Zeitschriften » Streifzüge » Print-Ausgaben » Jahrgänge 2001 - 2010 » Jahrgang 2009 » Heft 45
Ulrich Enderwitz
2000 Zeichen abwärts

Markt

Als ein Geschöpf sich arbeitsteilig reproduzierender Gesellschaften dient formell oder aus Sicht derer, die er versorgt,der Markt der Distribution von Gütern und der Befriedigung der auf diese Güter gerichteten Bedürfnisse. Reell hingegen oder in der Perspektive derer, die ihn betreiben, bezweckt der Markt die Produktion von Gütern um des in ihnen verkörperten Wertes willen.Wert ist der mittels Produktion von Gütern für den Markt, mittels Arbeit, etablierte Anspruch auf entsprechende Bedürfnisbefriedigung durch den Markt.

Diesen Anspruch, den als Geld eine eigene,abstrakte Repräsentanz gewinnenden Wert, treten die Betreiber des Marktes an die Produzenten ab, sofern diese ihnen dafür mehr in Gütern verkörperten Wert, mehr Anspruch auf Güter des Marktes, liefern. Es entsteht so ein unendlicher Zirkel zwischen der Schöpfung von Wertverkörperungen für den Markt und der Investition des geschaffenen Werts in die Schöpfung neuer Verkörperungen, dem die Tatsache, dass es dabei jeweils um Wertvermehrung, Akkumulation des Werts geht, Spiralform verleiht. Praktische Konsequenz dieser Spirale ist die Entfaltung der Produktionssphäre, die sich in der doppelten Gestalt einer immer extensiveren Einbeziehung menschlicher Arbeit in und einer immer intensiveren Nutzung menschlicher Arbeitskraft für die marktförmig organisierte Wertschöpfung vollzieht. Offen bleibt, was der letzte Zweck dieser vom Markt qua Wertakkumulation verfolgten spiraligen Entwicklung ist beziehungsweise ob ein solch letzter Zweck überhaupt existiert – ob es dabei mit anderen Worten um die Entfaltung der menschlichen Produktion und Produktivität oder um die Wertbildung als solche geht, darum also, den durch Arbeit, die Produktion von Gütern, begründeten Anspruch auf Letztere systematisch in die Verfügung über weitere, durch ihre Güterproduktion noch mehr Anspruch begründende Arbeit zu transformieren, nur um diesen vermehrten Anspruch wiederum in ein Mehr an Verfügung umzusetzen.

Sicher ist jedenfalls, dass für diese schlecht unendliche Spirale die erwähnte formelle Funktion des Markts, die Distribution von materialen Bedürfnisbefriedigungsmitteln, keine konstitutive Rolle spielt.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
März
2009
Heft 45, Seite 24
Autor/inn/en:

Ulrich Enderwitz: Geboren 1942, studierte Religionswissenschaft, lebt nahe Berlin, sitzt an einer siebenbändigen Studie: „Reichtum und Religion“.

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