Zeitschriften » FŒHN » Heft 21
Markus Wilhelm

Haider wird als Ablenkung mißbraucht

Die Haider-Verwaltung der Zustände („Regierung“) ist noch Papier, wenn auch laut, ungeduldig laut raschelndes Papier. Die Vranitzky-Verwaltung der Zustände („Regierung“) ist Fleisch und Blut. Apropos Blut: Josef Cap sagte Ende 1992, die SPÖ mache „‚Gesetze statt Ausländerhetze‘ gegen das Volksbegehren (der FPÖ, Anm.), das zum Import von Rostock und Hoyerswerda mit Steinwürfen und brennenden Autos führen würde“ (TT, 31.10.92). Die reale Politik der SPÖ(ÖVP) im Schatten dieser Ablenkungskampagne hat nicht zum Import von Rostock mit Steinwürfen, sondern zum selbstgemachten Oberwart mit Mordbomben geführt. Das mein’ ich. (Wenn Haider die Kehrseite der Medaille ist, dann ist Vranitzky die Kehrseite der Kehrseite.) Das derzeitige Regierungspersonal sagt, Haider schade unserem Ansehen im Ausland, während unser derzeitiges Regierungspersonal ja nur der Mehrheit der Menschen im Inland schadet, sage ich.

Wenn zwei dasselbe tun, ist es etwas Verschiedenes: Als Haider von sich gibt, „man solle aus der Neutralität ‚keine Ideologie‘ machen“, wird er vom ranghöchsten Presseoffizier der Ablenkungstruppen, Hans Rauscher, dafür „ins Eck gestellt“: „In ein deutschnationales, großdeutsches Eck.“ (Kurier, 28.10.88) Eineinhalb Jahre vorher durfte Herbert Krejci, der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (und Wortführer im Kurier-Aktionärsrat) in Rauschers Blatt — natürlich unbeanstandet — von sich geben: „Wir sollten aus unserer Neutralität keinen Fetisch [- Götzen] machen.“ (Kurier, 6.4.87) Haider hat die Rolle jenes Diebskomplizen zu spielen, der an der Vorderfront des Hauses alle Aufmerksamkeit auf sich lenkt, während an der Hinterseite die anderen Diebe einsteigen. (Dafür, wie er sie spielt, gebührt ihm der Oscar für die beste Nebenrolle.)
Haider ist nicht dazu da, unser Problem zu lösen, sondern ihres. Indem er uns davon abhält, es zu lösen.

Eingeworfene Fangfrage: Wer lügt mehr? Der, der Haider als Nazi bezeichnet, oder der, der Vranitzky, Scholten, Klima als Sozialdemokraten bezeichnet? Antwort: Der, der Haider als Nazi und Vranitzky, Scholten, Klima als Sozialdemokraten bezeichnet. Weil Kapitalismus seiner Natur nach unausweichlich rechte Politik ist, braucht das Verwaltungspersonal dieser Politik das Image nichtrechts zu sein.

Haider ist die doppelte Ablenkung von der falschen Ordnung unserer Gesellschaft. Erstens dient er der Ablenkung, zweitens betreibt er sie. Beispiel: Statt der „Ausländer“, wie von ihm behauptet, sind SPÖ(ÖVP) schuld an der Wohnungsnot. Sie sind nämlich schuld, daß Zinswucherer, Wohnungshändler, Grundstücksspekulanten usw. immer noch schuld an der Wohnungsnot sind. Dem Vranitzky, der von diesen Profiteuren der Wohnungsnot abzulenken hat, ist die Ablenkung durch Haider auf „die Ausländer“ nur recht.
Den Haider schimpfen sie — zurecht, wenn nicht sie, die Auch-Geschichtsfälscher, es täten! — einen Geschichtsfälscher. Das, was die Regierung (in Zusammenarbeit mit ihm) betreibt, ist eine einzige großflächige Fälschung der Gegenwart.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1995
Heft 21, Seite 4
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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