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Fritz Widhalm

Head Networking Japan

Eine der aktivsten japanischen Mail-art- oder Networker-„Gruppen“ versammelt sich um die Zeitschrift AU.

Die Poster- und WandZeitschrift AU (Art Unidentified, 1-1-10 Koshienguchi, Nishinomiya Hyogo, 663 JAPAN), die bereits seit Anfang der achtziger Jahre erscheint und von der schon weit über 100 Nummern erschienen sind. Die Zeitschrift ist zweisprachig gedruckt, japanisch und englisch, wobei auch hier, wie weltweit im Mail-art-Network, „DADA bzw. Fluxus und seine Folgen, Auswirkungen“ einer der großen inhaltlichen und künstlerischen Schwerpunkte sind. Ein anderer, gleichwertiger Strang sind Mail-art-Aktivitäten, in denen das japanische „Lieblingsmonster“ GODZILLA seine sowohl humorvolle als auch filosofische Auferstehung feiert. Das Monster GODZILLA, ein tyrannosaurusrex-artiges urzeitliches Ungetüm, schlief am Meeresgrund und erwachte durch radioaktive Verseuchung, unter anderem im Zusammenhang mit Atombombenabwürfen, zu seinem Monsterleben. In diesem Monsterleben ernährt es sich von radioaktiven Abfällen und kann also meist nicht anders, als in Richtung des nächsten Atomkraftwerks bzw. Atomtestgebiets zu marschieren. Die meisten „GODZILLA“-Projekte (Mail-art-Ausschreibungen, Live-Performances und ein MonsterFilm-Projekt, bei dem NetworkerInnen aus aller Welt jeweils 1 Minute Film drehten und nach Japan schickten) verstehen sich als Warnungen, als Friedensbotschaften und/oder Aufarbeitungen des Atombombenabwurfs auf Hiroshima.

Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch das Projekt des 60jährigen Networkers Shozo Shimamoto, Professor der Kyoto University of Education in Nishinomiya City, der Postkarten seines kahlgeschorenen Kopfes rund um die Welt sandte und sowohl NetworkerInnen als auch PolitikerInnen dazu aufforderte, seinen Glatzkopf mit einer Friedensbotschaft zu verschönern und am 6. August, dem Tag als die Atombombe auf Hiroshima abgeworfen wurde, an ihn zurückzusenden. Die zahlreichen zurückgesandten Postkarten wurden danach in seiner „Art Space“-Gallery in Nishinomiya City ausgestellt. Während der Ausstellung fanden Performances von Nobuko Sugai, Yoshiaki Inui, Hisashi Muroi, Nagahiro Kinoshita und anderen statt, in deren Zentrum immer die Bemalung, -schriftung oder -handlung des Glatzkopfes von Shozo Shimamoto stand. Diese Aktionen wurden von Keizo Kobashi fotografisch festgehalten und in der Zeitschrift AU, Nummer 93 bis 102, teilweise abgedruckt.

Als Zeitung erscheint seit ebenfalls über zehn Jahren in OSAKA ein „stamp-artzine“: Ryosuke Cohen sammelt von NetworkerInnen aus aller Welt gestaltete Originalstempel und stempelt damit eine riesige Wandzeitung in einigen hundert Stück Auflage.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Oktober
1996
ZOOM 6/1996, Seite 21
Autor/inn/en:

Fritz Widhalm:

geboren am 15. juli 1956 in gaisberg, niederösterreich, text, bild, ton und WOHNZIMMER zeitschrift für unbrauchbare texte und bilder.

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