Zeitschriften » FŒHN » Heft 18
Markus Wilhelm

Kapitalismus heißt, daß man alle(s) kaufen kann

Aber diese Gewinne namentlich der Industriellen in Österreich sind doch so fett, daß sie mit ein paar Millionen da und ein paar Millionen dort die Spitzen der staatlichen Organe sehr geschmeidig machen können. Menschenfreundlichkeit steht allerdings hinter den satten Überweisungen an die ÖVP per Dauerauftrag genausowenig wie hinter den Prämien an verschiedene Organisationen der Exekutive. Die berechnende Zuneigung der Industriellen zu ihren Beschützern Gendarmerie, Polizei und Bundesheer wollen wir an ein paar feinen kleinen Beispielen zeigen.

Die paar Tausender, die die Vereinigung Österreichischer Industrieller (Landesgruppe Tirol) der Illustrierten Rundschau der Gendarmerie für Inserate hinwirft, sind natürlich nicht mehr als eine Erkenntlichkeit. Aber uns zeigt sie damit doch, wie sie sich der Staatsgewalt zu versichern weiß. Da sind nach Präsidiumsbeschluß auch einmal knapp 10 Blaue als Unterstützung drin für eine Festschrift der unabhängigen Gendarmerie. 10.000 sind nur 10.000, und die regelmäßigen Spenden der VÖI für den Ball der Kameradschaft der Exekutive und für das Frühjahrskränzchen mit Tanz der Kameradschaft der Exekutive sind nur regelmäßige Spenden.

Es sind durchwegs Söhne aus Arbeiter- und Angestelltenfamilien, die bei Gendarmerie und Polizei eintreten, aber sie sind postwendend auf die andere Seite gestellt. Der Uniformierte mit dem Strafgesetzbuch in der Rocktasche und dem Revolver am Gurt scheint über uns allen zu stehen, alle gleich scharf beobachtend. Wenn ich mit dem Rad gegen die Einbahn fahre, schreitet er ein. Aber den Betrug, der jede Minute an jedem arbeitenden Menschen verübt wird, den sichert er ab! Daß den Bergwerkern das Erz nicht gehört, das sie fördern, und den Stahlkochern der Stahl nicht, den sie gewinnen, und den Autobauern das Auto nicht, das sie bauen, das mein’ ich. Die staatliche Gewalt als Mittäter.
Viele Unternehmen verteilen dafür Trinkgelder. Die Brenner Autobahn Aktiengesellschaft, z.B., läßt gern einige zigtausend Schilling für (kommerziell völlig sinnlose Inserate in Öffentliche Sicherheit, Gendarmerie Rundschau, Polizeisport oder Bundessicherheitswache aus. Die Sparkasse Innsbruck hält sich einen Polizeisportverein Sparkasse Innsbruck. Die Industriellenvereinigung läßt sich ihre Sponsorentätigkeit u.a. mit Inseraten in Polizei-Sport-Rundschau und in Publikationen der Internationalen Polizei Assoziation belegen. Und die Firma Swarovski läßt der Sicherheitsdirektion und der Bundespolizeidirektion via VÖI in Abständen jeweils sechs- oder siebentausend Schilling zukommen.

Der Chef der Bundespolizeidirektion Innsbruck, der nachmalige Landesrat Greiderer (SPÖ), unterschreibt persönlich.

Überall werfen sie Schutzwälle auf um ihre Besitzungen herum.
Logisch erscheint es da, daß die Staatspolizei auch Ermittlungsaufträge von Privatfirmen annimmt, vornehmlich Aufträge, deren Beschäftigte zu observieren. Als vor zwei Jahren fast die Einstellung dieses Service drohte, protestierte die Industriellenvereinigung beim Innenminister — mit Erfolg (Salzburger Nachrichten, 24.2.90 und 24.3.90). So ist das bei uns.
Weil leerstehende Wohnungen geschützt werden müssen vor denen, die keine haben, brauchen wir die Staatsgewalt, und damit Transitrollbahnen in Bauernwiesen geklescht werden können. Das ist ihr höherer Sinn, nicht, daß dir niemand das Börsl entreißt, wenn du einkaufen gehst. Daß wir das mit uns aufführen lassen, was mit uns aufgeführt wird — in unserem eigenen, einzigen kurzen Leben, dafür.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1993
Heft 18, Seite 24
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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