Zeitschriften » Context XXI » Print » Jahrgang 2004 » Heft 6-7/2004
Katrin Auer

Konsequente Entgrenzung

Die ideologische Vielfalt der Globalisierungskritik

Hauptsache anti-irgendwas könnte man annehmen, wenn man genauer schaut, welche Anti-Haltungen auf Anti-Globalisie­rungsveranstaltungen zu finden sind.

Beirut und London sind in diesem Herbst zwei Or­te, an denen jede/r antisemi­tisch und anti-amerikanisch motivierte Anti-GlobalisierungsaktivistIn, der/die etwas auf sich hält, anwesend war oder sein sollte.

Beirut — Mitte September luden u.a. die Hisbollah und die Libanesische Kommunistische Partei zur Konferenz Where Next for the Global Anti-War and Anti-Globalization Movements? Unter den 300 Delegierten von 200 Or­ganisationen aus 43 Ländern hatten auch das Austrian So­cial Forum und Südwind ihr Kommen angekündigt. Ver­abschiedet wurde eine De­klaration in der fast aus­schließlich „der Kampf gegen die Besetzung des Irak, Palä­stinas, konzerngeleitete Glo­balisierung und Diktaturen“ und gegen die „Apartheid­-Mauer“ in Israel proklamiert [1] oder der Traum von einer al­ternativen Supermacht, die den USA trotzen würde, ge­träumt wurde. Wohin die An­ti-Kriegs- und -Globalisie­rungsbewegung will, war ver­mutlich schon vor Konfe­renzbeginn entschieden. Dar­um ist sie auch dort ange­kommen.

London — Mitte Oktober findet dort das Europäische Sozialforum (ESF) statt und sorgt schon im Vorfeld wie­der für Aufregung. Denn Londons Bürgermeister Ken Livingstone lud in seiner Funktion als ESF-Schirmherr den islamistischen Kleriker Yusuf al-Qaradawi zum ESF ein, was berechtigtes Entset­zen und Proteste bei jüdischen, feministischen und les­bischwulen Organisationen hervorrief, da Qaradawi der Muslimbruderschaft sehr nahe steht, palästinensische SelbstmordattentäterInnen als Mär­tyrerInnen rechtfertigt und die Bestrafung von homosexuel­len Lebensweisen befürwor­tet. Seine klerikalen Ansich­ten zu Homosexualität (unter Männern!) legte Qaradawiin in einer Fatwa dar: „Moslemi­sche Juristen haben unter­schiedliche Ansichten betref­fend der Bestrafung dieser abscheulichen Praktik. Sollte es dieselbe Bestrafung wie für Unzucht sein [gemeint sind 100 Schläge; Anm. d. Verf.], oder sollten beide, der aktive und der passive Beteiligte, hingerichtet werden? Während solche Bestrafungen grausam erscheinen, wird von ihnen angenommen, die Rein­heit der islamischen Gesell­schaft zu erhalten und sie von widernatürlichen Elementen rein zu halten.“ [2] Qaradawi legt mit klerikaler Autorität auch die Methoden fest, wie ein Mann seine Frau schlagen sollte: „Es ist für ihn zulässig sie leicht mit seinen Händen zu schlagen, ihr Gesicht und andere empfindliche Stellen vermeidend. In keinem Fall sollte er zu einem Stock oder einem anderen Gegenstand greifen, der Schmerzen und Verletzungen verursachen könnte.“ [3] In einer auf seiner Homepage qaradawi.net ver­öffentlichten Fatwa vom 6. April 2002 erklärte Qaradawi unter welchem einzigen Um­stand es moslemischen Frauen erlaubt ist, keinen Hijab zu tragen: nämlich beim Durch­führen von Selbstmordattentaten [4]

Wenige Tage bevor Qara­dawi am ESF teilnimmt, wird er in London neben Tariq Ra­madan als Redner bei der Konferenz Islam for Europe auftreten. Ramadan wiederum tat sich mit seinen Äußerun­gen im Vorfeld des Pariser ESF im vergangenen Jahr her­vor, als er französischen Intel­lektuellen vorwarf, als „Juden“ im Dienste Israels zu agieren. [5]

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Oktober
2004
Heft 6-7/2004, Seite 18
Autor/inn/en:

Katrin Auer:

Studierte Politikwissenschaft/Geschichte und arbeitete an der Ausstellung Wege nach Ravensbrück. Erinnerungen von österreichischen Überlebenden des Frauen-Konzentrationslagers mit. Von Oktober 2003 bis 2006 Redaktionsmitglied, von Juni 2004 bis Mai 2005 koordinierende Redakteurin von Context XXI.

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