Zeitschriften » Streifzüge » Print-Ausgaben » Jahrgänge 1996 - 2000 » Jahrgang 1999 » Heft 4/1999
Thomas Schmidinger

Jörg Haider ist ein österreichisches Phänomen!

Eine Antwort auf Franz Schandls „Wir wählen, wen wir wollen!“

In weiten Zügen ist Franz Schandls Analyse des Wahlergebnisses durchaus zuzustimmen, nicht jedoch was das Ende seines Essays betrifft. Natürlich, das „Ausland“ ist nicht per se „antifaschistisch“ oder „gut“, es ist aber besser. Natürlich, Jörg Haider ist „kein bloß Österreichisches Phänomen“, in weiten Zügen aber doch.

Jene Form eines demokratisierten und modernisierten Faschismus wie sie von der FPÖ oder der Alleanza Nationale in Italien vertreten wird ist durchaus auch in anderen Europäischen Staaten im Aufwind, trotzdem ist die Massenunterstützung, die die rassistischen und antisemitischen Inhalte der FPÖ hierzulande finden, ein zutiefst österreichisches Phänomen. Das Potential der FPÖ mit rassistischen Wahlkämpfen noch mehr WählerInnen zu keilen, ist nämlich da. Genug SPÖVP-WählerInnen und sogar mancheR WählerIn von Grünen, LIF oder KPÖ ist auch der Meinung, daß Österreich „überfremdet“ ist, und daß dies so nicht gehe. Eine konsequent antirassistische Position mit der Forderung nach offenen Grenzen ist von keiner einzigen politischen Gruppierung von irgend einer Relevanız zu hören. Die WählerInnen der FPÖ verkörpern eben keine „Unzufriedenen“ oder „Modernisierungsverlierer“, sondern jene „ Volksgemeinschaft“, die nie mit den Ideologemen des Nationalsozialismus gebrochen hat. Und hier gibt es sehr wohl Kontinuitäten, und hier sind wir auch bei der Besonderheit dieses modernisierten und demokratisierten österreichischen Faschismus der FPÖ.

Daß in Österreich die Positionen einer FPÖ auf so fruchtbaren Boden fallen, liegt eben daran, daß sie quasi immer Teil der österreichischen „Volksmeinung“ waren. Der Nationalsozialismus wurde eben lediglich von außen, militärisch zerschlagen, während der Widerstand in Österreich marginal war. Mit der These, das erste Opfer des Nationalsozialismus gewesen zu sein, konnte sich dieses Land auch in den folgenden Jahrzehnten im Gegensatz zur BRD völlig aus jeder Verantwortung für das Geschehene entziehen. Somit war es hierzulande problemlos möglich, die Schoah zu vergessen und alles unter den Mantel des Schweigens zu kehren, den die TäterInnen über ihre Geschichte warfen, und den niemand willens war zu lüften.

Die einzelnen Ideologeme des Nationalsozialismus konnten deshalb nirgendwo so problemlos von einer Generation auf die nächste weitergegeben werden und so kann die Enkelgeneration jene Ernte einfahren, die die Großväter gesät haben. Insofern ist Jörg Haider sehr wohl ein hausgemachtes, ein typisch österreichisches Phänomen! Und ebenso österreichisch ist es, daß es dagegen keinen wirklich relevanten Widerstand gibt, was es etwa in Italien sehr wohl gegeben hat.

Und genau deshalb ist von dieser Bevölkerung hier nichts zu erwarten. Wo der nationale Schulterschluß einmal erfolgt ist, will niemand mehr das „Nest“ beschmutzen. Und genau deshalb erwarte ich mir vom „antifaschistischen Ausland“ immer noch mehr als von Österreich. Schließlich waren auch die Interessen, die zur militärischen Zerschlagung des Deutschen Reiches 1945 führten, nicht nur hehre antifaschistische Ziele, trotzdem bin ich für jeden Tag, den dieses Reich früher zugrunde ging, froh. Und deshalb bin ich auch froh über jede Reaktion, die gegen Österreich gerichtet ist. Wenn die Bevölkerung hier wieder einmal völlig durchdreht, dann bin ich schon froh, wenn aus dem etwas zivilisierteren Ausland scharfe Reaktionen auf sie niederprasseln. Und da ist es mir prinzipiell einmal egal, aus welchen Motiven diese Reaktionen gegen Österreich richten. Sie haben einfach grundsätzlich recht und können vielleicht helfen das schlimmste zu verhindern.

In diesem Sinne gilt es, international über diese rassistische, antisemitische „Volksgemeinschaft“ hierzulande zu informieren und, wo es nur geht, dieses Land zu diskreditieren! Die FPÖ ist ein zutiefst österreichisches Phänomen und kann somit wohl nur dann besiegt werden, wenn dieses ganze „Österreich“ angegriffen wird!

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1999
Heft 4/1999, Seite 18
Autor/inn/en:

Thomas Schmidinger:

Redaktionsmitglied von Context XXI von Juni 2000 bis 2006, koordinierender Redakteur von September 2000 bis April 2001.

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