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Gerhard Oberschlick

Nah und fern Günther Nenning

Später Nachruf ohne Kollegenrabatt

Gesprochen an der Tagung „Günther Nenning — Journalist, Schriftsteller und politischer Querdenker“ am 20. Oktober 2018, veranstaltet vom Kulturausschuss der Gemeinde Weidring, wo G.N. zuletzt gelebt und der er seine Bibliothek vermacht hatte. Um diese mit Leben zu erfüllen, konzipiert Helmut Reinalter, Innsbrucker Kulturhistoriker und Verfasser von Standardwerken zu Aufklärung und Freimaurerei, dort diese und andere Veranstaltungen. Die schriftlich vorliegenden Vorträge erscheinen hier zu dem als Nr. 125 der edition PEN im Löcker Verlag 2019 erschienenen Büchlein in angemessenem Respektabstand:

Helmut Reinalter: G.N. — intellektueller und politischer Querdenker
Fritz Hausjell: G.N. — Journalist und Schriftsteller (nicht enthalten)
G.O: Nah und fern G.N.
Roland Girtler: G.N. als „Grüner“ und „Auhirsch“

Auf heftig- bis wütenden Widerspruch gefasst, wurde ich von freundlichst-verständnisvollem Zuspruch der Kulturreferentin von Waidring, Andrea Kogler, überrascht, nachdem meinen Speech schon unmittelbar danach Klaus Reiter so quittiert hatte: „Gratuliere, dass du keinen Weichzeichner verwendet hast.“

I.

Es hat ziemlich lange gedauert, bis wir uns endgültig trennten, es war eine ziemlich spannende, auch ziemlich spannungsreiche Zeit und die Trennung kam nicht von ungefähr. Währenddessen gab es immer wieder ziemlich viel gute Zusammenarbeit, trotz und ungeachtet jener relativ frühen, uns beiden durchaus bewussten inneren Trennung, die wir lange nicht konsequent vollziehen mochten:

Anfang 1970. Er war nach Graz gefahren zu einem ersten Zusammentreffen mit dortigem Volk, das gewillt war, die Auflösung des österreichischen Bundesheeres zu begehren, und ich fuhr ihm nach, in der Tasche die Korrekturfahnen für den vorgeschlagenen Gesetzestext mit den Unterschriftslisten, die er überprüfen und imprimieren, also für den Druck freigeben wollte. Im Forum Stadtpark lief gerade ein wilder Streit über die vorgesehene Grenzschutztruppe, der vor allem die jungen Sozialisten mit ihren Vorbehalten gegen Berufssoldaten keinesfalls zustimmen wollten. Nenning beendete den Streit durch die Mitteilung, Text und Unterschriftsbögen wären in hoher Auflage bereits gedruckt und nicht mehr zu ändern, außer jemand übernähme die Kosten von mehr als hunderttausend Schilling. Wahrlich kein Ruhmesblatt, diese Hintergehung der steirischen Volksbegehrer ohne Widerspruch hingenommen zu haben.

Bei der gemeinsamen Rückfahrt setzten wir uns in der Bahn zusammen, er klärte mich auf, dass die jungen Leute politisch von nichts was verstünden und er sich von denen die Aktion nicht kaputt machen lasse.

Wir setzten uns heftig verbal, dann auch räumlich auseinander und wussten von da an sehr genau, was wir voneinander zu halten hatten: Er würde kraft intellektueller Überlegenheit alle Welt jederzeit zu seinem Vorteil hintergehen und ich würde kein zweites Mal dazu schweigen. An genau dieser Sollbruchstelle trat ein Jahr später der nächste, nun real trennende Riss ganz still auf, aber zunächst blieb es bei einer kaum gestörten Zusammenarbeit. – Ein Idol hatte sich vom Podest gestürzt und sein Ansehen lag in Scherben. Die stets eindrucksvoll vor sich her getragene Forderung nach allgemeiner wie innerparteilicher Demokratie [1] war nicht davon mit entwertet, dass er zu eigenem Vorteil von derlei Verpflichtung sich ausnahm. Allerdings war damit eingestanden, dass er sich für öffentliche Äußerungen von der Verpflichtung auf Wahrheit mit wundersam bestem Gewissen losgemacht hatte – in Verbindung mit dem später zutage getretenen Missverstand von „Dialektik“ und der allgemein menschlichen Gefallsucht eine fatale Mischung, die den Publizisten wie die Person disqualifizierte, unbeschadet aller Erfolge als gefragter Journalist.

Ich halte Dr. Nenning nach wie vor für den Begabtesten von uns drei Herausgebern des FORVM, zuzüglich des befähigten Historikers Michael Siegert, Blattmacher im zweiten Jahrzehnt der Herausgeberschaft Nennings, der ihn mit freundlicher Willkür überherrschte. Von daher rührten, vermute ich, Siegerts Magengeschwüre.

Nenning also der Begabteste: polyglott, belesen, dynamisch. Was ihm fehlte, war nicht Ausbildung oder Begabung und auch nicht Fleiß.

Der erste Herausgeber war ein hochgradiger Literat, Romancier und Polemiker namens Friedrich Torberg. Für dessen Buch „Die zweite Begegnung“ warf Hermann Broch ihm Faulheit vor – nicht, weil er etwa nicht fleißig geschrieben hätte: Torberg habe einen „tadellosen, sauber geschriebenen Roman hingelegt, aber zum Artistischen habe ich Dir zu offenbaren, dass Du ein fauler Hund bist“, schrieb Broch und rügte einen Mangel an „Sublimierung“: Torberg habe oft theoretische Passagen verfasst, statt auch diese in Episoden und Gespräche der Personen aufzulösen. [2] In diesem Sinne war auch Nenning Faulheit vorzuwerfen. Zwar saß oft auch er ganze Nächte am Schreibtisch, trotzdem: Von der Überlegenheit seiner intellektuellen Begabung und unweigerlichen Richtigkeit seiner Einfälle überzeugt, war er, vor allem stilistisch ambitioniert, auf Plausibilität bedacht, pflegte seine Gedanken fein zu ziselieren und verabsäumte dabei, sie mit der gehörigen Skepsis zu prüfen. So hat er sich oft selbst übertölpelt und manche Formulierung vorschnell für wahr genommen, bloß weil sie ihm gefiel. Von seiner intellektuellen Überlegenheit überzeugt, destillierte er aus dieser und dem Unverständnis anderer gar ein leitendes Kriterium seines Denkens:

„Ich möchte sehr genau darauf achten, dass, wenn ich von der Zeit nach der kommenden Sintflut rede, meine Zuhörer stets jene verständnislosen Kulleraugen haben, die mir signalisieren: Du bist auf der richtigen Spur.“ [3]

Diese Maxime war verderblich für die Wahrheitsfindung und mag auch die starrsinnige Unbelehrbarkeit erklären, von der Prof. Reinalter berichtet hat: Wie neuere Erkenntnisse über Andreas Hofer, die Nennings Vorurteilen widersprachen, diesem partout nicht beizubringen waren. Im Selbstbewusstsein des Ausnahmemenschen war eben denkunmöglich, dass irgendwer hätte korrigieren können, was er sich einmal zurechtgelegt hatte.

II.

Unsere Zusammenarbeit zerfiel in mehrere Phasen. Die erste dieser Sequenzen dauerte fünf Jahre. Sie begann 1966 mit einem ergiebigen Nenning-Fotoshooting von Martin Schaub. Dieser dokumentierte ein missglücktes Nenning-Interview, für das ich Peter Heintel, Sohn meines Professors und später in Klagenfurt selbst Univ.-Prof. für Philosophie, gewonnen hatte. Erscheinen sollte beides im Organ der ÖH an der Uni Wien, „en face“, das ich damals redigierte.

Titelblatt vom Dezember 1966
Collage von Friedbert Aspetsberger
aus Fotos von Martin Schaub

Statt des geplanten Interviews schrieb Peter ausführlich eine kritische Rezension [4] von Nennings jüngstem Buch [5], das keine Probleme mit Gott kenne, sondern diesen viele Male so kurzschlüssig wie eloquent als Lösungsmittel für irdische Probleme benütze. Der wenig rühmenden Rezension stellte ich eine Verteidigung, nun nicht des Buches, sondern Nennings voran: Sein Buch enthielt eine hinreißende Kritik der damaligen SPÖ, [6] die in der Folge für die Kündigung des Untermietvertrags der Redaktion des FORVM sorgte. [7] Zudem verstrickte der neue Parteivorsitzende, Kreisky, Nenning in eine unübersichtliche, für die Existenz der Zeitschrift bedrohliche Auseinandersetzung. Als auch Nennings nachträglich harsche Kritik am vorherigen Parteivorsitzenden, Pittermann, [8] nichts half, musste die Redaktion übersiedeln. Ähnlichen Anstoß nahm die ÖVP-eigene Studentenfraktion an der ausführlichen Befassung mit sozialistischen Themen in „en face“: Nach der nächsten Ausgabe wurde es ersatzlos eingestellt und der Vorsitzende der ÖH an der Uni Wien, Raimund Neuwirther, der die Redaktion aus unerfindlichen Gründen einem Fraktionsfernen, mir, übertragen hatte, wurde vorzeitig abgelöst.

Weitere Folgen für mich: Wachsende Nähe, nicht mehr nur als Leser, zu FORVM und Nenning. Skeptische Beobachtung der frisch aus Marienbad importierten Paulusgesellschaft mit ihrer Bestrebung einer Rekatholisierung; ebensolche Beobachtung der Gründung ihrer Jugendsektion (unter meiner Mitwirkung später umgegründet zum „Kritischen Klub“). Nach Abgang mit Protest von der Universität Eintritt ins FORVM, organisatorische Mitwirkung am Volksbegehren zur Auflösung des Bundesheeres sowie marginale Mitarbeit an der Zeitschrift und Teilnahme an der Gründung der österreichischen Sektion von Amnesty International.

Anfang der Neunziger, nach unserer letzten heftigen Auseinandersetzung und als der Staub sich einigermaßen wieder gelegt hatte, kam er einmal herein: „Du, wirst Du einmal meine Grabrede halten?“ Ich wusste nicht, wie mir geschah, aber er war immer schnell versöhnlich und wollte nie nachtragen, was er einem angetan hatte. Ich sagte: „Das wirst Du dort nicht hören wollen, was ich über Dich sagen müsste.“ Mutwillig war ich dann nicht beim Begräbnis, aber mehrere Nachrufe las ich. Die zwei ausführlichsten waren von Hans Dichand, den ich aus unüberwindlicher Abneigung beiseite lasse; der zweite, von Erhard Stackl, war sehr gut, ist aber gleichfalls für hier zu lang. Ich zitiere zwei kurze Meldungen, zuerst aus dem Teletext des ORF, [9] der ist immerhin zu Objektivität verpflichtet:

Dass er „in die Deutsche Wehrmacht eingezogen“ worden wäre, widersprach seiner eigenen mündlichen Mitteilung im Interview für eine rechtsextreme Zeitschrift, zu deren Lesern der Verfasser des Teletextes offenbar nicht gehörte. Uns hatte Nenning immer gesagt, er könne sich an nichts erinnern. Nach einem seiner Vorträge sei einer auf ihn zu gekommen und habe gesagt: „Wir waren miteinander im Krieg, weißt Du noch?“ Und er habe sich überhaupt nicht erinnern können, nicht an den Mann und nicht an Ereignisse im Kriege. Viel später, als wir schon sehr weit auseinander waren und gegenüber dieser rechtsextremen Zeitschrift wusste er, erstmals und für deren Zielpublikum goldrichtig, hervorzukehren, dass er zum Dienst in der Deutschen Wehrmacht freiwillig sich gemeldet hatte.

Weiter im Teletext: [10]

Viel mehr kann in einem Satz kaum falsch sein, selbst abgesehen von der Schreibweise des Namens unserer Zeitschrift. Wahr ist vielmehr, dass er das FORVM von Torberg 1966 übernommen und auf dessen Verlangen bis 1979 als NEUES FORVM fortgeführt hatte. Sofort nach Torbergs Tod beeilte er sich, es wieder in FORVM zurück umzubenennen, um es in wechselnden Rechtsformen noch bis Mai 1986 zu beherrschen. Danach gab ich es heraus, bis ich Ende 1995 betrübt einstellen musste.

Eine zweite erhellende Todesmeldung stand im „Spiegel“. Zu keiner Objektivität verpflichtet, hat das deutsche Nachrichtenmagazin die Tendenz, österreichische Themen verniedlichend zu ironisieren. Aber Nenning hatte auch im „Spiegel“ geschrieben und man durfte immerhin annehmen, dass der bei seinem Gastautor einigermaßen fair bleiben werde. Es war eine sehr kurze Notiz, die entscheidende Passage umfasst beinahe ein Drittel: [11]

Interessant: „hatte in den Sechzigern das ,Neue FORVM‘ gegründet“, woher der „Spiegel“ das hatte? Zum Glück wusste ich’s und musste mich nicht viel darüber wundern: Auf einem Blatt, von Günther Nenning selbst verfasst, stand unter anderem zu lesen, er wäre „Gründer des Neuen FORVMs“ gewesen oder gar „des FORVMs“, das weiß ich nicht mehr so genau. Es war das Manuskript für eines dieser Prominenten-Lexika, ähnlich dem „Who’s Who“, aber von der Sorte, wo man dafür zahlt, damit man darin vorkommt. Das hatte er, ohnehin berühmte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, zwar nicht nötig, aber es war ihm offenbar wichtig genug, auch im Kreis dieser Bezahlprominenz genannt zu sein. Inhaltlich hatte er die Zeitschrift ja in der Tat gewissermaßen umgegründet und nicht zufällig sagte Torberg irgendwann: „Das NEUE FORVM ist diejenige Zeitschrift, gegen die ich das alte gegründet habe.“ Trotzdem war diese Angabe in der Todesnachricht des Spiegel einfach falsch: Das FORVM wurde schon 1954 gegründet und 1966 nur in NEUES FORVM umbenannt. Daraus können wir lernen, bei Nennings Selbstaussagen Vorsicht zu üben und auch bei anderen fälschlichen Zuschreibungen seine Urheberschaft für möglich, wenn nicht wahrscheinlich zu halten. So zweifle ich nicht, dass jenes irrtümliche Detail im heutigen Tagungsprogramm, er wäre Vorsitzender von „Amnesty International“ gewesen, auf ihn selbst zurückgeht. Wahr ist nämlich vielmehr, dass die Gründungsversammlung von Amnesty Österreich 1970 in den Räumen der Redaktion Dita Nenning zur Vorsitzenden wählte, die ich als Günther Nennings routiniert hintergangene, charmante Ehefrau kennengelernt hatte und als weltklugen, sozialpsychologischen Kopf mit sympathischen Ansichten schätzte. Schade, dass wir uns in den bald folgenden FORVM-fernen Jahren aus den Augen verloren. – Siehe die RepräsentantInnen der „Groups and National Sections“ in: Amnesty International Annual Report 1969-70, S. 26: [12]

III.

Zwei Studentinnen unseres Professors Hausjell haben für eine Seminararbeit über Nenning ihm und mir einige Fragen vorgelegt, ihm unter anderen diese:

Alice Zettl: „Wie kam es, dass Sie 1958 von der ,Neuen Zeit‘ zum ,Forum‘ wechselten? Welche Rolle spielte Friedrich Torberg bei dieser Entscheidung?“

Günther Nenning: „Torberg holte mich.“ [13]

Ja, so kann man’s auch sagen, wenn es auf Wahrheit nicht ankommt und sie zumal kompliziert ist: Aus Graz hatte ihn eigentlich die SPÖ geholt, ob Pitterman persönlich, wie Nenning gern erzählt hat, oder die Granden es beschlossen hatten und dann der Bildungssekretär ihn holte, ist ja einerlei. Jedenfalls sollte er die Redaktion des „Heute“, einer Intellektuellenzeitschrift der SPÖ, übernehmen. Deshalb übersiedelte Nenning nach Wien, dafür bekam er die Wohnung in der Boschstraße hinter dem Karl-Marx-Hof. Viel später, 1966, erzählte mir Karl Waldbrunner (damals Zweiter Präsident des Nationalrates, davor Minister der staatlichen Industrie), den ich nach seinem Vortrag in unserem Studentenheim auf den existenzbedrohenden Konflikt angesprach: Nenning hätte ja das „Heute“ übernehmen sollen, aber dann hat er uns im FORVM derart beschimpft, dass wir gesagt haben: Da stellen wir es eher ein, soll er doch gleich im FORVM weitermachen statt bei uns. – Ob Nenning sich dann bei Torberg bewarb, ob Torberg an Nenning herantrat, weil er erfahren hatte, dass dieser zu haben war, oder ob Kreisky, der als prominenter Autor des FORVM mit Torberg und mehr noch mit dessen damals schon ehemaligen ersten Frau Marietta eine enge Freundschaft pflegte, dem Nenning eine Rutsche zu Torberg gelegt hat, wird sich kaum mehr klären lassen. Jedenfalls trat Nenning am 1. Februar 1958 in die Redaktion ein. Mitherausgeber war er lange Zeit bestenfalls informell, denn bis Ende 1961 firmierte als Herausgeber die Schriften zur Zeit Ges.m.b.H. und selbst Torberg schien in dieser Funktion erstmals im Jänner 1962 auf. Der war aber jedenfalls sehr froh, einen garantiert antikommunistischen, nicht konservativen, sondern Roten zu bekommen, der sogar ein gestandener Journalist war. Torberg selbst, Remigrant aus den USA und geeichter McCarthyaner, war ein Kommunistenfresser geblieben, dessen Blattlinie mit der Politik der CIA, die das FORVM gegründet hatte und über den Kongress für die Freiheit der Kultur in Paris finanzierte, kollidieren musste. Denn die Agency wollte freie Zeitschriften für Kultur und Politik aufbauen, in denen alle schreiben durften, was sie dachten. Der U.S.-Auslandsgeheimdienst meinte: In so freier Atmosphäre werde niemand zum Kommunismus abrutschen, weil die besseren Argumente der Demokratie zweifellos sich durchsetzen würden. Torberg dagegen denunzierte mit Gusto alle, die sich für seinen Geschmack nicht genügend antikommunistisch gebärden wollten, als „Fellow Traveler“, Mitläufer der Stalin-KP. An den Chefstrategen des Kongress, Melvin Lasky, damals Herausgeber des „Monat“ in Frankfurt, später des „Encounter“ in London, schrieb Torberg zum Beispiel, er solle von Hilde Spiel, die eine Freundin der Kommunisten sei, keine Beiträge mehr annehmen.

Die erwähnte Beschimpfung der SPÖ, die bei den Parteigranden damals so ungnädig aufgenommen wurde, will ich ein bisschen vorzeigen, denn dort sehen wir eine erste, bereits sehr entschiedene Variante von Nennings Parteienskepsis.

Es war nach der Bundespräsidentenwahl von 1957. Angetreten waren ein angesehener Chirurg namens Wolfgang Denk und der Jurist Adolf Schärf, seit 1945 Parteivorsitzender der SPÖ, der die Wahl gewann, obwohl Denk, angeblich kein Mitglied der ÖVP, aber von dieser aufgestellt, sich als unparteiischer Kandidat präsentiert hatte. Der hochkarätige Parteisoldat Schärf wiederum wurde gewählt, obwohl die Bevölkerung mehrheitlich schwarz oder noch reaktionärer war. Dieses Wahlergebnis entsprach ganz der Tradition: Bis dahin waren alle Bundeskanzler Schwarze, alle Bundespräsidenten Rote. Das erklärte man allgemein damit, dass die Bevölkerung ein Gleichgewicht der Kräfte wollte. Nenning aber meinte, der Wähler wolle eben eine echte Überparteilichkeit statt einer bloß vorgeblichen wie diejenige des Dr. Denk, und er schrieb, auch zwei der prominentesten Journalisten, Claus Gatterer aus dem konservativen Lager und Franz Kreuzer aus dem roten, seien wie er gegen diese „Balance der kleineren Übel“ und für echte Überparteilichkeit. Gegen das fade „Gesetz des Gleichgewichts“ propagierte Nenning das Modell Alleinregierung – Trommelwirbel, wilde Attacke: [14]

Das mussten seine Partei und der Parteichef sich sagen lassen, dass sie einen Klub von Postenjägern herangezogen hatten. In der eigenen Zeitschrift wollten sie derlei lieber nicht wieder lesen müssen. Großzügig habe Pittermann, erzählte Nenning, noch gesagt: „Die Wohnung hast jetzt schon, die kannst behalten.“ – Doch nun, da geklärt ist, was ihn aus Graz nach Wien geführt hatte, und nicht geklärt werden kann, wie es genau zu seiner Anstellung beim FORVM gekommen war, zurück zu den Fragen der Studentin: [15]

Alice Zettl: „Wie haben Sie das FORVM beeinflusst und was haben Sie verändert?“

Nenning: „Ich schob das FORVM nach links.“ – Antwort nachweislich richtig.

Alice Zettl: „Warum änderten Sie den Titel in ,Neues FORVM‘“?

Nenning: „Siehe vorige Frage.“ – Antwort nachweislich falsch.

Er war, unter anderem, ein Meister des lakonischen Witzes; Sprachkünstler auch sonst; Magier und Illusionskünstler, der mit Wörtern jonglierte. Später kommen wir noch auf ein heftigeres Beispiel seiner schwarzen Wortkunst zu sprechen. Jedenfalls stimmt, dass er das FORVM nach links schob, aber den Titel der Zeitschrift änderte er nicht aus dem selben Grund. Sondern bei der Übergabe für einen symbolischen Schilling hatte Torberg sich ausbedungen, dass der Titel geändert werde: FORVM sollte der Name allein seines Blattes bleiben. Wenn er es dem Jüngeren schon gratis übergab, sollte es wenigstens unter geändertem Titel erscheinen: „Neues“ dem alten Namen FORVM voranzustellen, tat Torbergs Verlangen nach Differenzierung Genüge. Nur deshalb wurde der Titel geändert. Nach Erscheinen von Nennings erster Ausgabe unter dem Titel NEUES FORVM verlangte Torberg noch etwas, das nicht vereinbart war: Nenning solle die Bezeichnung „P.S.“, wie Torberg seine vermischten Glossen seit der Gründung genannt hatte, nicht gleichfalls verwenden. „P.S.“ – Postscriptum, Nachschrift, Nachsatz, nachträglicher Kommentar zu allerlei und irgendwas – waren meist sehr kurze, sehr witzige, sehr lakonische, sehr oft sehr aggressive polemische Glossen, die ihre Opfer oft geradezu zerstörten. Torbergs Wüten gegen alles, was ihm gerade nicht passte und besonders gegen alles, was ihm des Kommunismus verdächtig schien, setzte Nenning nicht fort. Wenn er sich heftig angegriffen sah, konnte auch er durchaus heftig werden, aber selbst dann sollte es nicht bösartig wirken, sondern witzig überlegen. Diese Wortmarke „P.S.“ wollte Torberg nachträglich untersagen? Über solche Kleinigkeiten mochte Nenning nicht streiten und nannte seine Glossen hinfort „N.B.“, Nota Bene – apropos, nebenbei bemerkt, dazu wäre zu sagen, trefflich will ich bemerken – so oder ähnlich war „N.B.“ zu verstehen, also kaum anders als zuvor das „P.S.“

IV.

Schon im zweiten Heft, an dem er als Redakteur mitwirkte, startete er eine ganz andere Aktion, nun nicht das FORVM „nach links“, sondern die SPÖ ins Christentum „zu schieben“, genauer: zu einem Einvernehmen mit der katholischen Kirche zu bewegen. [16]

Nun möchte ich etwas Privates einflechten und dieses ganz kurz einleiten. Als ich die Frage, ob ich an seinem Grab sprechen würde, abschlägig beschied, dachte ich bei mir: Ich werde doch nicht hingehen und dort entweder lügen oder mit der ungeschminkten Wahrheit Leute kränken, die dort den Vater betrauern oder ihm sonstwie nahestanden. Das tut nicht gut. Andererseits: Wenn ich was sage, dann werde ich mir kein Blatt vor den Mund nehmen, und das ist halt jetzt leider der Fall. Zunächst hatte ich ein bisschen versucht, mich auch davor zu drücken. Ursprünglich war Adolf Holl für das Thema „Nenning und das Christentum“ vorgesehen, eine sehr gute Wahl, er ist jedoch durch seinen gegenwärtigen Zustand verhindert. Adolf Holl wurde von Kardinal König die Ausübung des Priesteramtes verboten. Er darf die Messe nicht mehr lesen, und nicht nur öffentlich, nicht einmal alleine darf er sie feiern; beten ja, das darf er. Er darf nicht mehr unterrichten… (Stimme aus dem Publikum: „Venia legendi?“) – Holls Venia war an die katholische Fakultät gebunden, und bei der ist für das Lehrpersonal durch Konkordat festgelegt, dass es von der Kirche zumindest approbiert sein muss. Ob sie’s auch entziehen kann, weiß ich nicht genau. (Stimme aus dem Publikum: „Ist getan worden, zum Beispiel Hans Küng in Tübingen.“) – Ah ja, danke. Also, ob Holl dann noch irgendwo sonst gelesen hat, weiß ich gar nicht, jedenfalls hat er sich auf Schriftstellerei verlegt. Sein Buch, [17] das diesen kirchlichen Unmut erregte, mischte nicht nur den mitdenkenden Teil des österreichischen Katholizismus hübsch auf, es entwickelte sich auch zum höchst erfolgreichen Bestseller. Nenning trat damals publizistisch für Holl ein, sauber und mit Verve wie kaum jemand sonst. Immer trat er für Meinungsfreiheit ein, eben auch für die Meinungsfreiheit dieses Priesters – streng genommen war das bereits Ketzerei, weil Missachtung der katholisch geregelten Hierarchie und deren Anspruch auf Gehorsam; ganz so ernst hatte er den Katholizismus, zu dem er übergetreten war, halt doch nicht genommen.

(Leopold Nenning, Günthers erstgeborener leiblicher Sohn, wandte in der Diskussion ungefähr ein: Sein Vater sei zur Zeit der Konversion ein erwachsener, reifer Mann gewesen, er habe diesen Schritt bestimmt nicht leichthin, sondern gläubig getan. – Das hat er Deiner Mutter zuliebe getan, Leopold, sagte ich, und weil der genaue Wortlaut meiner damaligen Antwort nicht mehr zu rekonstruieren war, ist das Folgende später, hoffentlich inhaltsidentisch, neu formuliert. In Waidring sagte Leopold: „Gute Erklärung“.)

Die Umstände der vorgeblich aus Überzeugung vollzogenen Konversion bewiesen seine Verachtung der Katholizität eher noch mehr als der Fall Holl: Um seiner Frau, die einen Sohn aus erster Ehe mitbrachte, den Wunsch nach einer kirchlichen Trauung, die ihm selbst nicht so wichtig gewesen sei, auch für die Ehe mit ihm zu erfüllen, musste das Kirchengericht, die Rota, betrogen werden: Die erste Ehe Ditas sei nie vollzogen worden und des während dieser Ehe geborenen Kindes leiblicher Vater wäre in Wahrheit der aktuelle Bräutigam DDr. Nenning. Die nicht konsumierte Ehe der Dita wurde annulliert, als konsumierte wäre sie ja unauflöslich gewesen.

Zurück zu Holl: Nenning war auch Gründer vieler Vereine und Zeitschriften. Eine davon enstand in Zusammenhang mit seinem mannhaften Eintreten für Holl, weil auch andere suspendierte Priester kamen, insbesondere solche, die den Zölibat aufgegeben hatten, um zu heiraten; weniger, um in wilder Ehe zu leben wie Holl, dem eine formelle Eheschließung nicht so wichtig war wie anderen, die verheiratet weiterhin Priester sein wollten. Warum auch nicht, der liebe Gott stößt sich ja bei den Altkatholiken, Griechisch-Orthodoxen und Evangelischen auch nicht erkennbar daran. Sie bildeten also eine Art Selbsthilfegruppe, schrieben und tauschten ihre Papers untereinander. Auf Anregung Nennings und mit seiner Hilfe gründeten sie also eine Zeitschrift mit dem Titel „Freier Informationsdienst für priesterliche Solidarität“, abgekürzt: FIPS. Eine andere seiner humorigen Abkürzungen war GAGPUM für die „Gewerkschaftliche Arbeitsgruppe Presse und Medien“.

Er lökte also gegen den Stachel der strikten Observanz, wie die Freimaurer sagen, aber der strikten Observanz des Katholizismus... (Prof. Reinalter hilft aus: „Im katholischen Raum gibt’s das auch, einen katholischen Orden!“) – Opus, ja. Wider den Stachel der katholischen Dogmatik lökend, wollte er andererseits SPÖ und katholische Kirche unbedingt in gedeihliche Verbindung bringen. Zu diesem Zweck sollten beide ihre Prinzipien ein wenig niedriger hängen. Das liest sich [18] so:

„Die Spannungen zwischen Sozialismus und katholischer Kirche beginnen nachzulassen.“ – Er formuliert als Diagnose, was er gerne möchte, und behauptete suggestiv, es wäre bereits im Werden. Der Diagnostiker hat sich in einen Propheten verwandelt und formuliert seinen Wunsch als Prognose: „Über kurz oder lang wird der Sozialist sehen, dass Religion für ihn nicht Privatsache sein kann, weil die Religion eine gewaltige Kraft in der menschlichen Gesellschaft ist.“ Damit verlässt er die Grundregel der Aufklärung, mühevoll durchgesetzt unter Lebensgefahr in zähen Kämpfen gegen Inquisition und bigotten Adel, wonach Religion Privatsache zu sein hat und genau nichts staatlich Öffentliches sein darf. „Privatsache“ heißt nicht, dass die Gläubigen ihre Religionen je allein für sich im Kämmerlein ausüben sollten, nein: Sie dürfen sich durchaus zu gemeinsamen Riten versammeln. Das begründet jedoch keine Öffentlichkeit, sondern bleibt die gemeinschaftliche Privatsache von Privaten. Nenning aber schrieb: „...kann nicht Privatsache sein“, was die Entsäkularisierung des Raumes weltlicher Staatsbürgerschaft bedeutet, also rückgängig machen würde, was nach der ersten Republik nicht ohne Mithilfe des deutschen Faschismus halbwegs erreicht war: dass der politische Katholizismus seine staatsbeherrschende Rolle aufgeben musste.

Ganz fort war er ja doch nicht, denn natürlich hielten die Pfarrer auf dem Lande politische Predigten von den Kanzeln und in Sachen Abtreibung haben sie wahrscheinlich nie damit aufgehört; muss man ja auch verstehen, dass sie ihre Anliegen vertreten, und wo die staatliche Regelung gegen das steht, was sie für göttliches Recht halten, dieses im privatöffentlichen Rahmen des kirchlichen Raumes verkünden. Ihr politischer Arm, die ÖVP, vertrat die selben Forderungen, aber eben nicht mehr als Katholizismus und Kirche, sondern als politische Partei, die aus teils christlichen Gründen, teils zur Wahrung der Interessen ihrer tragenden Schichten ein weitgehend anderes Menschenbild und andere Vorstellungen fürs Straf-, Familien-, Sozial- und Steuerrecht vertritt, als die Sozialdemokratie bzw. deren noch nicht von Blair, Schröder, Gusenbauer völlig verdorbenen Teile.

Kernsätze dieses ersten missionarischen Artikels von Nenning: „Ein Sozialist kann Katholik und Christ sein. Er anerkennt dann außer jener vorletzten Plattform auch noch jene letzte und höchste.“ – Die vorletzte Plattform meinte Humanismus, Solidarität, Menschenfreundlichkeit, Eintreten für die Armen etc. Und „jene letzte und höchste“ Plattform war Gott, wer oder was sonst. Seine Gegenrechnung:

„Ein Katholik und Christ kann Sozialist sein, denn der Sozialismus respektiert den christlichen Höchstwert und hat die zweithöchste Wertstufe mit dem Christentum gemeinsam. Ein Katholik und Christ kann kein radikaler und orthodoxer Marxist sein, weil sein Wertsystem mit Materialismus und Atheismus unvereinbar ist. Wohl aber kann er zur Kenntnis nehmen, dass die Entwicklung des westlichen Denkens die beiden zeitbedingten Komponenten der Marxschen Lehre – Materialismus und Atheismus – allmählich ausgeschieden und andererseits bedeutende Teile dieser Lehre auf historischem, soziologischem und nationalökonomischem Gebiet absorbiert hat.“

Damit sagte er: Marxismus = Materialismus + Atheismus, also überholt, zudem seien die Sozialisten eh schon keine richtigen Marxisten mehr. Die Katholiken könnten sich daher ganz gut mit den Sozialisten verbünden. Das war sein erster mir bekannter Vorstoß in die Richtung dieses Wegdrängens, Anstoßens, Anstreifens, von der Straße... (Prof. Hausjell hilft aus: „Entlangschrammen“) – Ja, danke! Er hätte vielleicht gesagt: um die Sozialisten aus der Nebenstraße in die Hauptstraße zur lichten Zukunft zu leiten. Doch zurück zum ersten der zitierten Sätze dieses Artikels:

„Die Spannungen zwischen Sozialismus und Christentum beginnen nachzulassen. Über kurz oder lang wird der Sozialist sehen, dass Religion für ihn nicht Privatsache sein kann, weil...“ – und nochmals die Begründung, die jetzt zu besprechen sein wird:

„...weil die Religion eine gewaltige Kraft in der menschlichen Gesellschaft ist.“ – Religion könne nicht Privatsache sein, weil sie gewaltige Kraft sei: Das heißt ja, dass die ganze Aufklärung nie hätte anfangen dürfen, denn davor war die Religion noch eine ganz anders „gewaltige Kraft in der menschlichen Gesellschaft“, die Inquisition noch ungebrochen und wer von einer Privatsache Religion redete oder von Säkularisierung, der wurde gern zu Scheiterhaufen verbracht, unter der Folter oder sonstwie dem ewigen Leben im höllischen Feuer zugeführt. Nutznießer der Aufklärung wie wir alle, propagierte er nun pragmatisch eine opportunistische Unterwerfung unter die kirchliche Restmacht; mit der listigen Überlegung: Die sind so stark (Klammer auf: und diese ewigen Konflikte stehen sich nicht dafür. Schließlich wollen wir die Mehrheit bei Wahlen, und dafür brauchen wir nun einmal auch Katholiken und den Segen des Klerus, Klammer zu), also wollen wir diese gewaltige Kraft nicht reizen, indem wir etwa an Aufklärung festhalten, sondern lassen wir nach in der politisch wenig nahrhaften Genauigkeit des Denkens und dessen pedantischen Hochhaltung der alten, realpolitisch unergiebigen Prinzipien.

Diese Denkungsart ist heute in zeitgemäßer Form wieder im Schwange: als Unterwerfung unter die technologisch induzierte Modernisierung, gegen deren böse sozialen Folgen Dallinger gut sozialistisch vorschlug, diejenigen, die Arbeit und Brot wegen der Rationalierung verlieren, aus den Mitteln einer Maschinensteuer durchzufüttern. Heute gehen verwandte Überlegungen in die Richtung eines bedingungslosen Grundeinkommens, damit die drohende Zweidrittel-, Halb- oder Drittelgesellschaft nicht entstehen soll, wo ein wachsend als unnötig abgeschriebener Rest in Armut fallen und verkommen müsste. Gut.

Kreisky, ohne selbst religiös zu werden, hat die Annäherung der SPÖ zur Kirche später tatsächlich vollzogen, zumindest politisch in Form seines Pakts mit Kardinal König – ob direkt von Nenning beeinflusst oder indirekt vom Zeitgeist, dessen Witterung Nenning frühzeitig aufgenommen hatte. [19] Die Sozialdemokratie hat sich erfolgreich selbst vom Weg der Volksaufklärung abgedrängt und sogar Spitzenfunktionäre folgen in der Schäflein Herde bei Prozessionen gern dem Himmel.

Um kein ganz falsches Bild des Intellektuellen Nenning abzuliefern, ist zu sagen, dass er nicht immer so halbschlächtig war wie in den meisten Artikeln, die bloß zu überreden suchten. Ganz anders eine vorzügliche biographische Arbeit, die auf knapp 200 Seiten nicht nur die äußere Biographie, sondern den intellektuellen und wissenschaftlichen Werdegang von Carl Grünberg darstellt [20] und ahnen lässt, wozu ihn seine Begabungen positiv befähigt hätten.

V.

Während das Bundesheer-Volksbegehren lief und das FORVM ungeahnte Auflagenhöhen erklettern durfte, lag es plötzlich finanziell darnieder, weil zwar große Teile der SPÖ das Volksbegehren mit Sympathie betrachteten und gar mitmachten, die Partei aber in der Befürchtung, dass es ihr schaden könnte, die finanziellen Verbindungen kappte. Serienweise fielen Inserenten aus: die verstaatlichten Unternehmen und roten Versicherungen sowieso, dazu fast alle, die im FORVM Imagewerbung geschaltet hatten. Produktwerbung kam ohnehin nur für die Verlage der besseren Bücher in Frage, die sind geblieben. In dieser Situation kündigte Nenning alle Angestellten der Verwaltung und Redaktion.

Damals rief zufällig eine alte Freundin aus Klagenfurt an: Der Manager von Gulda liegt mit Herzinfarkt, kannst du helfen kommen? Das Musikforum Ossiachersee geht bald los und es ist noch so viel zu tun. Sie war dort Sekretärin und ich war zwei Tage später dort. In meiner Abwesenheit und ohne mein Wissen stellte Nenning die Verwaltungsangestellten alle wieder an, die Buchhalterinnen, den Vertriebsmann, beide Sekretärinnen. Mit den Stammautoren, die anderwärts kaum publizieren konnten, schloss er Werkverträge – nicht völlig unvertretbar, sie schrieben ja bei sich daheim. Die Härte dieser Regelung würde erst fühlbar werden, wenn anrechenbare Zeiten für die Alterspensionen fehlten. Nur ich war restlos ausgeschieden. Später, als er mich für die Verlagsleitung wieder geholt hatte, erzählte der stellvertretende Generaldirektor der Girozentrale Theoderich Mellich: „Nenning ist herumgegangen und hat gesagt: ,Der Wilde vom Volksbegehren ist jetzt weg, jetzt könnt’s dem FORVM wieder ein Geld geben.‘“

Aber diese Grünberg-Biographie ist wirklich gut. Sein letzter mir bekannter Qualitätstext war der Nachruf auf Herbert Marcuse aus dem Jahr 1979, in dem auch Torberg starb und Nenning zum Titel FORVM zurückkehren durfte.

VI.

Nach dem katholischen Betrug kommen wir zu einem nächsten schweren Sündenfall, der eigentlich Beginn einer Serie und zunächst mehr pekuniär war, aber wenig später auch politisch ausarten sollte.

Arbeitsam fleissig und polyglott, sprach Nenning mehrere Sprachen ganz gut und noch besser konnte er sie lesen: Weltblätter wie „Le Monde“ und „Nouvel Observateur“ oder „Ramparts“ und „Herald Tribune“. Was in Frankreich linksliberal war, galt hierzulande als linksradikal. „Ramparts“ war auch für USA linksradikal, aber das war dort bald was. Er las viel, manches übersetzte er, um es als Beitrag im FORVM zu bringen, Artikel z. B. von Sartre aus „Nouvel Observateur“ und „Les Temps Modernes“, oder er wertete Texte für außenpolitische Kommentare aus, die immer mit originellen Gesichtspunkten glänzten. Diese ganz solide Arbeit weckte bei Lingens, damals Herausgeber des „profil“, Begehrlichkeiten: Er lud Nenning ein, außenpolitische Beiträge wie im FORVM für sein Blatt zu schreiben, in „profil“-gemäßer Kürze, versteht sich.

So kam es, dass Nenning seine Werke doppelt verwerten konnte: Im Wochenmagazin erschienen kurze, spritzige Kommentare, und die nächste Ausgabe unserer gemäßigten Monatszeitschrift enthielt eine nachgeschobene Langfassung, die außer lang auch reichlich nachgeschoben wirkte. Das, sagte ich, geht gar nicht: Diese fortgesetzte Untreuehandlung des verdeckten Eigentümers, offiziellen Geschäftsführers und prominentesten Autors schädigt das FORVM ganz empfindlich. Er: „Des geht di nix an, mir g’hört des.“

Lingens zahlte ihm – bei meistens ein bis zwei Seiten pro Ausgabe, viel länger sollten die Beiträge wohl nicht werden – pro Druckseite 9.000 Schilling, damals nicht nur für mein Gefühl fürstlich; wöchentlich, da kam übers Jahr schon einiges zusammen. Dann erschien von Lingens ein denkwürdiger Text, als ein Kommando der Roten Armee Fraktion die deutsche Botschaft in Stockholm besetzt und Geiseln genommen hatte, um inhaftierte Mitglieder der RAF freizupressen. Derlei Versuche wären zu verhindern, schrieb Lingens: [21]

Im Blätterwald große Erregung, dass Lingens mit seinem sonst so bedachten, Für und Wider penibel abwägenden Pochen auf „Anständigkeit“ plötzlich mit der Todesstrafe fuchtelte, dazu noch mit diesem rechtlich mehr als fragwürdigen standrechtlichen Verfahren, das von der Geschichte des deutschen wie des Austrofaschismus fatal vorbelastet ist.

Lingens versuchte, die öffentliche Entrüstung im „profil“ durch eine Doppelkonference mit Nenning abzufangen. Selbst schrieb er gegen den Anti-Todesstrafen-Affekt und schwächte seine forsche Missachtung des Rechts auf Leben [22] ein wenig ab, ohne freilich im Prinzip davon abzurücken; [23] und Nenning attestierte in der Kolumne daneben, Lingens stehe „über jedem Verdacht Nazi zu sein, alter oder neuer“, bedauernd, dass Lingens, der Liberale, nun in den Armen Gerd Bachers liege. [24] Bacher verwahrte sich brieflich sofort: er habe in seinem „journalistischen Leben nie für, sondern ausnahmslos gegen die Todesstrafe geschrieben.“ [25] Um die Vorwürfe gegen Lingens ein wenig zu mildern, hatte Nenning diesen in die Nähe eines populären Prominenten gerückt und ihn, der sich gerade im relativen Nichts zwischen der ersten und zweiten seiner drei Perioden als ORF-Generalintendant befand, diffamiert. [26] Aber was hätte er tun sollen? Sagen, das gehe ihn nichts an und Lingens solle die Suppe allein löffeln? Konnte er so undankbar sein, einen substantiellen Bestandteil seines Einkommens zu gefährden? Nein, sondern er musste für seine 9.000 Schilling pro Druckseite in Kauf nehmen, mit einem weiteren Stück seines Ansehens, das ohnedies schon allerhand Kratzer hatte, zu bezahlen.

Als etwa Kreisky ihn einen „Wurschtel“ nannte, war er für Kreiskys Anhänger nicht mehr ganz ernst zu nehmen. Nenning mit seinem Sinn für den Eklat hielt so etwas bald locker aus, wenn er es nicht mit der Zeit sogar genoss, seine Eklats bewusst herbeizuführen, um sieghaft daraus hervorzugehen, weil blöde Angriffe in den Augen seines Zielpublikums, vor dem er gewöhnlich gut dazustehen verstand, an ihm abprallen mussten. Mit dem Fall Lingens begann er, auch den intellektuelleren Teil des Publikums aufzugeben. Das setzte sich wegen einer gewissen Anschmiegsamkeit an Haider fort und verstärkte sich wegen der Kooperation mit Dichand und Falk in Sachen Hainburg, als er hinter dem Rücken der damals entstehenden Grünen zunächst 700.000 Schilling für das Volksbegehren, dann 2 Jahre lang 96.000 monatlich für seinen Büro- und Redaktionsbetrieb sich zuwenden ließ. [27] Als er zuletzt zum Parallel- und Nachfolgeautor des Staberl der „Krone“ mutierte, gab der intellektuellere Teil des Publikums, seine früheren Stammleser, ihn schließlich auf.

Prof. Reinalter gibt zu erkennen, dass es an der Zeit ist, ein Ende zu finden.

VII.

Eines möchte ich gerne noch durchsetzen…

Prof. Reinalter: „Es ist schon über eine Stunde, der Kollege Girtler will auch noch referieren.“ –

Prof. Girtler: „Na, na, i muaß nit...“ (Heiterkeit im Publikum.) –

...Ich möchte den Vortrag von Kollegen Girtler keinesfalls missen, aber diese Sache muss unbedingt noch auf den Tisch, wo sein Hauptthema nicht mehr die Verbindung von Katholizismus und Sozialismus war, sondern die Verbindung von Nationalismus und Sozialismus. Weil der ORF einen Club 2 mit der Galionsfigur der rechtsextremen Republikaner in Bayern, dem ehemaligen SS-Mann Franz Schönhuber, abgelehnt hatte, moderierte Nenning am 24. März 1988 für „Spiegel-TV“ einen Ersatz-Club 2 auf den exterritorial gedachten Planken eines Bodensee-Schiffes. Beim Frühstück erprobte er vor der Crew als Publikum, wie eine Provokation dieses Zuschnitts wohl ankam:

„Nation ist gut. Sozialismus ist gut. Warum soll denn dann der Nationalsozialismus schlecht sein.?“ [28]

Diesen Gedanken brachte er später mehrfach und jedes Mal feiner ziseliert zu Papier. Die wahrscheinlich früheste gedruckte Variante, „Textgestaltung: Harald Vilimsky“, erschien 1990, am Anfang Glaubensbekenntnis mit Gefühlseinstimmung:

„Ich glaube, man soll jetzt vor gar nichts Angst haben. Jetzt geht es um einen Diskurs, der sich in die Tiefe bewegt und der in der Mitte liegt und sich nicht darum schert, ob er rechts oder links ist.“ – Ein Vorspann zur Immunisierung, mit dem er signalisierte: Achtung! gefährliches Terrain! zugleich sich tapfer und mutig gab. Er setzte fort: „Wenn mir jemand sagt...“ Damit beging er Kindesweglegung an seinem eigenen Satz, den er – weniger furchtlos als sicherheitshalber – verleugnete und einem eigens zu diesem Zweck erfundenen Anonymen unterschob, ohne diesen als real existent zu behaupten, so täuschend ehrlich konnte er sein:

„Wenn mir jemand sagt ,Nation ist gut und Sozialismus ist gut, wie gut muss erst Nationalsozialismus sein‘, so haue ich ihm als erstes...“

jetzt also das Strafmaß mit Begründung, was die Selbstjustiz bezweckte, nämlich die Resozialisiertheit des wahren Täters vorzutäuschen, um dessen eigenes antifaschistisches Images zu wahren:

„...so haue ich ihm als erstes einmal sicherheitshalber eine in die Goschn, um klarzustellen, dass ich ein Antifaschist bin. Und als nächstes sage ich: wer Zweimal zwei ist vier sagt, sagt was Richtiges.“ [29]

Dann dürfte ihm selbst aufgefallen sein, dass es nicht eben der vornehmen Art entsprach und keine besonders überzeugende Abkehr von faschistischen Verkehrsformen war, einem vertrauensvollen Gesprächspartner unvermittelt „in die Gosch’n“ zu hauen, jedenfalls erschien die Passage im gleichen Jahr nochmals, nun deutlich verändert: Statt als Glaubensbekenntnis formulierte er dessen Inhalt diesmal, mit unverändert geschwurbeltem Raunen, als Grundsatz, legte mehr Ton auf Gewagtheit und erfand – Magie nach Nenning-Art: – die gewaltlose Watschen:

„Man soll jetzt vor gar nichts Angst haben. Jetzt geht es um einen Diskurs, der sich in die Tiefe wagt und nichts drum schert, ob er rechts ist oder links. Wenn mir jemand sagt: Nation ist gut und Sozialismus ist gut, wie gut muss erst Nationalsozialismus sein – so kriegt er als erstes eine gewaltlos-demokratische Diskussionswatsche, um...“

Weiter wie gehabt, aber so gewaltlos eingeleitet, sollte glaubwürdiger werden, wie er sich wünschte, gesehen zu werden: „um klarzustellen, dass ich ein Antifaschist bin.“ Weiter wie gehabt, nur typographisch verbessert und ein wenig elaboriert:

„Und als Nächstes sage ich: wer ,zwei mal zwei ist vier‘ sagt, sagt immer etwas Richtiges, wie blöd er sonst auch sein mag.“

Nenning haut dem fiktiven Erfinder des gefährlichen Satzes jetzt nicht mehr „in die Gosch’n“, sondern versetzt ihm eine „gewaltlose Diskussionswatsche“. Dafür muss sich dieser einsam erfundene Watschenmann für den ihm unterschobenen Lieblingseinfall Nennings nachsagen lassen, dass er „sonst blöd“ sei, wenn er also nicht gerade, von Nenning vorgeschoben, dessen Weisheiten von der Sorte „wie gut muss NS sein“ vortrug. [30]

Magie hat Steigerungsstufen. Je gesteigerter, desto magischer wird lesendes Publikum an kritischem Denken gehindert. In der spätesten mir bekannten Fassung ist der Anfang zum Paradox einer Angstlosigkeit aus Angst gesteigert:

„Man soll jetzt aus lauter Angst vor gar nichts Angst haben. Jetzt geht es um einen Diskurs, der sich in die Tiefe wagt...“ [31] – folgt, wie gehabt, die magisch-paradoxe Diskrepanz „demokratisch gewaltlose Diskussionswatsche“, diesmal ohne Bindestrich.

Der sachliche Kern aller vier Varianten dieser obsessiv repetierten Passage verwirklicht viermal den Tatbestand der vorsätzlichen Wiederbetätigung im Sinne des Nationalsozialismus mit der Bemühung, die Formulierungen unübersichtlich ins Witzige zu verdrehen, um genau diesen Tatbestand zu verwischen und die gewünschte Botschaft subkutan und doch in aller Klarheit zu suggerieren. Darin gefiel er sich in der gleichen Funktion, die man zeitnah damals auch Jörg Haider zuschrieb: [32] die historische Ideologie der deutschen Kriegsgeneration den Heutigen wieder schmackhaft zu machen.

Worin bestand Nennings Verfahren? – Er bekräftigte die geniale Tat Hitlers, eine etwa zwanzig Personen zählende „Deutsche Arbeiterpartei“ (DAP) in „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“ (NSDAP) umzubenennen, um sie mit dem verfälschenden Zusatzetikett „sozialistisch“ und seinem damals offenbar für deutsche Ohren durchschlagenden Rednertalent zu historischen Erfolgen auch in der Arbeiterschaft zu führen. Heute wie damals ein reiner Propagandatrick, dem niemals die mindeste Realität entsprach: „Nationalsozialismus“ gibt es nicht und hat es nie gegeben. Nichts am sogenannten Nationalsozialismus war je sozialistisch. Richtige Namen wären z. B. „deutscher Faschismus“, „Hitlerfaschismus“ oder „Hitlerei“, am besten die sachlich treffende, obzwar selbst in den historischen Wissenschaften kaum durchsetzbare Bezeichnung „Nationalbestialismus“, die der Historiker Herbert Stourzh schon 1934 geprägt hatte [33] und Michael Guttenbrunner 65 Jahre später wiederholt hat, denn: „Das Tarnwort nützt der bezeichneten Sache.“ [34]

Und jetzt danke ich sehr für die Geduld.

N.B: Sprachmagie statt Dialektik

Das Wort „Dialektik“ spielte bei Nenning nach 1965 [35] kaum mehr eine prominente Rolle. Er verwendete es auch nicht zur Benennung seiner angewandten Sprachmagie, wenn er manchen Widersinn, der den realen Verhältnissen nicht selten innewohnt, routiniert aufspießte und mit Wortwitz durchschauen half. Genau umgekehrt das Verfahren bei der Obsession seiner späten Jahre: „Nation ist gut und Sozialismus ist gut, wie gut muss erst Nationalsozialismus sein.“ Hier löste er eine historische Realität aus den Zusammenhängen der Erfahrungswelt; zerbrach das zusammengesetzte Hauptwort und erzeugte aus der Diskrepanz dessen, was wir einerseits beim Wort „Nationalsozialismus“ und andererseits bei den Wörtern „Nation“ und „Sozialismus“ assoziieren, einen witzigen Widersinn, der in keinen realen Verhältnissen historisch jemals zu finden war. Er setzte einen idealisierten Sinngehalt des Wortes „Nation“ voraus, um diesen, gebündelt mit dem Sinngehalt eines idealisierten „Sozialismus“, auf das bedenkenlos übernommene, mechanisch zusammengesetzte Tarnwort „Nationalsozialismus“ magisch zu übertragen. – Das ist keine Dialektik. Diese war eine Methode der Wahrheitsfindung, seit Sokrates das Dialegeïn übte, indem er gemeinsam mit Gesprächspartnern die Bedeutung von Wirklichem auseinanderzulegen suchte, um in produktiver Rede und ebensolcher Gegenrede sich mit ihnen aufzuklären. Nenning hingegen berühmte sich, eine angeblich gefährliche Tiefe zu wagen, um das gänzlich undialektische, als „Oxymoron“ bekannte Verfahren, unvereinbare Eigenschaften frappierend zu kombinieren, zur Verwirrung des Publikums zu missbrauchen.

Mit dem gleichen magischen Stilmittel, jedoch ohne Täuschungsabsicht, hat dieses wunderbare Scherzgedicht eines unbekannten Autors schon in der Kinderzeit uns entzückt:

Finster war’s, der Mond schien helle,
Auf die grüne, schneebedeckte Flur,
als ein Wagen blitzesschnelle
Langsam um die runde Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
Schweigend ins Gespräch vertieft,
 
Als ein totgeschoss’ner Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Usw. usf. mit zahlreichen weiteren Strophen, deren vergnügliche Lektüre hiermit empfohlen wird. [36]

P.S: Die „Krone“-Connection
[coming soon]

[1Z. B. Günther Nenning: Achtung, Maulkorb! In: NEUES FORVM 157, Januar 1967, S. 61 f.

[2Zitiert nach Frank Tichy: Ein fauler Hund. In: FORVM 417–419, Oktober 1988, S. 60–
67, hier: S. 63.

[3Günther Nenning: Die Nation kommt wieder. Würde, Schrecken und Geltung eines europäischen Begriffs. Zürich (Edition Interfrom) und Osnabrück (Fromm) 1990, S. 156.

[4Peter Heintel: Kritik eines Versuches. In: „en face“. Zeitschrift der Österreichischen Hochschülerschaft an der Universität Wien, 5. Jahrgang, Dezember 1966, S. 8–
11.

[5Günther Nenning: Sozialdemokratie. Ein Versuch, insbesondere für die Jugend. Wien–Frankfurt–Zürich (Europa Verlag) 1965.

[6Günther Nenning: Schule für Reformer. In: Neues FORVM 152/153, August/September 1966, S. 491–494.

[7Günther Nenning: FORVM des FORVMs, in: Neues FORVM 154, Oktober 1966, S. 559.

[8Günther Nenning: Sozialismus oder Pittermann. In: Neues FORVM 155/156, Nov./Dez. 1966, S. 683.

[9ORF Teletext, 16. Mai 2006, Seite 113.2, erster Absatz, Zeile 3f.
.

[10Wie Fußnote 9, letzter Absatz, Zeilen 1 bis 3.

[11„Der Spiegel“, Nr. 21/2006, S. 198 siehe Zeile 7 f. von unten.

[13Alice Zettl/Pia Moik: Günther Nenning. Seminararbeit „Elite und Avantgarde im österr. Journalismus“, Sommersemester 2005, Anhang 8.1, Alice Zettl: E-Mail Korrespondenz mit Günther Nenning, S. 38.

[14Günther Nenning: Die Balance der kleineren Übel. In: FORVM 46, Oktober 1957, S. 354 ff., hier: S. 356

[15Wie Fußnote 13.

[16Günther Nenning: Die Begegnung der Werte. In: FORVM 51, März 1958, S. 90f.

[17Adolf Holl: Jesus in schlechter Gesellschaft. Stuttgart (DVA) 1971.

[18Alle Zitate s. Fußnote 16, S. 91.

[19Sein allgemeinster Charakterzug dürfte sein, dass er stets bedacht war, kommende Entwicklungen frühzeitig wahrzunehmen und sich nach ihnen zu richten; was ihn nicht selten in Gegensatz zu herrschenden Ansichten brachte und anecken ließ, andererseits ihn gerade wegen seiner oft überraschend und eloquent formulierten Erwartungen für den aufgeweckten Teil der Nachwuchsintelligenz interessant machte und drittens eine aparte Variante von Opportunismus darstellte: In Abwandlung einer berühmten Maxime, nach der es besser wäre, mit den Massen zu irren als gegen sie recht zu behalten, versuchte er stets, mit der zukünftig herrschenden Meinung konform zu gehen und die gegenwärtige zu missachten; damit zugleich die Wahrheitsfrage als unerheblich für den Weltlauf gar nicht erst zu stellen.

[20Günther Nenning: Biographie C. Grünberg. In: Indexband zu Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung (C. Grünberg), Graz (Akademische Druck- und Verlagsanstalt) und Zürich (Limmat Verlag) 1973, S. 1–224.

[21Peter Michael Lingens: Die Pflicht zum Gegenterror. In: „profil“ 18/1975, S. 9 f.

[22EMRK Artikel 2.

[23Peter Michael Lingens: Die Angst vor dem Galgen. In: „profil“ 20/1975, S. 9 f.

[24Günther Nenning: Das Heil vom Galgen. In: „profil“ 20/1975.

[25Gerd Bacher: Leserbrief. In: „profil“ 22/1975.

[26Alle Zitate zu den Fußnoten 21–25 nach Gerhard Oberschlick: Die Werte der Republik. In: FORVM 354/355, Juni/Juli 1983, S. 32–421., online: forvm.contextxxi.org/die-werte-der-republik.html (abgerufen am 23.12.2018)

[27Gerhard Oberschlick: Das Konrad Lorenz-Millionen-Bingo. In: „Wochenpresse“ Nr. 52/1, 24.12.1984, S. 22 f.

[28Klaus Kufner 1988: Von alten Herren und brauner Gülle. http://forvm.contextxxi.org/von-alten-herren-brauner-gulle.html (abgerufen am 23.12.2018)

[29Günther Nenning: im Gespräch: Grenzenlos Deutsch. In: Stefan Ulbrich (Hrsg., Textgestaltung: Harald Vilimsky) Gedanken zu Großdeutschland. Vilsbiburg (Arun Verlag) 1990. , S. 46 (Motto) und 51 f.

[30Günther Nenning: Die Nation kommt wieder. Würde, Schrecken und Geltung eines europäischen Begriffs. Zürich (Edition Interfrom, Texte + Thesen; Bd. 231) und Osnabrück (Verlag A. Fromm) 1990, S. 151.

[31Günther Nenning: Auf den Klippen des Chaos. Hamburg (Hoffmann und Campe) 1993, S. 272.

[32Andreas Mölzer: Jörg! Der Eisbrecher. Jörg Haider und die Freiheitlichen. Perspektiven der politischen Erneuerung. Wien (Suxxes) 1990.

[33Herbert Stourzh: Deutscher Mensch oder deutscher Unmensch. In: „Der christliche Ständestaat“, Wien, 7. Oktober 1934.

[34Michael Guttenbrunner: Im Machtgehege IV. Aachen (Rimbaud) 1999, S. 45.

[35Günther Nenning 1965: Sozialdemokratie. Ein Versuch, insbesondere für die Jugend. Wien–Frankfurt–Zürich (Europa Verlag) 1965, S. 9 ff.

[36N.N. 1875/1898/1901: „Finster...“, auch „Dunkel war’s...“ – mehrere Varianten und zahlreiche Zusatzstrophen u. a in: www.clifford.at/fun/dunkel.txt und https://einklich.net/rec/dunkel.htm (abgerufen am 22.12.2018).

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Erstveröffentlichung im FORVM:
September
2020
Autor/inn/en:

Gerhard Oberschlick:

Herausgeber der Print-Ausgabe des FORVM 1986-1995 und der Online-Ausgabe hier.

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