Zeitschriften » FŒHN » Heft 18
Markus Wilhelm

Geld regiert

Von den Leserinnen und Lesern, die das Außergewöhnliche suchen, müssen wir uns gleich hier verabschieden. Auf Wiedersehen!
In dieser Zeitschrift geht’s nämlich nie um Sensationelles. Andre Medien können oft mit ganz spektakulären Dingen von Demokratie und so kommen. Es ist dem FÖHN, ach leider, noch nie gelungen, derartiges aufzudecken. Uns bleibt immer nur das Normale.
Eine Sensation wäre es nur, wenn das hier Gezeigte nicht geschähe! Also müssen wir uns wieder sechzig Seiten lang mit dem üblichen begnügen, dem Gewöhnlichen, dem ganz und gar Alltäglichen:
Geld regiert. Punkt.
Der ihnen den Landeshauptmann macht und die Landesräte-Darsteller und die Partei-Obmann-Mimen und die Partei-Sekretär-Akteure bekommen von den Großindustriellen die Tausender in Packln zu fünfzig, zu hundert und zu fünfhundert hineingeschoben. Wir wollen das hier nicht irgendwie durchblicken lassen oder zwischen den Zeilen so etwas wie darauf anspielen, sondern es im Maßstab 1:1 zeigen.

Es ist wie in der Natur: Jeder Boden hat die ihm entsprechenden Gewächse. Kapitalistische Verhältnisse treiben genau diese Blüten aus. Und können auch gar nicht anders. Da hilft kein Kirchengebet und kein sozialdemokratisches Zureden.

Vorweg: Wo kommt alles Geld her, das in der Welt ist? Von fetten Konten? Nein, wo kommt es her, damit es dorthin kommen kann? Es wird erarbeitet, mit Putzlappen in der Hand und mit Preßlufthammer, in Akkordarbeit und in Leiharbeit, auf dem Gerüst und im Schacht, am Fließband und an der Werkbank, beim Wäschesieden und beim Stahlkochen — zum Beispiel.
Das ist die Geschichte.

Aber fangen wir bei Null an: Es gibt da einen kleinen Verein mit scheinheiligen Vereinsstatuten, der sich Vereinigung Österreichischer Industrieller (VÖI) nennt. Er hat österreichweit 1900 Mitglieder, in Tirol 202. Weniger als der Tiroler Bienenzuchtverein und weniger als der Theaterverein Telfs-Pfaffenhofen.
Woher sie ihre Mittel schöpfen? Daher, wo sie die nur herhaben können: Die Industriellen behalten von dem von den Industriearbeitern Geschaffenen ja nicht nur für den Staat die Lohnsteuer ein, läppisch, sie behalten für sich auch die Unternehmergewinne ein.

Und davon spenden sie im Ausmaß von 0,5 Prozent der Lohnsumme jeder Glassteinputzerin bei Swarovski, jedes Chemiearbeiters bei Sandoz in Kundl, jeder Viscosespinnerin bei der Textil AG und jedes Ziegelgießers beim Eurospan an ihre Bruderschaft. Das sind im Jahr rund 1000 Schilling pro Knecht und Dirn. 60 Prozent dieser von den Unternehmen in den Bundesländern an die Wiener Zentrale der VÖI einzuzahlenden Beiträge fließen an ihre Filialen in den Landeshauptstädten zurück.
Während uns die Polizei ins Haus kommt, um festzustellen, ob wir unerlaubt einen Radiowecker in Betrieb haben, unterliegt dieser Verein, dessen Tiroler Zweigstelle jährlich über ca. 15 Millionen Schilling verfügen kann und dessen Wiener Zentrale über errechnete 500 Millionen, nicht der geringsten öffentlichen Kontrolle.
Wofür dieses Geld unter anderem aufgeht, darüber war schon im letzten Heft einiges zu erfahren. Journalisten-Diners, Journalisten-Reisen, Journalisten-Gagen.
Geld ist ein Tauschmittel. Was gibt’s im Tausch gegen VÖI-Gelder? In unserer heutigen Folge- Politiker zum Saufuttern.
Das ganze wird neunmal in Österreich gegeben. Wir schauen es uns in Tirol an.

FORVM des FORVMs

Vorgeschaltete Moderation

Dieses Forum ist moderiert. Ihr Beitrag erscheint erst nach Freischaltung durch einen Administrator der Website.

Wer sind Sie?
Ihr Beitrag

Um einen Absatz einzufügen, lassen Sie einfach eine Zeile frei.

Hyperlink

(Wenn sich Ihr Beitrag auf einen Artikel im Internet oder auf eine Seite mit Zusatzinformationen bezieht, geben Sie hier bitte den Titel der Seite und ihre Adresse bzw. URL an.)

FORVM unterstützen

Die Digitalisierung des FORVM und der Betrieb dieser Website ist ein Projekt von Context XXI. Im Rahmen von Context XXI sind bereits 5513 Beiträge veröffentlicht. 10098 Beiträge warten derzeit darauf, der Texterkennung zugeführt und verfügbar gemacht zu werden. Context XXI kann Euch in den kommenden Jahren noch Vieles bieten. Das kann zu unser aller Lebzeiten und dauerhaft nur mit Eurer Unterstützung gelingen. Ganz so wie unsere alternativen Zeitschriften auf Abos angewiesen waren und sind, so ist dieses Projekt auf regelmäßige Beiträge von Euch Lesenden und Nutzenden angewiesen — hier heißen sie halt fördernde Mitgliedschaften:

Persönliche Daten

bzw. zweites Namensfeld bei juristischen Personen

z.B. "p.A. Kommune 1"

einschließlich Hausnummer und ggf. Wohnungsnummer

Mitgliedschaft

Ich trete hiemit dem Verein Context XXI - Verein für Kommunikation und Information als förderndes Mitglied in der gewählten Beitragsgruppe bei. Ich kann meine Beitragsgruppe jederzeit ändern.

SEPA-Lastschriftmandat

Ich/Wir ermächtige/ermächtigen Context XXI – Verein für Kommunikation und Information, Zahlungen meiner/unserer Mitgliedsbeiträge von meinem/unserem Konto mittels SEPA-Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich/weisen wir mein/unser Kreditinstitut an, die von Context XXI – Verein für Kommunikation und Information auf mein/unser Konto gezogenen SEPA–Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Zahlungsart: wiederkehrende Lastschrift (Recurrent)

Werbung

Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1993
Heft 18, Seite 3
Autor/inn/en:

Markus Wilhelm:

Geboren 1956, von Beruf Zuspitzer in Sölden im Ötztal, Mitbegründer des FŒHN (1978-1981), Wiedergründer und Herausgeber des FŒHN (1984-1998). Seit 2004 Betreiber der Website dietiwag.org (bis 2005 unter dietiwag.at), Landwirt.

Lizenz dieses Beitrags:
Copyright

© Copyright liegt beim Autor / bei der Autorin des Artikels

Diese Seite weiterempfehlen