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Maria Wölflingseder

Idealerweise ein Neutrum?

Zur Zeit arbeiten die Behörden und Universitäten akribisch daran, Geschlechtergerechtigkeit herzustellen. Die gesamte Verwaltungssprache soll geschlechtsneutral werden. Aus „Vater“ und „Mutter“ wird „Elternteil 1“ und „Elternteil 2“. Aus „Rednerpult“ „Redepult“, aus „Teilnehmerlisten“ „Teilnahmelisten“, aus „Ansprechpartner“ „der oder die Auskunft gibt“. Die neutralisierende Sprachakrobatik schreckt auch vor „Lieb* Studierend*“ nicht zurück. Je mehr Sternderln, desto weniger Diskriminierung? Schade nur, dass die Sternderln, Binnen-Is, Unterstriche und all die anderen Fuzerl-Fetische nicht gegen die tatsächlichen Diskriminierungen helfen. Gegen die Armut, die immer mehr (alleinerziehende) Mütter, Kinder und Frauen über 60 bedroht! Oder gegen die ökonomischen Verhältnisse, die Studentinnen veranlasst, sich von Sugar Daddys, die im Internet angeboten werden, das Studium finanzieren zu lassen!

Was steckt hinter der Manie, Formulierungen, die das Geschlecht identifizieren, zu verbieten? Manche meinen, der Wunsch nach einer „neutralen Geschlechtsidentität“ (d.h. weder Mann noch Frau!) zeige sich auch an den in den USA immer häufigeren Unisex-Vornamen. Geschlechtslose Wesen als Mittel gegen Diskriminierung? Oder ist Sex – sowohl das Geschlecht als auch die sexuelle Kommunikation – heute überflüssig, ja kontra-produktiv? Hinderlich im nerven- und zeitraubenden Alltag? Bildungssprachlich bezeichnet Neutrum auch jemanden, der keinerlei erotische Ausstrahlung hat.

Aber manche läuten ohnehin schon das Ende des Anthropozäns ein und sehen im Anbruch des „Novozäns“ (James Lovelock) die letzte Chance für unseren Planeten. Für den im neuen Zeitalter der Hyperintelligenz lebenden Cyborg wird die geschlechtliche Identität im herkömmlichen Sinn kaum mehr eine Rolle spielen. Fällt uns der Abschied vom Menschsein leichter, wenn wir zuvor neutralisiert werden und zur Sache mutieren?

PS: Das Wort „neutralisieren“ wird auch synonym dafür gebraucht, einen Gewalttäter zu töten.
PPS: Mich verwundert, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, mit weiblichen Hormonen gegen „toxische Männlichkeit“ vorzugehen.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
2020
Heft 78, Seite 18
Autor/inn/en:

Maria Wölflingseder:

Geboren 1958 in Salzburg, seit 1977 in Wien. Studium der Pädogogik und Psychologie. Arbeitsschwerpunkt: Kritische Analyse von Esoterik, Biologismus und Ökofeminismus; zahlreiche Publikationen. Bei den Streifzügen seit Anbeginn. Mitherausgeberin von „Dead Men Working“ (Unrast-Verlag, 2004). Nicht nur in der Theorie zu Hause, sondern auch in der Literatur, insbesondere in der slawischen. Veröffentlichungen von Lyrik sowie Belletristik-Rezensionen.

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