Zeitschriften » FŒHN » Heft 21
Markus Wilhelm

Haiders Kapitalissimus

Die relativ wenigen, die davon profitieren, wie alles eingerichtet ist, können und die relativ vielen, die darunter leiden, müssen feststellen, daß die Haider-Partie nicht etwas anderes will, sondern bloß mehr von dem, was ist. Sie fühlt sich wohl im Bestehenden, zelebriert den Luxus der Gstopften. Die Sitzung des Bundesparteivorstandes der FP findet z.B. einmal im elitären Hotel Hilton in Wien (15.3.94), ein andermal z.B. im schnicken Hotel Plaza in Wien (11.10.94) statt, die Klub-Tagung wird z.B. im mondänen Tiroler Fünf-Sterne-Hotel Alpenkönig begangen (12.12.94) und die Bundesparteileitung geruht ihre Sitzung z.B. im Salzburger Holiday Inn abzufahren (19.3.94). Daß Haider in Krumpendorf am Wörthersee ein Hundertbetten-Hotel (mit Vorkaufsrecht) für die Partei gepachtet hat (Kurier, 21.5.94), zeigt die Ausrichtung dieser Leute, die ständig wie Dressmen durch die Innenpolitik tribbeln, vom Laufsteg in die Garderobe, von der Garderobe auf den Laufsteg usw. Sie kritisieren das System? Sie protegieren es! W. Meischberger, Generalsekretär oder was, betreibt in der teuren Innsbrucker Maria-Theresien-Straße und in der noch teureren Wiener Kärntner-Straße Designer-Mode-Boutiquen namens „High Society“. Dort wollen sie hin. Glaubwürdiger als mit Worten kann man mit seinem eigenen Tun für die Satten eintreten: „So jettete der Chefblaue gestern früh von Wien nach Innsbruck, per Auto weiter nach St. Anton, um in einem Tennis-Schaukampf anzutreten. Danach Rückflug nach Wien zu einer weiteren Benefiz-Tennisgala, um anschließend erneut ins Alpenland einzufliegen: Denn abends war in St. Anton ein Kamingespräch mit dem FPÖ- und Polit-Tenniscrack angesetzt.“ (Kurier, 18.12.88)

Was Haider und Vranitzky der Oberschicht mit ihrem Tennis signalisieren (Seht her! Wir sind Snobs wie Ihr!), das demonstrieren ihnen Vranitzkys Frau und Haiders Generalsekretär mit Golfspiel. Sie wollen nicht über dieses System hinaus, sie wollen nur in die alleroberste Etage vordringen. Haider mit einem 200-Quadratmeter-Penthouse in Praternähe hat es ebenso geschafft wie der Gewerkschafts-Präsident Verzetnitsch mit einem City-Penthouse. So herzerfreuend diese klaren Botschaften für die Großbesitzer und Großverdiener sind, so alarmierend müßten sie für den großen Rest der Bevölkerung sein. Kann man lauter hinausschreien, wohin man gehören will und wohin nicht, als Meischberger mit seinem dunkelblauen Porsche-Carrera Cabriolet mit 272 PS (IL-WM 911) um 1,5 Millionen Schilling und Haider mit seinem metallicschwarzen Porsche-Carrera-Cabriolet mit 272 PS (K-7207 G) um 1,5 Millionen Schilling es tun? Warum wählen die Bahnfahrer und Mitshubishi-Fahrer die Porsche-Fahrer? Warum beten die Leute ihre Unterdrücker an? Warum haben sie die Fürsten und Kaiser angebetet? Warum wählen die für die Gewinne von Aktienbesitzern rackernden Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter die aus ihrer Lohnarbeit Gewinn ziehenden Aktienbesitzer? „FPÖ-Obmann Dr. Jörg Haider ist überzeugter Börsianer. Entsprechend stark ist auch sein Engagement auf dem heimischen Kapitalmarkt“, schreibt der Börsen-Kurier (25.6.92). Und weiter: „Dr. Jörg Haider betreibt eine sehr gezielte und ausgewogene Portefeuilleplanung [= Wertpapieranlagen-Planung], wobei er durchaus flexibel auf die wechselnden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen agiert. Zwischen einem Drittel und einem Viertel investiert er an der Wiener Börse, und das mit guten Erträgen. Vor allem in der Bau- und Brauereibranche war er mit den Ergebnissen mehr als zufrieden. [1] Einen weiteren Schwerpunkt bilden Realitäten und Immobilien. Den Rest hält er über Sparguthaben und Genußscheine als Cash. Damit hat er den nötigen Spielraum, um schwächere Perioden bzw. Konjunkturschwankungen auszugleichen und zu überbrücken. Zudem besteht die Möglichkeit, bei günstigen Gegebenheiten rasch aktiv zu werden.“

Der Haider-Trupp hat viel über für dieses System, und dieses System hat viel über für einen Trupp wie diesen. Nach dem „Motto: ‚Laut kritisieren und still kassieren‘“, das Haider im FPÖ-Pressedienst (18.12.89) zwar auf die Grünen gemünzt hat, haben diese „Skandalbrüder, die sich aus dem Steuertopf bedienen“ (Haider im FPÖ-Pressedienst am 19.2.88 zwar über SPÖ und ÖVP) z.B. im Jahre 1993 36,4 Millionen staatliche Parteienförderung plus Wahlkampffinanzierungskosten aus Steuermitteln des Bundes und auf der Ebene der Länder 182 Millionen an diversen Förderungen abgezockt. Sie paßt ihnen, diese Staatsordnung wie angegossen. Man kann ihnen keinesfalls — wie es manche tun vorwerfen, daß sie dieses System ablehnen. Vorwerfen kann man ihnen nur, daß sie es nicht ablehnen. Sie wollen es perfektionieren, das ist alles. Und das kann ihnen ja nur verübeln, wer das kapitalistische Organisationsprinzip unserer Gesellschaft an sich für schlecht hält, und niemand, der dieses an sich für gut hält.

[1Den Arbeitern der Brauerei Sorgendorf versprach Haider einmal, „den Bierbaronen die Wadl nach vorne zu richten. Kurz darauf wechselte er die Seite und nahm mit den Bierbaronen einen Bieranstich vor.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1995
Heft 21, Seite 49
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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