Zeitschriften » Context XXI » Print » Jahrgang 1996 » ZOOM 2/1996
Markus Binder

Mobile Gedanken

abgeschleppt

sagen sie mir eins, sagen sie mir eins, was. er wurde abgeschleppt, wie ein ziviler mensch eben abgeschleppt wird, wenn er falsch parkt. denken sie an ihre familie, hat vorher noch so ein idiot zu ihm gesagt, aber nein, er hat sich falsch hingestellt und darum wurde er abgeschleppt. viele kinder haben auf der straße gespielt, viele leute waren da, niemand regte sich auf, es regt sich ja sowieso nie jemand auf, also was geht uns das an, denkt sich ein jeder und so hat er sich halt dorthin gestellt, der trottel. aber nicht, daß sie glauben, er hätte nicht beobachtet, was sie rundherum alles gemacht und getan hätten. er hat schon gewußt, auf was er sich einläßt. und so ist es dann passiert. er wurde abgeschleppt. beinhart, aber er hat es auch darauf ankommen lassen beinhart. sagen sie mir eins, sagt er. ja, sagte hippi. es ist echt einem jeden wurscht, daß sie mich da abgeschleppt haben. ja, sagte hippi, der ihn abschleppte und sich dachte, wenn er meint. wenn er es so will, soll er es so haben. hippi brachte ihn zur sammelstelle, der abgeschleppte wurde entkleidet und mit strenge dazu gezwungen, ein auto über den hof der sammelstelle zu schieben, allein natürlich. falls er dies schaffen sollte und er schaffte es, brachte ihn hippi zur nächsten aufgabe, dem steinkugelfangen. dabei wurden aus alten kanonen große steine auf den abgeschleppten abgefeuert, die dieser zu fangen versuchen mußte. durch jede kugel, die er fangen konnte, kam er dem erreichen der nächsten prüfung näher. er überstand diese aufgabe recht leicht verletzt und war dadurch für das nun bevorstehende froschfangen gut vorbereitet. er fing im laufe des nachmittags dreizehn frösche, die er anschließend verkaufen und den erlös der sammelzentrale abliefern und diesen betrag aus eigener tasche verdoppeln mußte. anschließend wurde er gewaschen und durfte sich eine kleidermodenschau aus großer entfernung anschauen. nachher wurde ihm noch ein kapitel aus der straßenverkehrsordnung vorgelesen und dann schlief er ein. so konnte er fast den ganzen tag verbringen, ohne das gefühl zu haben, er hätte die ordnung unnützerweise gestört, der idiot.

lieber schwan

das fahrzeug blieb stehen, als es aus war. sie stiegen aus. der mann untersuchte die sache, es ging nicht weiter. die frau rauchte sich eine zigarette an und wollte beginnen, eine begebenheit aus ihrer kindheit zu erzählen, vielleicht um irgendwann einen grund zu finden für diese situation, der mann konnte nicht mehr. warum bin ich kein wissenschaftler, dachte er, warum kann ich mir jetzt keine lösung vorstellen und die frau sagte einfach: ach, wärst du doch mechaniker geblieben. die sonne platzte fast vor begeisterung am himmel oben und sie schwitzten. sie wurden traurig, als sie sich ihr fahrzeug ansahen, das kann doch nicht alles gewesen sein. der mann packte die kamera aus und fotografierte geschäftig die ganze sache. die frau sah gar nicht hin. sie wußte, er würde die fotos dem chef zeigen, aber nur dem chef auf diesem gebiet. und niemand war ihr mehr zuwider als dieser. seine hosen, seine hemden, seine hände, das ende. und er interessierte sich für fußball und sie auch, aber ganz anders als er, sie fühlte sich wohl in leeren fußballstadien, er mehr in vollen wahrscheinlich. dazu kam, daß ihr die fußballer immer so lächerlich vorkamen, wenn sie sie in vierfacher geschwindigkeit vor sich laufen sah, sie konnte sich auf der ganzen ebene nicht dazu durchringen, sie ernstzunehmen, so geschäftig alle, wie beim autopolieren und beim rasenmähen daheim in der wohnung, es ging nicht, sie konnte nicht und der chef auf seinem gebiet konnte halt auch nicht anders, der depp, er interessierte sich vorwiegend für die geschäftigkeit auf seinem gebiet, so wie es sein zustand zuließ als jemand, dem keiner was anderes beibringen konnte. bringt ihm was anderes bei, sie. und ihr mann konnte nicht anders. ihr mann. mein mann. mein lieber schwan du. er watschelte um sie herum, der schwan, sie fürchteten sich beide, aber es war zu spät, um ins rettende fahrzeug einzusteigen, der schwan hatte ihre abneigung gegen sich erkannt und er war nicht verlegen, er machte sich über die beiden so lustig, daß er sich nicht mehr halten konnte, mein lieber schwan. er fraß die kamera und starb. zu schwer zu verdauen. frau und mann retteten nun, was übrigblieb, als es aus war. sie kamen in stimmung. sie schleckten ihr fahrzeug, sie schleckten sich selbst, sie schlugen aufs dach, bis es brach, sie schrieben eine verlustanzeige wegen ihrer kamera und brachten diese zu fuß in den nächsten ort. es war keiner da. schon zu. weiter schleckend schleppten sie sich weiter wie schlangen und fingen ein vieh und verschlangen seine beine. keine und keiner mischte sich in ihre geschichte ein, in welche geschichte auch. sie trafen auf statuen, die aussahen wie sie selbst, auf kinder, die waren wie ihre eigenen, auf ein fahrzeug, wie das ihre und das war es dann auch, ihr eigenes fahrzeug, das dort stehengeblieben war, als es aus war und dort waren sie jetzt wieder und wer weiß, wie lange sie es bleiben mußten.

Die Folgen der Mobilität

rüge

nachdem er sich genähert und ihm in die lippen gebissen hatte, bekam der junge soldat vom offizier folgendes zu hören: wohl wissend, daß dies zur durchführung derartiger befehle nicht unbedingt von strategischer bedeutung ist, möchte ich umso bestimmter darauf hinweisen, daß auch sie wehrmännchen sich bei dienstlichen verrichtungen ordnungsgemäß einzukleiden haben. also keine schlapfen mehr.

bitteschön

wir waren so wie wir waren dort und gingen ins geschäft, susi, du und ich, und gingen zu einem verkäufer hin, und der verkäufer sagte: bitteschön. was soll das heissen: bitteschön, sagte einer von uns. was darf es sein, sagte der verkäufer, und bevor ihm einer von uns den Mund zuhielt, sagte jemand anderer von uns, was soll das heissen: was darf es sein. wollen sie etwas kaufen, sagte der verkäufer. niemand antwortete, sondern einer von uns hielt ihm den mund zu. der verkäufer wurde wild und strampelte mit händen und füssen, andere verkäufer kamen herbei, befreiten ihn und hielten uns fest. ich wurde vom krawattenverkäufer festgehalten, du vom sockenverkäufer und susi von einem anderen. der verkäufer, dem einer von uns den mund zugehalten hatte, versuchte aufzuatmen, so gut es ging. einer von den verkäufern, die uns festhielten, fragte: was hat er gesagt, bevor ihm einer von euch den mund zugehalten hat. bitteschön, sagten alle. aber das war noch nicht alles. dann hat er noch gesagt: was darf es sein. und deswegen hat ihm einer von euch den mund zugehalten, sagte der sockenverkäufer. nein, nicht deswegen, sagte einer von uns. wollen sie etwas kaufen, sagte der verkäufer, dem einer von uns den mund zugehalten hatte. da habe ich ihm den mund zugehalten, sagte einer von uns. wir wollten nicht hören, was er sagt. deswegen hat ihm einer von uns den mund zugehalten. wieso, sagte der verkäufer, der susi festhielt. wir wollten, dass er seinen mund hält. und weil er seinen mund nicht von selbst gehalten hat, hat einer von uns ihm den mund zugehalten. einer von den verkäufern, die uns festhielten, sagte zu dem verkäufer, dem von einem von uns der mund zugehalten worden war: du hast also einfach wieder mal deinen mund nicht halten können solange, bis ihn dir jemand anderer zugehalten hat. so war es, ja so war es, sagten wir, wie wir dort waren, und umarmten hinterrücks die verkäufer, die uns festhielten, bevor wir das geschäft verliessen, in dem einer von uns demjenigen verkäufer den mund zugehalten hatte, der ihn selbst wieder mal nicht hatte halten können.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
März
1996
ZOOM 2/1996, Seite 18
Autor/inn/en:

Markus Binder:

81 von enns nach linz gezogen, dort bis 90 im selbstorganisierten veranstalter- & musik- & kunst-gewusel rotiert, ende 88 ein paar monate nach tochter janna metas geburt h.p.falkner getroffen, mit dem er seit 90 das duo attwenger betreibt.

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