Zeitschriften » Context XXI » Print » Jahrgang 1999 » Heft 1-2/1999
Brita Neuhold

Mütter der Revolution

Die vorliegende Publika­tion ist ein sehr wichti­ger Beitrag zum Thema Frau­en und (Befreiungs)Krieg. Die Autorin geht in einer sehr persönlichen Weise an diese Problematik heran, in­dem sie ihr eigenes For­schungsinteresse offenlegt, das zunächst mit dem grundsätzlichen Interesse an Eritrea begann, sich dann in einer Art — zur Zeit kaum durchschauter — Todessehn­sucht fortsetzte und viele Schwierigkeiten der Annähe­rung überwinden mußte. Diese persönliche Herangehensweise zieht sich durch die ganze Arbeit, da jede Phase und jeder Themen­block von der Erinnerung an die damalige Befindlichkeit begleitet ist. Dadurch wird die Methode deutlich, die weniger im Ziehen von Schlüssen als mehr im Herausarbeiten von Fragestel­lungen, im Aufzeigen von Di­lemmata und im Sichtbarma­chen von Trends liegt.

Im Hauptteil „Eritreische EPLF-Frauen“ (Eritrean People’s Liberation Front) gibt die Autorin zunächst ei­nen historischen Abriß über die Auswirkungen des Kolo­nialismus auf Gender-Rollen in der Region und geht wei­ters auf frühere Frauenbefreiungskämpfe und auf die sehr wichtige Rolle der Frau­en im Befreiungskrieg ein, der zu einer „Lebensform“ (way of life, S. 114) wurde. Zum Unterschied zu Befrei­ungskämpfen anderer Län­der war die Rolle der eritrei­schen Frauen genau, näm­lich als die der „Mütter der Revolution“, definiert. Umso mehr muß sich die „ver­zweifelte Frage“ stellen, ob „... der Einsatz von Frauen in Befreiungs- und Wider­standsbewegungen tatsäch­lich für nichts“ ist. Das Er­gebnis in Eritrea spricht zunächst für eine solche Auslegung. Das Verhalten der Machthaber nach dem Krieg, das Abschieben und Zurückdrängen der Frauen in die Unsichtbarkeit, das „Versorgen“ von verdienten Kämpfern mit sehr jungen Frauen, das schlichte Ver­gessen wichtiger weiblicher „Stimmen der Revolution“ sind traurige Details an­scheinend unvermeidlich eintretender Prozesse.

Das eigentliche Interesse der Arbeit macht ein prü­fender Blick hinter die Ku­lissen des „FrauenKriegsLebens in der EPLF“ deutlich, mit dem die Autorin „Bild-Störungen“ festzumachen sucht. Dabei zeigt sie den scheinbaren Widerspruch zwischen Frauen als Le­bensspenderinnen und Frau­en als Todesbringerinnen auf und stellt ein „schier un­glaubliches Kampfpotential“ im konkreten Fall fest (S. 155). Die Aufarbeitung des Le­benskontextes von Frauen im Revolutionskrieg, der vom unerschütterlichen Glauben an den „gerechten Kampf“ geprägt war, bringt weitere Details zu einem Entwicklungsbogen, der sich vom „Traumstadium“ zum „Traumastadium“ zu span­nen scheint.

Claudia Schamanek: FrauenEmanzEpation in revo­lutionären und militärischen Kontexten. Aspekte der Geschlechterverhaltnisse am Bei­spiel eritreischer EPLF-Kämpferinnen (1988-1992). Beiträ­ge zur Afrikanistik, Band 61, Wien 1998.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
1999
Heft 1-2/1999, Seite 14
Autor/inn/en:

Brita Neuhold: Lektorin am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Wien und am Institut für Österreichisches, Europäisches und Vergleichendes Öffentliches Recht, Politikwissenschaft und Verwaltungslehre an der Universität Graz. Referentin, Konsulentin, freie Wissenschafterin; ständige Mitarbeiterin des entwicklungspolitischen Frauennetzwerks WIDE (Women in Development Europe).

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