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Franz Schandl

Heldenliedspieler

„Es muss zusammenwachsen, was zusammengehört“, sagt Kiews Botschafter in Österreich, Wassyl Chymynez: „Die Neutralität ist eindeutig keine Option für die Ukraine“. Freiheit heißt NATO. Zwar ist der Mann nicht ganz so schrill wie sein Kollege in Deutschland, doch die Deutlichkeit des „erfrischenden Klartext-Deutsch“ (Ulf Poschardt), nach dem unmissverständlichen Motto „Alles hört auf unser Kommando!“, ist auch in Wien zu vernehmen. In solchen Gesandtschaften wird heiß gekocht und heiß gegessen. Auch schon vor der russischen Invasion. So wurde 2019 unter Olexander Scherba, dem Vorgänger von Chymynez, sogar dem ORF-Korrespondenten Christian Wehrschütz nach fadenscheinigen Vorwürfen kurzfristig die Frontgebietsakkreditierung aberkannt.

Man nimmt sich jedenfalls kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, zu fordern, was zu fordern ist: Sanktionen und Waffen. Die Lieferanten haben zu spuren. Spuren sie nicht, sind sie zu bezichtigen und zu beflegeln. So findet diese Diplomatie zu ihrem eigenen Komparativ. Je gröber, desto größer das Echo. Die Gebotschafter sind forsche Künder ihrer Gebote: „Du sollst!“, „Du hast!“, „Du musst!“. Natürlich gilt es auch die seltsame Gunst der Stunde zu nützen, Interessen als Imperative zu offenbaren und sie in die heroische Sprache von Pflicht und Verrat zu kleiden. Heldenliedspieler haben Hochsaison. Zur Zeit inszenieren sie die Sagen des heiligen Wolodymyrs.

Am besten kommen sie damit bei jenen an, die sich noch gestern derlei kaum hätten bieten lassen, bei den frischgebackenen Neobellizisten. Im lauten „Wir!“ befangen, geht das Was und das Warum, aber auch das Wohin und das Woher dieses globalen Weltordnungskriegs völlig unter. Wozu fragen, wenn man schießen will, wenn es Haubitzen gibt und Panzerfäuste? Es geht nicht darum, aus dem Konflikt rauszukommen, sondern darum, andere reinzuziehen. Das Schlachtfeld soll entscheiden. Schlachtenbummler singen lautstark den Wertekanon. Ukrainische Botschaften messen die Dezibel. Es dreht sich nur noch um Sieg oder Niederlage. Indes, wer immer dort siegen wird, wird kein Gewinner sein.

erschienen in: Freitag 20/2022

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Mai
2022
Autor/inn/en:

Franz Schandl:

Geboren 1960 in Eberweis/Niederösterreich. Studium der Geschichte und Politikwissenschaft in Wien. Lebt dortselbst als Historiker und Publizist und verdient seine Brötchen als Journalist wider Willen. Redakteur der Zeitschrift Streifzüge. Diverse Veröffentlichungen, gem. mit Gerhard Schattauer Verfasser der Studie „Die Grünen in Österreich. Entwicklung und Konsolidierung einer politischen Kraft“, Wien 1996. Aktuell: Nikolaus Dimmel/Karl A. Immervoll/Franz Schandl (Hg.), „Sinnvoll tätig sein, Wirkungen eines Grundeinkommens“, Wien 2019.

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