8] welche den Missbrauch im großen Maßstab und systematisch betreibe, erfuhr diese Rationalisierung einen „objektiven“ Legitimationsgewinn. Spätestens nun stieg sie vom Stammtisch in den akademischen Diskurs auf.

Die idiosynkratische Verbindung von „Juden“ und „Geld“ oder „Macht“ in obiger Behauptung verweist auf die Kontinuität in der Stereotypenbildung. Tatsächlich bezieht sich der Wechsel vom primären zum sekundären Antisemitismus weniger auf die Inhalte als auf die Form und die Motivation: „Die Abwehr der Erinnerung an das Unsägliche, was geschah, be­dient sich eben der Motive, welche es bereiten halfen.“ [9] Der Antisemitismus der Erinnerungs­- und Schuldabwehr nimmt also den primären Antisemitismus in sich auf und spiegelt ihn wider.

Die Folgen der Abwehr für die Individuen haben Margarete und Alexander Mitscherlich in ihrer bahnbrechenden Studie beschrieben: „Die Abwehr kollektiv zu verantwortender Schuld (...) hat ihre Spuren im Charakter hinterlassen. Wo psychische Abwehrmechanismen wie etwa Verleugnung und Verdrängung bei der Lösung von Konflikten (...) eine übergroße Rolle spielen, ist regelmäßig zu beobachten, wie sich die Realitätswahrnehmung einschränkt und stereotype Vorurteile sich ausbilden; in zirkulärer Verstärkung schützen dann die Vorurteile wiederum den ungestörten Ablauf des Verdrängungs- oder Verleugnungsvorganges.“ [10]

Eine der zentralen Reaktionsformen, „mit denen die Einsicht in die überwältigende Schuld­last femgehalten wird“, [11] ist die Absperrung oder Gefühlsstarre. [12] Die Abspaltung der Affekte ging im mancher Hinsicht nicht nur der Tat voraus, sondern bildete auch die Grundlage ihrer anhaltenden „Verdrängung“, gar Verleugnung. Dort wo die emotionale Besetzung eines zu erinnernden Ereignisses fehlt, ist dem Gedächtnis eine zentrale Voraussetzung entzogen. Die emotionale Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern ist also die Grundlage des Vergessens. Die erfolgreiche Abwehr der Affekte wird im Umkehrschluss als Beleg der Unschuld genom­men: Weil die TäterInnen und ihre Nachkommen nicht unter dem, was getan wurde, litten/leiden und unfähig waren/sind, „das Grauenhafte als grauenhaft wahrzunehmen“, [13] konnte kein Verantwortungs- und Schuldgefühl entstehen.

Nur das kulturindustriell bearbeitete Grauen findet den Zugang zu den Emotionen, wo es sentimentale Reaktionen hervorruft. Als narzisstische Form der Trauer spiegelt sich in der Sentimentalität weniger das Los der Opfer als das deformierte Selbst. Sich selber ein Bild des unsäglichen Grauens zu machen, würde genau jene empathische Erinnerungsarbeit erfor­dern, gegen welche sich das traumatisierte [14] (Un)Bewusstsein in den TäterInnengesellschaften so vehement versperrt. Statt dessen kam und kommt es zu einer „Affektverleugnung und Affektisolation, was heißt, daß (...) das, was in Auschwitz geschah, zwar durchweg anerkannt wird, aber im Erleben nichts bedeutet.“ [15] Dort, wo das Mitfühlen nicht zugelassen wird, kann auch ein authentisches Erinnern nicht Platz greifen. Geschwätzige Betroffenheits-Rhetorik, ritualisiertes Gedenken und philosemitische Schwärmerei ersetzen die individuelle Bearbeitung.

Die Ungeheuerlichkeit des Verbrechens verdrängte den Antisemitismus zunächst ins Private. Im sekundären Antisemitismus wird nun diese Spannung zwischen antisemitischer Einstel­lung und der weitgehenden Achtung ihrer öffentlichen Artikulation den Juden und Jüdin­nen angelastet. Von diesen fühlen sich auch die sekundären AntisemitInnen verfolgt. In Sätzen wie „Man darf ja heute gar nichts mehr sagen über die Juden“ spiegelt sich das Stereotyp von der jüdischen Allmacht und die paranoide Aufrichtigkeit von AntisemitInnen. Die tatsächliche Präsenz von Auschwitz in Presse, Funk und Fernsehen wird — unter Aktualisierung des al­ten Stereotypes von der „jüdischen Medien-“ oder „Manipulationsmacht“ — dem Einfluss der Juden und Jüdinnen zugeschrieben.

Dort, wo Auschwitz nicht einfach geleugnet werden kann, erscheinen die Gedanken daran als verordnete. Der FPÖ-Bundesrat John Gudenus brachte dies auf den Punkt: „Gaskam­mern? Ich halte mich da raus. Ich glaube alles, was dogmatisch vorgeschrieben ist.“ In be­währter Manier sehen sich nicht wenige Deutsche und ÖsterreicherInnen als passiv, ja geradezu als Opfer, diesmal der Umerziehung und des NS-Verbotsgesetzes, welches öffentliches Leug­nen der Shoah mit Strafe bedroht, sowie der „Holocaust-Industrie“, welche sich der Aus­beutung schuldig mache.

Der innere Spannungszustand zwischen dem narzisstischen Größenselbst und Resten von Schuldgefühlen, die durch die Abwehrmauern sickern und notwendig vom Ich als äußerlich, als von außen aufoktroyiert empfunden werden, wird zur Quelle der Paranoia, die bereits den primären Antisemitismus massenwirksam werden ließ.
Die Projektion ist der zentrale Mechanismus auch im sekundären Antisemitismus: Nun werden die Reste des Schuldgefühls und der Erinnerung auf Juden und Jüdinnen übertra­gen. „Die Überlebenden der Vernichtung werden zu Trägern der Affekte, die wiederum die nichtjüdischen Deutschen in ihrer psychischen Struktur nicht integrieren können.“ [16] Ge­hasst und verfolgt werden Juden und Jüdinnen dann, weil sie allein durch ihre Existenz dau­ernd an Auschwitz erinnern. Wenn man das Grauen nicht an sich herankommen lässt, neigt man dazu, „den, der auch nur davon spricht, von sich wegzuschieben, als wäre er, sofern er es un­gemildert tut, der Schuldige, nicht das Opfer.“ [17]

Im philosemitischen Diskurs werden Juden und Jüdinnen hingegen zur moralischen Instanz erhoben, welche mahnend über der TäterInnengesellschaft thront. Auch hier wird ihnen Macht zugeschrieben. Im Unterschied zu AntisemitInnen erwarten die nachgeborenen Freund­Innen des Judentums jedoch, von der Autorität geliebt zu werden. Wieder Kindern gleich, bitten sie Juden und Jüdinnen um „Vergebung“ für ihre „bösen Taten“ (so Kanzler Vranitzky 1993 in Israel).

Lassen sich die derart Bedrängten dann nicht in die Rolle der gütigen Eltern pressen oder zeigen sie wenig Bereitschaft, das Geschehene vergessen zu wollen und Auschwitz den Deut­schen und ÖsterreicherInnen als historischen Betriebsunfall durchgehen zu lassen, kommt es auch hier zum Umschlag in den Hass. Mindestens die Drohung eines wiedererstarkenden An­tisemitismus schwebt dann über denjenigen, die der sogenannten Aussöhnung im Wege stehen.

Im öffentlichen Diskurs ist heute jedoch auch ein Formwandel der „Abwehr“ und „Ver­drängung“ festzusteilen. Anstatt über Auschwitz und die eigene Schuld zu schweigen, kommt heute fast keine Sonntagsrede ohne den Verweis auf das Unsägliche aus. Dieser dient aber nicht dem Abrufen der Erinnerung zum Zweck der Durcharbeitung und — damit verbundenen — Selbstreflexion, sondern hat andere Ursachen. Jüngst wurde damit etwa versucht, den An­griffskrieg auf Jugoslawien zu legitimieren. Schon im Stadium des Schweigens erkannte Ador­no: „Man hat es nicht so eilig mit dem Schlussstrich unter die Vergangenheit, wenn sie der Abwehr dient.“ [18] Tatsächlich stellen die so beliebten Vergleiche von Hitler mit aktuellen „Schurken“ oder von Kriegsverbrechen mit der Shoah implizit einen Versuch dar, die NS-Gräuel zu relativieren.

Akademische Tilgung der Erinnerung

Vor dem Hintergrund der Existenz sekundär-antisemitischer Diskurse, der politischen Op­portunität und der (hier nicht näher zu bestimmenden) persönlichen Motivation ist Rudolf Burgers „Plädoyer für das Vergessen“ [19] zu lesen.

Dieses beginnt mit einer Obsoleterklärung der „Verdrängungstheorie der Nazizeit“: An­gesichts „einer Unterhaltungsindustrie, welche den ‚Holocaust‘ seit gut zwanzig Jahren quer durch alle Genrebereiche auswalzt“, könne nicht mehr von Verdrängung gesprochen werden. Die Kritik an der kulturindustriellen Aufbereitung und Verwertung des Themas, welche den Me­chanismus von „Abwehr“ und „Verdrängung“ eben nicht stören muss, sondern vielmehr das „kalte und leere Vergessen“ (Adorno) befördern kann, ist nicht neu. [20] Neu hingegen ist die In­strumentalisierung dieser Kritik zum Zwecke der Erledigung jeder Erinnerung an die Shoah. Es war vor allem Martin Walser, der 1998 mit seiner berüchtigten Rede hier den Weg wies. [21]

Auch gilt nicht, wie Burger behauptet, jeder, den vor der kulturindustriellen Verwertung des Grauens „ekelt“, automatisch „als Antisemit.“ Diese polemische Übertreibung mag persönlicher Ausdruck unbestimmter Ängste sein, auf jeden Fall dient sie der Selbstimmunisierung ge­genüber dem offenbar befürchteten Antisemitismus-Vorwurf.

Nachdem Burger die Freudsche Theorie im Vorbeigehen als „ein genial erzähltes Kunst­märchen aus dem schwülen Milieu des Wiener Fin de siècle“ abzutun versucht hat, knüpft er sich deren Anwendung in der Analyse sozialer Phänomene und des kollektiven Umganges mit der NS-Vergangenheit vor. Dabei ignoriert er zunächst die Freudsche Einschränkung der Massenpsychologie, um diese dann um so einfacher mit der Jungschen Archetypenlehre und „Völkerseele“ zusammenfallen lassen zu können. [22] Auch setzt sich Burger über das regressive Mo­ment pathologischer Gruppenbildung [23] souverän hinweg. Gerade die NS-Volksgemeinschaft ist ein eindrucksvoller Beleg für die von ihm geleugnete Möglichkeit der Ausbildung eines kollektiven Über-Ichs in der Form des „Führers“. Und nur in diesem Zusammenhang macht die von Burger kurzerhand als falsch abgetane Rede von der Traumatisierung und „Verdrän­gung“ auf der Seite der TäterInnen Sinn: Es waren ja gerade nicht die Verbrechen, sondern die traumatischen Erfahrungen des Verlustes des „Führers“ und des narzisstischen Größenselbst des „Ariers“, die verdrängt wurden. Da nicht davon auszugehen ist, dass Burger das diesbe­zügliche Standardwerk von Alexander und Margarete Mitscherlich („Die Unfähigkeit zu Trau­ern“) nicht kennt, muss es sich hierbei um eine (bewusste?) Verdrehung handeln. Aber die Wahrheit hat stets einen schweren Stand, wenn die Erinnerung an Auschwitz getilgt werden soll.

Ähnlich verhält es sich mit der „Kollektivschuld“, die Burger als Popanz aufbaut. Die Re­de von der „Kollektivschuld“ ist integraler Bestandteil des Abwehrdiskurses und erfüllt nur in diesem seine Funktion: Von der Unmöglichkeit einer „Kollektivschuld“ wird dann stets rasch auf die einer individuellen Schuld und Verantwortung geschlossen.

Wie stets im Abwehrdiskurs wird die Shoah bei Burger vom singulären Bruch in der Zivi­lisation zu einem „Großverbrechen“ unter vielen. Darüber hinaus suggeriert Burger mit seinem Hinweis auf das Vergessen von (Bürger)Kriegen, bei der antisemitischen NS-Vernichtungspolitik handle es sich um einen solchen. Wenn er weiters behauptet, dass „die Nazizeit so ver­sunken (ist) wie Karthago“ und „neue Generationen (...) herangewachsen (sind), die mit dem Geschehen von damals absolut nichts mehr zu tun haben“, leugnet er die Kontinuität etwa in Form des maßgeblich auf ausgebeuteter Zwangsarbeitskraft und geraubtem jüdischen Eigentum basierenden kollektiven Wohlstandes. Soviel zur materiellen Grundlage des Vergessens.

Am Ende kommt Burger endlich zur Sache: Weil es sich bei den Thesen über die „Ab­wehr“ und „Verdrängung“ der NS-Vergangenheit um bloßes „Gerede“ ohne realen Gehalt handle, muss deren anhaltende Verbreitung anderen Interessen als der Wahrheitssuche ge­schuldet sein. Und so ist dieses „Gerede“ für Burger „eine politische Erpressungsstrategie“ und ein „schamloses Geschäft“. Wer die „Erpresser“ und „Geschäftemacher“ sind, denken sich AntisemitInnen dann dazu.

Im zentralen Satz, den Burger an den Schluss gestellt und wohl bewusst weitgehend in Andeutungsform gehalten hat, drückt sich der Glaube an die Existenz einer (jüdischen) „Holo­caust-Industrie“ aus: „Wie die Dinge liegen, wäre Vergessen [der NS-Verbrechen, Anm.] nicht nur ein Gebot der Klugheit, sondern auch ein Akt der Redlichkeit; und es wäre eine Geste der Pietät. Schlimme Folgen hätte es keine, nur vielleicht für das Geschäft.“

Noch deutlicher wurde Burger dann einige Monate später in der ORF-Sendung „kreuz und quer“. Am 6. November 2001 diskutierten dort mit ihm Dan Diner, Eva Menasse und Jörn Rüsen über die Frage „Vergessen oder Erinnern: Warum heute noch von Auschwitz re­den?“. Burger betonte dabei neuerlich, dass er nicht nur „den scham- und würdelosen kultur­industriellen Umgang mit dem Holocaust“ kritisiere, sondern auch verlange, dass es ange­sichts dieser Formen der kulturindustriellen Erinnerung wohl besser sei, die Shoah überhaupt zu vergessen. Doch damit war Burger noch nicht am Ende seiner Argumentation, seine zentrale These, die er an diesem Abend vertreten wollte, ging nämlich über eine Kulturindustriekritik und eine Wiederholung seines „Plädoyers“ hinaus. Bevor Burger auf den Punkt kam, formulierte er folgende — rhetorische — Fragen: „Das Thema Holocaust ist relativ neu, kommt erst in den siebziger Jahren mit der amerikanischen ‚Holocaust‘-Serie auf. Warum erst so spät? Ist das (wirklich) Verdrängung? Oder war die Vergangenheit sehr wohl verfügbar?“

Kurz darauf wiederholte Burger seine Fragen, um dann sogleich die — für ihn — passenden Antworten zu geben: „Wenn der Holocaust als Ereignis [wie zuvor vom Historiker Dan Diner in die Diskussionsrunde geworfen, Anm.] von so einer Wucht in der Wirkung war, warum rückt es dann erst so spät ins Zentrum? Warum nicht schon in den vierziger und fünfziger Jahren? (...) Wir haben es mit einer Kulturindustrie zu tun und wir haben es damit zu tun, dass Neomythen mediengesteuert gemacht werden, oder zumindest mitgemacht werden. Und genau das ist das Problem. Jetzt rückt Auschwitz/der Holocaust ins Zentrum.“

Burger sieht im „Holocaust“ und vor allem in der Tatsache, dass dieser ins Zentrum der Er­innerung gerückt sei, nicht nur die (mediengesteuerte) Etablierung eines „Neomythos“, son­dern er hält es auch für „auffällig und ärgerlich“, dass man heute nur noch von den Juden und Jüdinnen, aber nicht mehr von den „politischen“ NS-Opfern spreche: „65.000 Juden sind von den Nazi ermordet worden und 90.000 politische Gegner, 90.000! Das war die Hälf­te mehr — redet man davon noch? Also auch die Einengung auf ein bestimmtes Opferkollek­tiv, das ist auch ärgerlich.“ [24]

Abgesehen davon, dass Burger mit falschen Zahlen operiert — die Zahl der politischen NS-Opfer in Österreich lag bei etwa 30.000 — und es bei der Erinnerung an die Shoah keines­wegs nur um die österreichischen Opfer, sondern um den industrialisierten Massenmord an den Juden und Jüdinnen in Europa geht, zeigen seine Bemerkungen sehr deutlich, dass er davon aus­geht, dass die westliche Welt seit den späten siebziger Jahren einer massiven „Holocaust-Er­innerungsmanipulation“ ausgesetzt ist, die das eigentlich nur mäßig bedeutsame Ereignis „Holocaust“ in den Mittelpunkt rücke, während die eigentlich zentralen Erinnerungsereignis­se, wie etwa, dass es auch politische NS-Opfer gegeben habe, an den Rand gedrängt würden. Wer diese „Erinnerungsmanipulationsindustrie“ betreibe, will uns Burger zwar (noch) nicht ge­nau verraten, aber das braucht er eigentlich auch gar nicht, denn in Österreich und im Diskurs eines „Antisemitismus ohne Antisemiten“ [25] werden seine Anspielungen durchaus verstanden — wissen nicht ohnehin alle, wer in Hollywood das Sagen hat und die Medien steuert?

Die bemerkenswerte Tatsache, dass die Äußerungen Burgers durchaus im Sinne sekundär­antisemitischer Anspielungen interpretiert werden können, deutet auf die unserer Ansicht ei­gentlich relevanten Bedeutungsschichten von Burgers Philosophie des Vergessens hin: Während er vordergründig die „Irrtümer der Gedenkpolitik“ zum Thema erklärt, spiegeln sein Text und seine Äußerungen etwas anderes und wesentlich problematischeres wieder — nämlich den Versuch der Rechtfertigung und Rationalisierung der eigenen Abwehr der Erinnerung an die Shoah.

Alles in allem reiht sich Burger mit seinem Postulat des Vergessens in die „sekundäre Volksgemeinschaft“ [26] ein: „Der Gestus, es solle alles vergeben und vergessen sein, der demje­nigen anstünde, dem Unrecht widerfuhr, wird von den Parteigängern derer praktiziert, die es begingen.“ [27]

Kein nationaler Schulterschluß ohne nationale Intelligenzia ...

[1Zur Zeit, Nr. 5/00

[2Neue Kronen Zeitung, 5.1.2001

[3vgl. Rensmann, Lars: Kritische Theorie über den Antisemitismus. Studien zu Struktur, Erklärungspotential und Aktualität. Ber­lin, Hamburg 1998, S. 231ff

[4Die Begriffe Abwehr und Verdrängung sind im Zusammenhang mit den NS-Gräuel und auf Seiten der TäterInnen weniger in ih­rer engeren, psychoanalytischen Bedeutung zu verstehen, sondern unter Miteinbeziehung bewusster (politischer und sozialer) Di­mensionen. Die politische und gesellschaftliche Notwendigkeit kommt den unbewussten Reaktionsweisen entgegen, der sekundäre Antisemitismus hat nicht nur unbewusste Ursachen. Mit Adorno ist hier vielmehr zu betonen, dass die „Tilgung der Erinnerung“ an Auschwitz „eher eine Leistung des allzu wachen Bewusstseins als dessen Schwäche gegenüber der Übermacht unbewusster Prozesse“ darstellt. (Adorno, Theodor W.: Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit, in: ders.: Gesammelte Schriften 10.2. Frankfurt/M. 1977, S. 558)

[5Bezeichnung für das vielfältig geschwächte und beschädigte Ich, das sich über verschiedene Identifikationen (z.B. mit „starken Männern“, höheren Idealen oder als mächtig erlebten Kollektiven) aufbläht. Hier ist v.a. die psychische Machtressource Nationalismus angesprochen.

[6Adorno, Theodor W.: Schuld und Abwehr, in: ders: Gesammelte Schriften 9.2, Frankfurt a.M. 1977, S. 150

[71995 waren 28% der ÖsterreicherInnen der Meinung, dass „die Juden den NS-Holocaust für ihre eigenen Zwecke ausnützen.“ (Gallup Institute of Austria: Current Austrian Attitudes towards Jews and the Holocaust. A Public-Opinion Survey. Wien 1995) Heu­te bejahen 45% der ÖsterreicherInnen die Aussage: „Die Juden nutzen die Erinnerung an den nationalsozialistischen Holocaust für eigene Zwecke aus“. (Gallup Institute of Austria: Attitudes towards Jews and the Holocaust in Austria. Wien 2001)

[8vgl. zur Auseinandersetzung mit Finkelsteins Behauptungen: Dietzsch, Martin/Schobert, Alfred (Hg.): Ein „jüdischer“ David Ir­ving? Norman G. Finkelstein im Diskurs der Rechten. Erinnerungsabwehr und Antizionismus. Duisburg 2001; Surmann, Rolf (Hg.): Das Finkelstein-Alibi. „Holocaust-Industrie“ und Tätergesellschaft. Köln 2001; Steinberger, Petra (Hg.): Die Finkelstein-De­batte. München; Zürich 2001

[9Horkheimer, Max; Adorno, Theodor W.: Vorwort zu Paul W. Massings „Vorgeschichte des politischen Antisemitismus“, in: Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften Bd. 8. Frankfurt a.M. 1985, S. 126

[10Mitscherlich, Alexander und Margarete: Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens. Frankfurt a. M. u.a. 1970, S. 24

[11ebd., S. 40

[12Diese Kälte gegenüber den Opfern bleibt oftmals nicht auf den Nationalsozialismus beschränkt. Rudolf Burger fiel etwa zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ein: „Kühl betrachtet hatte das ja eine Ästhetik des Erhabenen“, (zit n. profil 52A/1/2001, S. 78)

[13Anders, Günther: Besuch im Hades. Auschwitz und Breslau 1966. Nach „Holocaust“ 1979. München 1985, S. 186

[14Dierk Juelich führt das Trauma der Deutschen (wir können ergänzen: der ÖsterreicherInnen) auf eine narzisstische Kränkung zurück. Am 8. Mai 1945, im Alltagsdiskurs treffend als „Zusammenbruch“ bezeichnet, wurden demnach die TäterInnen und Zu­schauerInnen der Shoah mit der Tatsache konfrontiert, dass die von der antisemitischen „Ideologie verheißende Erlösung nicht ein­getreten war und der Rahmen, der diese Erlösung ermöglichen sollte, ‚zusammenbrach‘“. (Juelich, Dierk: Erlebtes und ererbtes Trau­ma. Von den psychischen Beschädigungen bei den Urhebern der Schoa, in: Schreier, Helmut; Heyl, Matthias (Hg.): „Dass Auschwitz nicht noch einmal sei ...“ Zur Erziehung nach Auschwitz. Hamburg 1995, S. 83-110, hier S. 98)

[15ebd., S. 98

[16ebd., S. 99

[17Adorno, Theodor W.: Erziehung nach Auschwitz, in: Gesammelte Schriften Bd. 10. 2. Frankfurt a. M. 1997, S. 67

[18ders.: Schuld und Abwehr a.a.O., S. 237

[19Burger, Rudolf: Irrtümer der Gedenkpolitik. Ein Plädoyer für das Vergessen, in: Europäische Rundschau, Nr. 2/2001, S. 3- 13; falls nicht anders angegeben, sind alle Zitate Burgers diesem Text entnommen.

[20vgl. z.B.: Claussen, Detlev: Grenzen der Aufklärung. Die gesellschaftliche Genese des modernen Antisemitismus. Frankfurt a. M. 1994; Young, James E.: Beschreiben des Holocaust. Darstellung und Folgen der Interpretation. Frankfurt a. M. 1992; Berg, Nicolas; Jochimsen, Jess; Stiegler, Bernd (Hg.): Shoah. Formen der Erinnerung. Geschichte, Philosophie, Literatur, Kunst. Mün­chen 1996
„Die massenmediale Kultur hat Auschwitz assimiliert. Das zu begreifende Unbegreifliche ist in eine triviale Banalität verwandelt wor­den (...). Die unterschiedlichen Gefühle von Schuld, die durch die massenmediale Konfrontation mit dem Verbrechen ausgelöst wer­den, werden am Bewusstsein vorbei in Sentimentalität verwandelt — eine Form des Kitsches, die der Unterhaltungsindustrie eigen ist.“ (Claussen, Detlev: Die Banalisierung des Bösen. Uber Auschwitz, Alltagsreligion und Gesellschaftstheorie, in: Werz, Micha­el (Hg.): Antisemitismus und Gesellschaft. Zur Diskussion um Auschwitz, Kulturindustrie und Gewalt. Frankfurt a. M. 1995, S. 13) Die Kulturindustrie verwandle „Gewalt in folgenlosen konformistischen Genuß.“ (ebd., S. 14) Der Erfolg der kulturindustriellen Aufbereitung der Shoah hat eine zentrale Ursache im Bedürfnis, sich selbst kein Bild und keinen Begriff machen zu wollen. Durch die Integration des Grauens in den herkömmlichen Erzählfluss verliert dieses seine monströse Einzigartigkeit. Den KonsumentInnen ermöglicht dies, der drohenden grenzenlosen Ohnmacht und Verzweiflung angesichts dieses Grauens auszuweichen.

[21Walser, Martin: Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede. Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1998. Frankfurt a. M. 1998; Brumlik, Micha; Funke, Hajo; Rensmann, Lars: Umkämpftes Vergessen. Walser-Debatte, Holocaust-Mahnmal und neue­re deutsche Geschichtspolitik. Berlin 2000; Dietzsch, Martin; Jäger, Siegfried; Schobert, Alfred (Hg.): Endlich ein normales Volk? Vom rechten Verständnis der Friedenspreis-Rede Martin Walsers. Eine Dokumentation. Duisburg 1999

[22Fenichel betont mit Freud („Massenpsychologie und Ich-Analyse“), „daß wir, wenn wir von massenpsychologischen Phä­nomenen reden, beileibe nicht an mystische ‚Massenseelen‘ zu denken haben, da seelisches Geschehen sich für den Naturwissen­schaftler immer nur im einzelnen Individuum abspielt. (...) Sie (die Massen- oder Sozialpsychologie, Anm. H. S.) unterscheidet sich von der Einzelpsychologie nur dadurch, daß sie die Vorgänge im Einzelnen untersucht, ‚insofern er einer Masse angehört‘. Der Mensch ‚gehört‘ Massen ‚an‘, insofern er mit anderen Individuen jeweils verschiedene Gruppen psychischer Eigenschaften ge­meinsam hat. Solche psychische Eigenschaften, in denen Gruppen von Menschen übereinstimmen, sind Gegenstand der Massenpsychologie.“ (Fenichel, Otto: 119 Rundbriefe. 2 Bde, hrsg. v. Johannes Reichmayr u. Elke Mühlleitner. Frankfurt a. M., Basel 1998, S. 843) Freud selbst schränkte ein: „Den Terminus ‚das Verdrängte‘ gebrauchen wir hier im uneigentlichen Sinn. Es handelt sich um etwas Vergangenes, Verschollenes, Überwundenes im Völkerleben, das wir dem Verdrängten im Seelenleben des Einzelnen gleichzustellen wagen. (...) Es wird uns nicht leicht, die Begriffe der Einzel-Psychologie auf die Psychologie der Masse zu übertragen, und ich glaube nicht, daß wir was erreichen, wenn wir den Begriff eines ‚kollektiven‘ Unbewußten einführen. (...) Wir behelfen uns also vorläufig mit dem Gebrauch von Analogien.“ (Freud, Sigmund: Der Mann Moses und die monotheisti­sche Religion, in: ders.: Gesammelte Werke XVI. Frankfurt a. M. 1999, S. 241)

[23Eine Gruppenbildung ist dann als pathologisch zu bezeichnen, „wenn sie dem ohnmächtigen Individuum vor allem dazu ver­hilft, unsublimierte und uneingeschränkt destruktive Triebenergien abzuführen“. (Simmel, Ernst: Antisemitismus und Massen-Psychopathologie, in: ders. (Hg.): Antisemitismus. Frankfurt a. M. 1993, S. 72)

[24Burger in „kreuz und quer“, ORF 2, 6. 11. 2001

[25vgl. Marin, Bernd: Antisemitismus ohne Antisemiten. Autoritäre Vorurteile und Feindbilder. Frankfurt a. M./New York 2000

[26vgl. zum Begriff: Scheit, Gerhard: Sekundäre Volksgemeinschaft, in: ders.: Die Meister der Krise. Über den Zusammenhang von Vernichtung und Volkswohlstand. Freiburg 2001, S. 93-108

[27Adorno, Theodor W.: Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit a.a.O., S. 555

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Februar
2002
Heft 7-8/2001 — 1/2002, Seite 73
Autor/inn/en:

Alexander Pollak: Alexander Pollak ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsschwerpunkt „Diskurs, Politik, Identität“ der Akademie der Wissenschaften.

Heribert Schiedel:

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