Zeitschriften » FŒHN » Heft 22
Markus Wilhelm

Lob des Wissens

Wir haben schon einige sehr gute Voraussetzungen, um dem Zeitalter des Kapitalismus ein Ende setzen zu können: Wie wir gesehen haben, schreien die Zustände danach, existieren die Menschen bereits, die ihn hinwegfegen können, und sind viele von ihnen mit ihrer Empörung schon fast auf 100. Was bei weitem nicht Schritt hält, ist das Wissen um die Überwindbarkeit der momentanen Situation.

Wir wissen ja nix. Wir wissen, mit wem der britische Thronfolger ein Verhältnis hat, und wer 1994 den Oscar für die beste Regie ..., und wann Karl Schranz ... Aber von dem, was uns angeht, haben wir keine Ahnung. Es ist zum auf den leeren Kopf greifen! Wo ist das Wissen, das uns zusteht? Nicht nur das über die Schweinereien, sondern das darüber, wie man die laufende Produktion von Schweinereien ein für allemal abstellt. Woher kommen die richtigen Ideen? Aus SAT-Schüsseln kommen sie nicht. Auch bei hundert Kanälen nicht. Jede kleinste richtige Idee kommt dort a) nicht vor und wird b) noch mit hundert falschen zugeschüttet. Weil die Leute keine Vorstellung haben, wie diesem System beizukommen ist, geraten sie an einen, der verspricht, dem beizukommen. Die von ihrer eigenen Stärke nix wissen, setzen ihre Hoffnung klarerweise in einen Starken. Es darf sich keiner ereifern darüber, daß nichts anderes in den Köpfen drinnen ist, der nichts anderes hineintut. Wir sollten uns nicht bei den Fehlern Vranitzkys oder Haiders oder Petrovics aufhalten. (Die machen nämlich gar keine, oder höchstens für ihre Partei.) Es geht um unser Fehlen. Wörtlich! Um unser Nichtvorhandensein!

Es wäre ja nett, wenns mit Profil-Lesen ginge. Aber aus dem System heraus wächst das revolutionäre Wissen nicht. Auch auf dem Mist von noch soviel Skandalgeschichten nicht. (Darum sind sie alle zusammen auch so ungefährlich und nur dem Umsatz dienlich.) Das führt nur zu Herumirren: einmal vielleicht vorwärts, einmal rückwärts, einmal vielleicht linksum, einmal rechtsum.

Dabei ist das gewaltige Wissen darüber, wie den herrschenden Zuständen ein Ende gesetzt werden kann, zu einem guten Teil bereits vorhanden (auch wenn es unserem Auge verborgen ist). Es geht also zuallererst darum, es uns zu erschließen. Alles andere ist Arroganz oder Einverständnis mit dem, wie es ist! Karl Marx, Friedrich Engels und W.I. Lenin vor allem haben mit ihren Analysen des Kapitalismus das Wissen zutagegefördert, wie er besiegt werden kann. Nur ein Dummkopf kann sich selbst freiwillig von so großartigen Quellen abschneiden.

Die Diktatur des Geldes muß gestürzt werden, um einem Gemeinschaftssystem Platz zu machen, in dem sich alle Menschen wohlfühlen können, eines, in dem wir keine Herren über uns und keine Sklaven unter uns mehr haben. Dazu sind die Untersuchungen von Marx & Co. unbedingt nötig. Sie sind aber auch zuwenig, wenn sie nicht auf die neue Entwicklung und die neuen Schwierigkeiten ausgedehnt werden. Sie sind das Kleine 1x1, ohne das wir politisch zwei und zwei niemals werden zusammenzählen können. Aber wenn es genügend Leute von uns beherrschen, wird mit uns zu rechnen sein.

Dieser FÖHN hat in Fortführung des vorigen das in der Öffentlichkeit derzeit wie kein zweites diskutierte Thema Haider auf das zurückgeführt, was Sache ist. Er hat seine Fortsetzung nicht in einem nächsten FÖHN, sondern kann folgerichtig nur in die dringende Empfehlung münden, der lebenswichtigsten Literatur, die die Menscheit heute besitzt, nicht länger auszuweichen. Der FÖHN kann an diese Lektüre nur heranführen. Auch noch soviele Hefte dieser Zeitschrift können sie in keiner Weise ersetzen. Wenn alle diejenigen, die mehr wollen, als sich wohlfeil z.B. über Haider zu entrüsten, sich grundlegend über die eigentlichen Zusammenhänge informieren, rücken wir auch Haider und den Mithaidern aller Vereine wirksamer zu Leibe als mit dem nächsten Dutzend Anti-Haider-Bücher.

Mit diesem wertvollen Wissen muß die oben geschilderte Unzufriedenheit zusammengebracht werden, damit das hoch explosive Gemisch aus Verbitterung und Aufsässigkeit am richtigen Ort losgeht. Es ist der Funke, auf den die Empörung in den Herzen vieler brennt. Sie allein ist nichts, und er allein ist nichts. An das gewaltige Vorwissen müssen die zurecht Empörten herangeführt werden. Es muß zu ihnen hingebracht werden. Wenn der verbogene, heute vielfach verleumdete Haß vieler Haiderwähler auf die Zustände (und der etwas anders verbogene vieler Nichthaiderwähler) und das verschüttete, heute übelst verleumdete Wissen über die Überwindbarkeit dieser Zustände zueinanderfinden, wird deren Sturz nicht aufzuhalten sein. Die Menschen warten darauf, zu erfahren, wie das herrschende Unrecht bezwungen werden kann. Wie lange werden sie warten? Werden sie lange genug warten?

In den brechend vollen Buchhandlungen, den bis zum Oberboden vollgestopften, denen mit den Paletten voller Ramsch bis auf den Gehsteig heraus, steht kein einziges Werk derer, die aus dem gründlichsten Studium des Kapitalismus heraus Lehren gewonnen haben darüber, wie er zu bezwingen ist. Warum wohl? Och, muß ihm dieses Wissen gefährlich sein!

Wie anders sollte man das verstehen, als als klare Aufforderung, sich in deren Schriften zu vertiefen? Der FÖHN bietet seinen Leserinnen und Lesern an, ihnen bei der so schwierigen Beschaffung einiger sehr lesbarer Werke der grundlegenden revolutionären Literatur behilflich zu sein.

Willkommen in der Wirklichkeit!

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Erstveröffentlichung im FORVM:
September
1996
Heft 22, Seite 78
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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