Zeitschriften » MOZ » Jahrgang 1990 » Nummer 58

LeserInnenbriefe

Betr.: MONATSZEITUNG Nov. 90 — Artikel von T. Ebermann und R. Trampert

Eigentlich finde ich es nicht die Aufgabe einer österreichischen Monatszeitung, einen Diskurs der deutschen Linken zu dokumentieren, noch dazu, wo’s jede/r ja eh zur Genüge im „konkret“ zum gleichen Thema nachlesen kann. Wenn es jetzt nun aber so ist, dann möchte ich auch meinen Senf dazugeben. Aus der Sicht einer/s österreichischen Linken ist der Text von Tram- pert und Ebermann schier unerklärlich, da die Linke in Österreich dermaßen darniederliegt, daß eine PDS gerade wie ein Weihnachtsgeschenk anmutet. In der BRD ist die Linke Liste/PDS (bzw. nur PDS) für viele eine Perspektive, eine Möglichkeit, um aus dem Sumpf unzähliger linker Kleingrüppchen herauszukommen. Sie bietet erstmals wieder eine Chance auf Massenwirksamkeit. Die Vorwürfe von Trampert/Ebermann sind berechtigt. Auch mir wäre deklarierter Antikapitalismus lieber als schwammige Bekundungen, auch mir wäre kein Bekenntnis zu Deutschland lieber, auch mir stehen die Haare zu Berge, wenn die PDS einem Antrag der CDU zustimmt, Maßnahmen gegen ‚extremistische Kräfte‘ (sprich Autonome) in Berlin Lichtenberg zu ergreifen.

Und dennoch: Es ist zu einfach, der PDS Sozialdemokratisierung vorzuwerfen, oder sie auf ein „sozialdemokratisches Programm mit blaßgrünen Tupfern“ zu minimalisieren, wie das Renate Damus, Sprecherin des Bundesvorstandes der Grünen, in der Oktober-Nummer des „konkret“ machte!

Ich werfe da einfach mal Arroganz und Abgehobenheit vor, man kann Gregor Gysi nur immer wieder zitieren, wenn er meint, die Erfahrungen Linker in der DDR und in der BRD unterscheiden sich gravierend. Nämlich zum Beispiel darin, daß Diskussionen der BRD-Linken wie zum Beispiel über Feminismus oder ökologische Zerstörung in der DDR nie in dem Ausmaß geführt wurden. In Anbetracht dessen kann man/ frau nur staunen, wie aus einer männerbündlerischen, technokratischen etc. SED eine PDS entstehen konnte, die sich zurecht mit frauenfreundlichen (auch wenn es vorläufig (?) nur bei der Gleichstellungsformel bleibt) und ökologisch bewußten Attributen versehen kann. Das zeigt zumindest die Fähigkeit, sich verändern zu können und zu wollen.

Und das ist doch immerhin schon etwas, vielleicht geht noch mehr! Man darf doch wohl gelegentlich optimistisch sein.

Liebe Grüße,
Eva Bertels

P.S.: Soeben lese ich ein Interview mit der AG Junge Genossinnen in der PDS, das meine Sicht bestätigt. Junge Genossin: „Es gibt so einige Themen, Ökologie, Frauenproblematik u.a., wo wir ziemlich zurück sind, wo die Diskussion in der PDS noch nicht so weit ist ... Und das bedeutet aber, daß Themen, die gerade auch in Zusammenhang mit Linken aus dem Westen wichtig wären, daß die nach hinten rutschen.“

Betr.: MONATSZEITUNG allgemein

Liebe Leute!

In Kenntnis über das drohende Ende der MONATSZEITUNG gesetzt, wollen wir unserer Meinung Ausdruck verleihen, daß alternative Politik, Wirtschaft und Kultur — alternative Meinung im allgemeinen — nach wie vor ein Medium in Form einer Monatszeitung braucht.

Studienrichtungsvertretung Mathematik/Physik
Roter Vektor

Betr.: MONATSZEITUNG Nov. 1990 — Interview „Den Kapitalismus ökologisch modernisieren“ mit Joseph Huber

Lieber Christof, liebe LeserInnen!

Joseph Huber ist mir bei meinen New Age-/Esoterik-Forschungen immer wieder in die Quere gekommen. Als einer, der Ideen im Sinne des neuen, ganzheitlichen, sprituellen Zeitalters kreiert und verbreitet. Huber ist nicht nur Ökoberater bei Vranitzky, sondern auch Dozent bei der ÖVP-nahen Wiener Akademie für Zukunftsfragen.

Bekannte New Age-Diktion sticht sofort ins Auge. Gleich zu Beginn meint Huber: „Wir müssen da hindurch“, in diesem Fall durch die Modernisierungsbewegung der Industriegesellschaft. Auf dem Weg ins Neue Zeitalter muß immer „wer wo hindurch“ — meist durch sehr unangenehme bis unerträgliche Gegebenheiten (die sich halt nicht ändern lassen). Der Psychotherapeut Eckhard Gieße nannte das das ‚Fegefeueraxiom‘ (das verzweifelte Individuum steige danach wie Phönix aus der Asche empor!).

Das zweite New Age-Charakteristikum: „Das systemisch-evolutive Denken“, das sogar sprechen kann ... denn, es „sagt uns nun, daß die Komplexität sich selbsterneuernder Prozesse unser Wahrnehmungsund Gestaltungsvermögen immer übersteigt“. Das heißt doch im Klartext, daß wir gar nichts tun brauchen, anything goes — aber selbstgesteuert! „Man kann nur stattfindende Entwicklungen möglichst schnell begreifen und versuchen, die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen.“

Durchgängiges Prinzip im New Age ist die Annahme, die Erde (Natur) — und daraus wird ‚natürlich‘ auch gleich immer auf die Gesellschaft geschlossen — wisse besser (als wir) was gut für sie ist, sie wird es sich schon richten, sie paßt sich den Bedingungen an und macht das Beste daraus (Selbstorganisationstheorie!). Genauso ist es mit dem geistigen Bereich, das neue, spirituelle, ganzheitliche, ökologische Zeitalter „ergibt sich von selbst“, wir dürfen nicht gegen den Strom der Zeit schwimmen, wir brauchen ES nur geschehen lassen.

Dankenswerterweise gibt es wenigstens ein paar WissenschaftlerInnen, die dieser allseits (von ÖVP, SPÖ bis New Age) attraktiven Systemtheorie auf den Grund gegangen sind: Diese war ja bereits in der Zwischenkriegszeit höchst en vogue und hat dann den Nazi-Ideologien gut in den Kram gepaßt. Schramm stellt der Systemtheorie das Zeugnis einer „schlechten Wissenschaft, eines (System-)Theorieklempnertum“ (auf gut Wienerisch: Systemtheorie-Pfuscherei) aus, das allerdings zur Weltanschauung aufgeblasen“ wird. Lieber Christof, mit Deinen ‚netten‘ Fragen als Interviewer hast Du voll ins Schwarze (im mehrfachen Sinn) getroffen ... Sie konterkarieren die Antworten bestens! Du hast Huber gekonnt das entlockt, was uns in der nächsten Zukunft ins Haus stehen wird — für wahr keine rosigen Aussichten, auch wenn es reihum dafür gehalten wird!

Alles Liebe
Maria Wölflingseder, Wien

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1990
Nummer 58, Seite 82
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