Zeitschriften » MOZ » Jahrgang 1990 » Nummer 58
Der Ohrentaucher

Gehörrundgang

Eno/Cale/Wrong Way Up/WEA

Schlicht und ergreifend — genau wie die Stücke selbst — die Platte des Jahres. Nach dem grandiosen „Carmen Miranda“ auf Cales vieldiskutierter Klassikveröffentlichung und dem starken Aufkommen von „Songs for Drella“ nimmt diese Brillanz nicht Wunder. Ab dem letzten Ton muß man hypnotisch wieder von vorne beginnen, die einfachen Kompositionen mit ihren traumhaft schönen Arrangements setzen das Motiv der fruchtbaren Teamarbeit: zurück in die (musikalische) Zukunft. Harmonischer Gesang (oft übereinandergelagerte Vocals), transparente Tontrauben, leichtester Ohrenschmaus vom Herz zum Hirn. Cale agiert gelegentlich mit Viola, Eno besinnt sich seiner Pop-Solopfade Mitte der 70er Jahre, summa summarum ist „Wrong way up“ der absolut richtige Weg für die beiden Individualisten und somit für ihre Hörerschaft. Songs vom Erlesensten, vielleicht die Markierung zu einer Ära in diesen flockigen, aber kunstvollen Gefilden.

Nits/Normal Giant Dwarf/CBS

Nur um Nasenlänge auf Rang zwei, bestechen die Kammermusiker des Pop mit skurrilen Texten und delikaten Klangdetails. Ungewöhnliche dezente Präzision am Schlagzeug, unprätentiöse Größe überhaupt in der Musik. Ob mit der Cohen-Hommage „The night-owl“, dem schmelzenden „Boy in a tree“ oder ihrem „Normal giant dwarf“, die Nits lassen in wehmütiger Freundlichkeit ihre vordergründigen Popkollegen zu gewöhnlichen Zwergen schrumpfen. Auf Grund der B-Side „Solid to gas“ sei auch die Single „Radio shoes“ empfohlen.

DNA Featuring Suzanne Vega/Tom’s Diner/Polygram

So sollte Vega immer klingen, tut sie aber nur durch ehemaliges Raubsampling von DNA, die aus diesem Song noch faszinierende Ohrwurmqualitäten herausgeholt haben. Eine Muß-CD-Maxi.

Element Of Crime/Crime Pays/Polygram

Das ‚Verbrechen‘ ungeschliffener Gitarren, scheppernden Schlagwerks und eines broken english macht sich für die Deutschen nicht erst seit ihrer Liveappearance in der Szene Wien bezahlt. Bibliophil gestrig und stur im düsteren Charme.

XTC/Rag And Bone Buffet/Virgin

Als „Three wise men“ sang man böse Weihnachtslieder, als XTC spielten sie kaum erhältliche Singles ein, veröffentlichten einiges gar nicht, tarnten sich solo als „The Colonel“ und, und, und ... Nun bittet der verschrobene Genius Andy Partridge mit Band zum Raritätenbuffet. Urenglischster Christstollen aus der Wavebackstube. Fans geraten in XTC.

Grateful Daed/Without A Net/Ariola

Die lebendigsten ‚Toten‘ mit einem historischen Querschnitt durch ihr Oeuvre (25 Jahre), manches im nostalgischen laid-back Schaukelstuhlrock, einiges mit Garcias Endlossoli und einmal mit Saxophonist Branford Marsalis als Frischzellenkur.

Bob Dylan/Under The Red Sky/CBS

Herr Zimmermann weiterhin auf Irritationskurs? Seit Jahren etwas unklar, ob er den Faden verloren hat oder seine Fans im Labyrinth qualitativer Wechselbäder ihrem Hero auf den Leim gingen. Eine recht flotte Pace legt der krächzende Wortgewandte diesmal vor, die Schunkelnummern werden nicht zu breit gewälzt, die Texte ähneln Auszählreimen. Es scheint aufwärts zu gehen.

Rip, Rig & Panic/Knee Deep In Hits/Virgin

Wer Neneh Cherry sagt, muß noch nichts vom R, R & P-Avantgardismus aus den Kindertagen des Wave und Punk wissen. Eine Compilation mit u.a. bislang nur auf 7" erwerbbaren Extras zum Ausprobieren und Papa Don Cherry als famoser Gastmusiker bei „Warm to the if in life“.

Ginger Baker/Middle Passage/Ariola

Gesünder hat die Ex-Cream-Legende noch nie vom Cover gegrinst, unterstützt von Musiker-High-Society (Laswell, Wobble, Worrell) präsentiert sich der Drummer erstaunlich ausgeglichen. Heute alles andere als eine Selbstverständlichkeit sein mehrminütiges Solo an der Schießbude, das sich langsam verschiebt und steigert wie die restlichen Kompositionen, die multikultürlich unterm Saphir durchfließen.

Roxy Music/Heart Still Beating/Virgin

Im Zeichen einer Reunion wirft Schmalzlockenschickimickiherzschmerzdandy Brian Ferry ein typisches Live-Potpurri aus den seligen Tagen von 1984 als Köder aus. Von „Dance away“ über „Jealous guy“ zu „Avalon“ werden Gelegenheitssnobisten ergriffen und „heart still beating“ vorm Phantom ihrer Designerliebe in die Knie sinken.

Ravi Shankar and Phil Glass/Passages/CBS

Alter schützt vor Schwachsinn nicht. Zwei Spezialisten überzuckern ihren Weltmusikminimalismus derart, daß spanische Windbäckerei daneben die Wirkung deftiger Hausmannskost zeigt.

Salzburg — Die große Domorgel/Zuckriegel/Ariola

Die Klassische Spur durch den weihnachtlichen Schnee (hoffentlich) zieht diese historisch weit gefächerte Orgelloipe von Hofhaimer, Mozart bis zu Max Reger.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1990
Nummer 58, Seite 75
Autor/inn/en:

Der Ohrentaucher:

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