Zeitschriften » MOZ » Jahrgang 1990 » Nummer 58
Silvia Eiblmayr
Valie Export

Gläserne Papiere

Der Name VALIE EXPORT (in Versalien als künstlerisches Konzept und Logo geschrieben) ist kennzeichnend für die junge aufrührerische Avantgarde der späten 60er Jahre, für den Bruch mit den Projekten und Utopien der Moderne. Angriffspunkt war der elitäre Kunstbegriff der Nachkriegszeit, der Mythos des ästhetischen Kunstwerks. Zunehmend von der industriellen und medialen Massenkultur bedroht, stand neben dem idealistischen Konzept die Figur des (männlichen) Meister-Künstlers auf dem Spiel.

Fragmentierte Bilder in Valie Exports Ausstellung „Gläserne Papiere“

VALIE EXPORTS Arbeit reicht von Performance, Aktion, Zeichnung, Objekt, Installation über den Einsatz verschiedener Medien wie Fotografie, Film, Video bis hin zur Organisation von Ausstellungen und Symposien sowie zu theoretischen Publikationen.

Vielseitigkeit ist eine wesentliche Komponente ihrer Persönlichkeit, wobei der Einsatz des Körpers einer der Hauptaspekte ihres künstlerischen Schaffens ist.

EXPORTS neue Arbeiten „Windshields“ sind im Kontext einer Rückkehr zum Bild, aufbauend auf den Errungenschaften der Aktions-, Performance- und Konzeptkunst zu sehen.

Das fotografische Portrait einer Frau überzieht, in sechs Teile zerlegt, die Oberfläche von sechs Windschutzscheiben, die im Raum installiert sind. Architektonische Elemente sind mit dem Gesicht — es ist das der Künstlerin selbst — eine bizarre Metamorphose eingegangen. Die Grenze zwischen Körper und Objekt nicht mehr nachvollziehbar, entsteht ein Effekt der Monstrosität; Assoziationen an gefährliche Innenräume. Angstphantasien.

Mit der Übertragung dieses in Fragmente zerlegten Bildes auf Windschutzscheiben verknüpfte EXPORT die Verführungsmacht der Medien mit einem zweiten Topos der technologiegläubigen Massenkultur, mit dem Auto, das sein futuristisches Versprechen von individueller Freiheit und Mobilität heute nicht mehr einzulösen vermag. Durch die ästhetische Organisation von „Windshields“ — die transparenten Windschutzscheiben mit den fragmentierten Bildern erinnern an die Zelluloidkader eines Filmstreifens — verbindet sie den durch die Technologie des Autos konditionierten Blick des Autofahrers strukturell mit dem der Filmkamera.

Was für „Windshields“ gilt, trifft generell für EXPORTS Werk zu: Sein emanzipatorisches Potential liegt in der analytischen und dekonstruktiven Auseinandersetzung mit den Medien, die zu erkennen gibt, daß es keine ‚Befreiung‘ für das (weibliche und männliche) Subjekt jenseits der Repräsentationssysteme geben kann. Die Strategie der Künstlerin zeigt hingegen, daß es darum geht, die Ambivalenz der weiblichen Position innerhalb des visuellen Systems als Konflikt vorzuführen und die Mechanismen von Faszination und Verführung sinnlich bewußt zu machen.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1990
Nummer 58, Seite 71
Autor/inn/en:

Silvia Eiblmayr:

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