Zeitschriften » FŒHN » Heft 17
Markus Wilhelm

Medienpolitik

Beispiele

„50 Tote bei US-Invasion“ soll es laut Standard (Aufmacher am 21.12.89) beim militärischen Überfall der USA auf Panama im Dezember 1989 gegeben haben. Für den Kurier-Chefredakteur ging es dabei um „eine Aktion für Demokratie und Menschenrechte“ (23.12.89).

In Wahrheit sind bei dieser Terroraktion der US-Armee nach den Schätzungen kirchlicher Stellen mindestens 3000 Zivilisten ermordet worden. Mehrere Massengräber wurden inzwischen entdeckt. Der Umsturz in Rumänien, uns gern auch als Revolution verkauft, hat, schrieben die Zeitungen, zwischen 60.000 und 70.000 Opfer gefordert, laut TT „kamen im Freiheitskampf 70.000 bis 80.000 Menschen ums Leben“ (27.12.89).

In Wahrheit waren es ein Prozent dieser wochenlang gemeldeten Zahl: 689.

Das Österreichische Wörterbuch zum Thema Nachrichten-Magazin

Zu Weihnachten 1989 wurden uns von Fernsehen und Zeitungen ungefragt Bilder zugestellt, die ein entdecktes Massengrab im rumänischen Temesvar zeigten: Leichen, nichts als Leichen, darunter Mütter mit Säuglingen.

Augenzeugenbericht aus Temesvar von Peter Zehrer, Redakteur der Presse:

Draußen, auf dem Friedhof in der Calea Lipovei, liegen ein gutes Dutzend Leichen, so, wie man sie aus den Massengräbern der Securitate, in denen ein Vielfaches davon verscharrt worden ist, geholt hat. Es ist nicht der Verwesungsgeruch, der einem den Atem nimmt, es ist die unfaßbare Perversität, mit der man hier konfrontiert wird.

Die Gesichter der starren Körper sind mit Säure und Chemikalien entstellt worden; sie sind zum Teil schwarz. Niemand sollte diese Leichen identifizieren können.

Die Körper sind aufgeschnitten und ganz grob wieder zugenäht worden. Eine Hütte im letzten Winkel dieses Armenfriedhofs diente einem Securitate-Sadisten als ‚Seziersaal‘. Auf dem Bauch einer jungen Frau liegt ein — ebenfalls aufgeschnittenes — Neugeborenes, ihr Kind. Und gleich daneben — es gibt wohl eine Gerechtigkeit — die Leiche eines Mannes, dem man vor dem Tod noch die Beine zerschlagen hat. Es ist jener Arzt der Securitate, der sich an diesen Opfern vergangen hat und der von seinen eigenen Leuten liquidiert worden ist.’

(Presse, 27.12.89)

In Wahrheit handelte es sich um ein Gemeinschaftsgrab der städtischen Gerichtsmedizin mit obduzierten Verstorbenen aus den Wochen und Monaten vor dem Ceausescu-Sturz. Die am Golf in Brand geschossenen und in Brand gesteckten Ölquellen, verrieten uns die Zeitungen Ende Jänner 1991, würden fünf Jahre Löscharbeit in Anspruch nehmen.
In Wahrheit ist der letzte Brand am 2. November 1991 ausgeblasen worden.

Der Absturz der Maschine der Lauda Air im Mai 1991 über Thailand war, schrieben die Zeitungen, das Werk von Terroristen.

Kurier, 28.5: „Es war mit ziemlicher Sicherheit eine Bombe.“ „Wer ist zu kaltblütigem Massenmord fähig?“ „Diese Drogenbosse zeichnen sich durch absolute Rücksichtslosigkeit aus. Der Tod von über 200 Menschen bedeutet ihnen nichts, wenn es darum geht, unliebsame Personen aus dem Weg zu räumen.“ (Rau); (Landeshauptmann Partl: „Wir sind alle aufgerufen, sämtliche Kräfte gegen eine wahnsinnige Anarchie zu mobilisieren.“)
Kurier, 29.5.: „Heroinfund im Wrack des Lauda-Flugzeuges“ (Aufmacher) „War der Drogenboß Khun Sa Drahtzieher des Anschlages?“
Kurier, 30.5.: „Experten tippen auf einen Materialfehler oder Bombe“
Kurier, 31.5.: „War es das Werk von anonymen Terroristen?“ (Titel) In Wahrheit war ein Konstruktionsfehler der Grund für den Tod von 228 Menschen. Ende September 1991 gab es in Bukarest eine Großdemonstration der Bergarbeiter gegen das neue Hungerregime. Dabei prallten verschiedene Seiten aufeinander. Friedrich Orter (ORF) sagte es uns am 27.9.91 aus Bukarest: „Es dürften wohl an die 1000 Toten sein!“
In Wahrheit gab es genausoviele wie beim Motorradunfall in Tarrenz: zwei.

Es ist nicht bekannt, daß eines dieser Medien Abonnementgebühren an seine belogenen Konsumenten zurückerstattet hätte!

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
1992
Heft 17, Seite 22
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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