Zeitschriften » Context XXI » Print » Jahrgang 2006 » Heft 1-2/2006
Kathi Renner

Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist gelaufen. Im Gegensatz etwa zur Europameisterschaft vor zwei Jahren (als Griechenland etwas unverdient den Titel holte), setzten sich diesmal die Favoriten durch. In der vorliegenden Ausgabe der Context XXI wollen wir zwar über Fußball schreiben, wir wollen uns dabei allerdings Themen wie Geschlechterrollen, Antisemitismus und Chauvinismus widmen, Themen, die in Male- und Mainstream Gazetten zumeist unbesprochen bleiben.

Nicola Staritz schreibt über die WM, die eine WM der Männer ist, ohne dass dies allerdings thematisiert werden würde. Frauen sind allenfalls als ZuseherInnen interessant, oder bilden lustige Motive für Kameramänner. Aber nicht nur Frauen haben im Fußball keinen Platz. Auch Homosexualität ist ein Nicht-Thema im Fußball – obwohl ein Tor eine der ganz wenigen Gelegenheiten ist, wo Männer zärtlich zu Geschlechtsgenossen sein dürfen. Alles, was nicht unter dem Deckmäntelchen des Siegestaumels oder der Initiation geschieht, passiert nicht, wie Jaschar Randjbar bemerkt.

Um die überströmende Männlichkeit im Fußball geht es auch im Artikel von Eva Kreisky und Georg Spitaler. Die beiden zeigen den Zusammenhang zwischen der Vergeschlechtlichung eines Sports in Europa und den USA, der hegemonialen Männlichkeit, Nationalismus und Ökonomisierung des Massenphänomens Fußball.

Judith Götz arbeitet in ihrem Artikel die antisemitische Kontinuität im Fußball heraus. Von antisemitischen Ausschreitungen gegen den Sportklub Hakoah und schließlich seiner Auflösung über die „Umstrukturierung“ der Wiener Austria bis hin zu Ausschreitungen gegen Ajax Amsterdam und Fans bzw. Spieler von Lazio Roma steht der Antisemitismus in einer langen Tradition. Im Gegensatz dazu ist St. Pauli einer der wenigen Vereine, die versuchen, das unreflektiert und unausgesprochen Politische am Fußball explizit zu machen und sich so eine antirassistische Fankultur aufzubauen. Dass dies allerdings nicht immer ganz gelingt, zeigt die durchaus affirmative Kritik von Stephan Hofer und Thomas Rammerstorfer. Die Realität des Fußballs außerhalb der großen Stadien, abseits von FIFA und Heldenkult, wurde in den Fotos von Stephan Hofer am Platz und in den Vereinsräumen des FC Kirchberg ob der Donau eingefangen.

Außerhalb des Schwerpunktes führte Ljiljana Radonic ein Interview mit Zeev Milo, einem kroatischen Holocaust-Überlebenden und Autor des Buches „Im Satellitenstaat Kroatien. Eine Odyssee des Überlebens 1941-1945“ (2002).

Exklusiv bringt die Context XXI die Niederschrift eines Vortrags von Heribert Schiedel, den er anlässlich des Symposiums „Feindaufklärung und Reeducation. Über die Notwendigkeit Kritischer Theorie heute“ gehalten hat. Im Anschluss kam es zu einem folgenreichen Zerwürfnis, das nur mehr wenig mit der im Vortrag behandelten psychoanalytischen Reflexion des Antisemitismus zu tun hat.

Anders als unser Cover nahe legt stieg Deutschland nicht schon in der Vorrunde aus – der nationale Rausch geht also weiter. Freuen wir uns in diesem Sinne auf ein Hoch der nationalen Gefühle bei der EM 2008 in der Schweiz und Österreich!

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Mai
2006
Heft 1-2/2006, Seite 3
Autor/inn/en:

Kathi Renner:

Von Juni 2005 bis 2006 koordinierende Redakteurin von Context XXI.

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