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Lorenz Glatz
2000 Zeichen abwärts

Kakophonie des Schönen

Ganymed in Love“, das Wiener Kunsthistorische Museum unternimmt seit ein paar Jahren eine Serie von Präsentationen seiner Kunstwerke durch Schriftsteller, Musikerinnen und Schauspieler. Immer „Ganymed“ und dazu ein Thema, heuer eben „Love“, etliche Male abends von Mitte März bis Mitte Juni. Elf Gemälde in zwei Stunden, knapp elf Minuten für ein Bild. Künstler haben überlegt, geplant, geprobt. Sie führen auf. Etliche Male am Abend vor wechselndem Publikum, das durch die Säle streift, von Event zu Event. Wir haben uns sogar vorbereitet, waren schon vorher da, haben die Bilder, die ja „ausgeschildert“ waren, im Voraus angesehen, uns gefragt, was uns da einfällt, die Tour Bild für Bild „abgeklappert“.

Dann der gebuchte Abend. Einige hundert Leute im Foyer. Wir werden schließlich in die Säle je nach der Farbe unserer Karten „kanalisiert“. Vor Joseph Heintz’ „Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers“ performt eine Schauspielerin einen Text „Frigide“. Ich bin beeindruckt und verwirrt, versuche, Bild und Text zusammenzubringen, versäume damit gewissermaßen die nächste Station und komme etwas „umgerührt“ zur Heiligen Margarete von Raffael. Der „torch song“ von Ruth Weiss, interpretiert von Martin Eberle und Manako Shimokawa, packt mich. Die fromme Heilige und die satanische Schlange auf dem Weg, ein Liebespaar zu werden. Die folgenden sieben Bilder zerren an mir, schreien, flackern, die Farben und Gestalten verschwimmen zu einem eher wüsten Grau. Wir kommen als letztem Gemälde zur Rosenkranzmadonna Caravaggios, einem Propagandasujet der Gegenreformation. Hände erheben sich gierig nach den verteilten Rosenkränzen. Jean Philippe Toussaint hat zu dem Bild geschrieben. Er sieht die Hände als Gebärdensprache, alle gleichzeitg, keines spricht zum andern, alle ausgerichtet – nach dem Fetisch, würde ich sagen, einander unverständlich, kein „heiliges Rätsel“, nein, eine „Momentaufnahme der Kakophonie der Welt“, schreibt der Autor. Es klingt, als hätte er die Veranstaltung mit gemeint.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juli
2019
Heft 76, Seite 30
Autor/inn/en:

Lorenz Glatz:

Geboren 1948, 32 Jahre Latein- und Griechischlehrer in Wien. Pensionist, Hausmann eines lieben Weibes, praktizierender Großvater, Leser, Schreiber und Webmaster.

Lizenz dieses Beitrags:
CC by-sa
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