Zeitschriften » Context XXI » Print » Jahrgang 1996 » ZOOM 2/1996
Manfred Gmeiner
Beat Leuthardt:

Leben online

Von der Chipkarte bis zum Euro­pol-Netz: Der Mensch unter ständigem Verdacht

In den buntesten Farben wird uns die Zukunft der Computer­welt geschildert. Wir brauchen kein Kleingeld mehr herumtra­gen, keine Automaten mehr, vor denen wir zu Bettlern wer­den. Mit der elektronischen Geldbörse (Chipkarte) können wir überall bezahlen. (Die Bett­ler existieren nicht mehr in die­ser Welt, obwohl sie immer zahlreicher werden.) Auf der Versicherungskarte kann der Arzt die gesamte Krankenge­schichte lesen und so die richti­ge Behandlung wählen. Zur Ar­beit müssen wir das Haus nicht mehr verlassen. Wir loggen uns in den Zentralrechner unseres Arbeitgebers ein. Und wenn die Techniker ins Schwärmen kommen, dann untersuchen Ärzte ihre PatientInnen online per PC-Videokonferenz.

Verschwiegen werden dabei nicht nur die zahlreichen Pan­nen und die oft noch vorhan­dene technische Unzulänglich­keit. Nicht gesprochen wird auch über die Datenansamm­lung, die damit verbunden ist. Möglich werden Persönlich­keitsprofile, Bewegungsprofile und die unbemerkte Überwa­chung. Daß es sich hierbei nicht nur um Ängste von an Verfolgungswahn leidenden ZeitgenossInnen handelt, bele­gen zahlreiche Beispiele. Flüchtlinge sollen per elektro­nischem Ausweis und in einer gesamteuropäischen Datei der Fingerabdrücke permanent überwacht werden können. Die zur Sicherheit vor Laden­diebstählen installierten Kame­ras überwachen auch Ange­stellte und kontrollieren deren Effizienz.

Über die polizeiliche Raster­fahndung schließlich können al­le an den verschiedensten Orten gesammelten Daten nach den absurdesten Verdachtsbildern durchsucht werden: „Gesucht werden alle Personen zwischen 20 und 40 Jahren, die in der Umgebung von Hamburg in ei­ner Hochhaussiedlung wohnen, mit Tiefgaragenplatz, nahe ei­ner Autobahnzufahrt, und die ihre Miete sowie Stromkosten bar bezahlen.“ All diese Perso­nen könnten Terroristen sein.

Das sind nur ein paar Beispiele, von denen Beat Leuthardt in sei­nem neuen Buch zahlreiche ver­sammelt. Der Autor zeigt nicht nur, wie groß der Bereich der Computer-Überwachung be­reits geworden ist, sondern auch mit welchen Versprechungen und Traumbildern die Men­schen an die Selbstverständlich­keit der Datensammlung ge­wöhnt werden sollen. Das Ver­trauen, daß diese Daten in den Händen von Multis, Verwaltung und Polizei in guten Händen sind, kann durch nichts begrün­det werden.

Beat Leuthardt: Leben online. Von der Chipkarte bis zum Euro­pol-Netz: Der Mensch unter ständigem Verdacht. rororo-Taschenbuch, Reinbek 1996, 224 S., öS 110,—
Zu bestellen auch bei: Presse­büro EuroGrenzen, Postfach 2260, D-79557 Weil/Rhein, DM 17,— incl. Porto.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
März
1996
ZOOM 2/1996, Seite 27
Autor/inn/en:

Manfred Gmeiner:

Nachweislich treuestes Redaktionsmitglied von Context XXI (vom mythologischen Anbeginn bis 2006) und Buchhändler (La Líbrería) in Wien.

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