Zeitschriften » Context XXI » Print » Jahrgang 1998 » ZOOM 4/1998

Liebe Leserin, lieber Leser!

Das Sommerloch hat dieses Mal Spuren im Umfang dieses Heftes hin­terlassen. Trotzdem haben wir uns um interessante Beiträge bemüht.

Vorneweg will diE nOt die Aufmerksamkeit auf ein Problem der USA lenken, nämlich auf das Selbstver­ständnis der letzten Super­macht in dieser Welt. Mit deren punktuellen Angrif­fen auf den Popanz eines weltweiten Terrorismus im Namen des Islams haben sie nur erreicht, daß sich alle Welt daran erinnert, daß die USA selbst die Voraus­setzungen für diesen wäffrend des Krieges in Afghanistan geschaffen haben. Heute sind die Veteranen dieses Krieges gegen die Sowjetunion, die auch auf Grund dieser Nie­derlage von uns gegangen ist, in Bosnien, Albanien, Alge­rien, Ägypten, Sudan und sonstwo zu finden. Sogar vor den Toren von Langley, dem Hauptquartier der CIA, haben besonders berufene „Soldaten Allahs“ einen An­schlag auf die Angehörigen des US-Geheimdienstes ver­übt. Die Täter wurden erst kürzlich von Pakistan an die USA ausgeliefert. Der neue Weltfeind Nr. 1, den USA zufolge, war lange Zeit als Harry Laden im internatio­nalen Jet-Set anzutreffen, bis er sich aus unerfindlichen Gründen der Aufrechter­haltung des wahren Islams zuwandte. Heute sitzt er in einem ehemaligen Aus­bildungscamp des CIA in Afghanistan. Soviel zu law and order.

Zur Gewalt-Debatte ha­ben sich diesmal Jürgen und Paul zu Wort gemeldet. Sie thematisieren in ihrem Arti­kel den Zusammenhang zwi­schen linkem und männli­chem Gewaltverständnis und unterstreichen ihre Distanz zu diesen durch die Verwen­dung der weiblichen Ge­schlechtsform z.B. bei „De­monstrantinnen“ als Ober­begriff für alle Guten. In ih­rer Einleitung vermissen sie bei Schandl progressive Al­ternativen zum gängigen Ge- waltverständnis.

Nena Skopljanac berich­tet und informiert über hi­storische Zusammenhänge und aktuelle Vorgänge in Kosov@. Dabei treten inter­essante Aspekte zwischen albanischem Nationalismus, Enver Hoxha und kommu­nistischer Opposition in Jugoslawien zu Tage.

Unser internationaler Block wird mit einem Artikel zu Peru und Ecuador, der die schon lange andauernden Grenzstreitigkeiten zwischen den beiden Staaten kommentiert, und einer Kurz­meldung zu den Verbindun­gen zwischen Staat, Mafia und Rechtsextremismus in der Türkei beschlossen.

In Österreich beginnt der Herbst mit einer längst fälli­gen Debatte über die Arisie­rungen, seien es die von Ge­schäften oder großen Firmen, seien es die von Gemeinde­wohnungen oder Villen, und über die Involvierung von wirtschaftlichen Unterneh­men in die nationalsozialisti­sche Raub- und Sklavenwirt­schaft. Gegen die erwarteten und schon eingetroffenen ortsüblichen Reaktionen, vor allem der Presse, wendet sich der Artikel von Glücksthal Lajos mit aller Kraft der Polemik.

Eine weitere, notwendige De­batte wird mit dem Interview über das Eigenleben unserer geschätzten Geheimdienste, das Ludwig Csepai mit Markus Purkhart führte, eröffnet. Ein Auszug aus der Diplomarbeit von Purk­hart über die parlamentari­sche Kontrolle dieser heimli­chen Beamtinnen schließt an das Interview an.

Die Ausgabe wird von Franz Schandls Kritik an dem schon vorgestellten Handbuch zu Neutralität und Sicherheitspolitik „Nato-Streit in Österreich“ von Klaus Heidegger und Peter Steyrer komplettiert. Ihm zu­folge geht ihre Apologie der Neutralität, bei allem Lob für das Buch, von falschen Prä­missen aus. Wir hoffen dies­bezüglich auf eine Replik bei­der Autoren.

Für den Herbst sind zwei Broschüren zu den Themen EU und Medienzensur ge­plant. Was die EU-Ratspräsi­dentschaft Österreichs anbe­langt, sind schon die ersten Schatten über das sonnige Lächeln unseres Kanzlers auf den Werbeplakaten gefallen. Die italienische Probe aufs Exempel hat zumindest ein­mal schon innenpolitisch funktioniert. Welche Eier unseren begabten Politike­rinnen noch auf der EU-Ebene gelegt werden, dürfen wir voller Spannung erwarten.

Willkommen im Herbst
Die ZOOM-Redaktion

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Oktober
1998
ZOOM 4/1998, Seite 3
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