Zeitschriften » Wurzelwerk » Jahrgang 1982 » Wurzelwerk 11

Liebe Leser!

Am 16.4. wurde der erste Trinkwasserbrunnen im Steinfeld wegen vielfacher Überschreitung von Grenzwerten bei Organochlorverbindungen gesperrt. Zu dieser Zeit waren wir — wie jeden Monat voll mit der Vorbereitung für die nächste Ausgabe beschäftigt. Medien, Manuskripte, Inserate — Stress.

Am 23.4. erfuhren wir durch Zufall von der Affäre. Die Lokalpresse schwieg, Gemeinden und die Landesregierung waren informiert. Wochenlang (wenn nicht länger) war Giftwasser in die Trinkwasserleitungen eingespeist worden. Die Entscheidung war schnell getroffen: eine Sonderausgabe mußte raus. Über das Wochenende wurden 8 Seiten konzipiert, geschrieben und für den Satz vorbereitet. Von einem Ehepaar mit drei Kindern (ohne Großmütter, Tanten oder Kindermädchen) im Zentrum der Verseuchung.

Vor 2 Jahren hatten wir eine Bürgerinitiative für den Schutz des Grundwassers der „Mitterndorfer Senke“ propagiert. Manche meinten, weil uns fad ist oder so.

Von der Lokalpresse zeigten sich nur die „Wr. Neustädter Nachrichten“ aufgeschlossen.

Einladungen, Aussendungen, Versammlungen, Diskussionen, Recherche, Verantwortliche, Politiker.

Desinteresse, Inkompetenz, Zurückweisung waren die beherrschenden Reaktionen. ORFs „Argumente“ riefen, von uns umfassend informiert, NÖs LHStv Pröll und Wr. Neustadt’s Bürgermeister Barwitzius auf den Plan. Der eine war berufen, den „ländlichen Raum zu ordnen“, der andere hatte die Aufgabe — unter anderem —, für die Entsorgung des wachstumsträchtigen städtischen Abfalls da zu sein.

Beide waren überfordert, verstrickt in ein System, das nahezu nichts zuläßt, was der Natur wirklich hilft. So blieben Zäune um Müllgruben oder deren Zuplanieren, legistische Gemeinplätze und zustimmende Schlagzeilen der Parteipresse die einzigen Konsequenzen.

„Die Wr. Neustädter Initiative“ erhielt langsam Zustrom.

Naßbaggerungen der Schotterindustrie (= Freilegung des unterirdischen Trinkwasserreservoirs) wurden verboten.

Vor einem Jahr entstand WURZELWERK. Jubliäum, doch kein Grund(wasser) zum Feiern. Wir erscheinen heute in Wien, NÖ und dem Burgenland, mit 5.000 Stück Auflage und dem Anspruch, ein Sammelbecken für Öko-Paxler, für Unentwegte, für den Untergrund und den Intellekt, für Fantasie und wechselseitige Kommunikation sein zu wollen. Wir möchten mehr als eine Zeitung sein. Das persönliche Gespräch ist wichtiger als die Schlagzeile, die schrittweise Verwirklichung von Utopien, von „Alternativen“, von Öko-Logik bedeutet mehr als deren Auflistung.

Die „Wr. Neustädter Initiative“ ist sanft entschlummert, seit sie die Gemeinde an ihre breite Brust nahm.

Eine „Alternative Liste Niederösterreich“ ist im Kommen. Wer sich dafür interessiert, möge sich bitte an uns oder an Fritz Zaun in Baden (Habsburgerstr. 92, Tel. 02252/37-412) oder an Josef Aff in Retz (Windmühlg. 22, Tel. 02942/2319) oder an die „alternative Liste Wien“ (Plenum jeden Montag, 19 Uhr im Amerlinghaus) oder an Dan Jakubowicz, 1010, Graben 13/43, Tel. 52-72-96) wenden. Und an den nächsten unzufriedenen, vorausschauenden, gebrandmarkten, „grünen“ oder „alternativen“ Friedensfreund, Umweltschützer, Menschenrechtler, an Frau und Mann.

Am 26.4. ging die dieser Nummer beiliegende Sonderausgabe in Satz, am 27. in Druck. Am 28.4. erschienen „Presse“, „NÖN“ und „Wr. Neustädter Zeitung“, allesamt eher rechts von der Mitte, mit Gift-Details. Da wußte auch die Landesregierung schon, daß wir „wußten“. Am 29.4. „berichtete“ auch die „AZ“. ORF-„Argumente“ schärfen bereits wieder das Objektiv. Wie zu erfahren war, sollen diesmal auch betroffene Bürger in die Diskussion eingeblendet werden.

Schon wieder diskutiert ein „Ökologie-Club 2“ von oben nach unten. In der Landesregierung versammeln sich am 5. Mai Bürgermeister, Wasserleitungsverbände, Bezirkshauptmannschaften, der Magistrat Wien und zuständige Planungsabteilungen der Landesregierung unter dem Vorsitz von Dr.Pröll. Zielvorstellung: „entsprechende Sanierungsmaßnahmen“ (Pröll: „sofortige“) für eine „räumlich ausgedehnte Belastung des Grundwassers“ (APA).

Vor welchen Problemen das elitäre Forum steht, können sie unserem Sonderdruck entnehmen.

Anfrage an die „bürgerlichen“ Medien: Muß Information stets von „oben“ nach „unten“ fließen? Verfügen Sie über ein Archiv?

Anfragen an Bundesminister Steyrer: Warum gibt es für uns seit Ihrem Amtsantritt keinen Gesprächstermin?

Grundsätzliche Frage: Wo soll das alles enden (Seyfried)?

P.S.: WURZELWERK hat bisher ohne Gewinn (eher das Gegenteil) gearbeitet, niemand (außer den Handverkäufern) hat bisher daran verdient. Förderungs- und Subventionsansuchen wurden stets abgelehnt.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Mai
1982
Wurzelwerk 11, Seite 5
Lizenz dieses Beitrags:
CC0
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