Zeitschriften » FŒHN » Heft 21
Markus Wilhelm

„Haider kommt! Wirr auch!“

Haider in Innsbruck, der Landhausplatz gefüllt von und mit solchen Haider-Gegnern: vom gegenüberliegenden „Haus der Industrie“ herunter schaut man mit großer Befriedigung auf dieses Spektakel, das Haider hier bereitet wird. Die Demonstranten, allesamt mit dem Rücken zur VÖI, haben nicht den leisesten Zweifel, nicht das Böse selbst vor sich zu haben, wenn sie Haider vor sich haben. Da kommt drüben bei den Industriellen Swarovski, Schretter, Schwarzkopf Freude auf. So ein Haider, der auf sich ablenkt, ist viel wert. Und solche Gegner, die auf diese Ablenkung hereinfallen, noch mehr. So hat denn Innsbruck schon 24 Pfeifkonzerte gegen Haider, aber noch keines gegen die Industriellenvereinigung gesehen. Bald ist silbernes Jubiläum. Haider anschreien ist nicht handeln, aber es verleiht ein bißchen dieses Gefühl des Handelns. Ohne Haider käme man auch um dieses. je lauter man schreit, desto nebensächlicher wird: was. Das Gejohle zeigt, daß sie für das Zugrundeliegende keine Sprache haben. Sie schaffen nur gerade das Zusammenschreien Haiders, aber nicht das Auseinandernehmen, nur das Niederbrüllen seiner Agitation, aber nicht das Aufklären. An Selbstüberschätzung herrscht dennoch keine Not: „Nachdem der letzte Auftritt im Herbst 1992 schon den Charakter einer Anti-Haider-Kundgebung mit Haider hatte, wurde der letzte Auftritt des Führers in der Innsbrucker Altstadt zum — gelinde gesagt — totalen Fiasko für die FPÖ, Motto: Haider der Statist.“ (Bettelwurf 1/94) Ja, und so hat man seitdem von Haider nie mehr etwas gehört.

Haider-Auftritt auf dem Linzer Stadtplatz: Demonstranten: „Nazis raus! — Nazis raus! — Nazis raus!“ / Haider: „Gesindel!“ / Demonstranten: „Wir wollen keine Nazi-Schweine!“ — „Wir wollen keine ... !“ / Haider: „Gesindel!“ Die fatale Botschaft dieser Haider-Gegner ist: „Haider, du hast nichts zu tun mit diesem Staat! Es ist unser Staat! Wir stehen ihm soviel näher als du!“ Richtig wäre indes das Gegenteil: „Haider, du hast viel zu tun mit diesem Staat! Es ist nicht unser Staat. Du stehst ihm soviel näher als wir!“ Daß sie mit „Nazis raus!“ nur nach dem Staat rufen und damit nach (mehr) Staatsgewalt, (mehr) Autorität und (mehr) Repression, das dämmert ihnen im wilden Gekreische nicht.

Wie heroisch sie sich doch (gegen ihn) in die Schlacht für dieses System werfen, ohne welches er nicht existieren kann!

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1995
Heft 21, Seite 58
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

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