Zeitschriften » Context XXI » Print » Jahrgang 2001 » Heft 6/2001

Friedenskundgebungen Nein zum Krieg!

Das Bundesheer präsentiert traditionell am 26. Oktober sein Arsenal am Heldenplatz und an anderen Orten in Österreich. Kinderspielplatz und die Inszenierung von Krieg als Abenteuer suggerieren das „lustvolle Töten“. In diesen Tagen ist aber durch Bombenkrieg, Flucht und Hungerelend das Sterben bitterer Ernst für die Menschen in Afghanistan geworden.

Armeen rechtfertigen sich durch ihren potenziellen Feind. Da ihre Legitimation immer stärker in Frage gestellt wurde, haben sie sich ein mächtiges Feindbild geschaffen: den „Kampf der Kulturen“. Mit dem „Kampf der Kulturen“ rechtfertigen die jeweiligen Verteidiger des Guten den Missbrauch der religiösen Werte.

Verunsicherungsstrategen unter Führung der USA wollen verschleiern, dass sich Kriege mittlerweile als „soziale Phänomene“ unmöglich gemacht haben. Damit Kriege überhaupt noch führbar sind, müssen die definierten „Feinde“ als übermächtige Barbaren erscheinen. Gleichzeitig werden moderne Interventionskriege wie Hollywood-Spektakel inszeniert. Die Filmprofis dienen den Militärs und Geheimdiensten als Denkfabriken.

Dankbares Propagandamaterial liefern in Afghanistan die Lebenszusammenhänge der Frauen. Das patriarchale Repressionssystem des Taliban-Regimes bietet dem Westen eine Rechtfertigungsgrundlage für den Krieg.

Obwohl die autoritären politischen Verhältnisse über die Frauenrechte kritisiert werden, hat die demokratische Oppositionsbewegung bisher noch keinerlei Unterstützung für den Aufbau gerechterer Strukturen erhalten. Im Gegenteil, die sich unter feministischem Blickwinkel konstituierende Widerstandsbewegung findet keinerlei Berücksichtigung in der politischen Diskussion. Jene Frauen, die sich für die Verwirklichung der Frauenrechte tatsächlich einsetzen, werden von der herrschenden Politik unsichtbar gemacht, so werden die Frauen doppelt „veropfert“.

Statt jene Oppositionsbewegung, für die gerade die Verwirklichung von Frauenrechten eine zentrale Grundlage ihrer Widerstandsarbeit darstellt, bei der Umgestaltung der politischen Strukturen zu bestärken, wird ein greiser König aus dem Hut gezaubert, um ein dem Westen gegenüber willfähriges Regime zu installieren.

So schließt sich der Kreislauf der Instrumentalisierung der Frauenrechte in den weltweit funktionierenden Patriarchaten. Der Krieg ist eben seit der Installierung der antiken Patriarchate der Vater aller Dinge, er beginnt aber brüchig zu werden. Dieser Krieg in Afghanistan entspricht überholter Herrschaftswahrheiten, die weit hinter der Zivilisationsentwicklung herhinken.

Die betroffenen Bevölkerungen in den Nato-Staaten haben sich mit großer Mehrheit gegen diesen Krieg ausgesprochen. Es gibt eine zivile Vernunft, die der herrschenden politischen Unvernunft entgegensteht. Umberto Eco hat es einmal folgendermaßen formuliert: „Die Welt sieht den Krieg heute mit anderen Augen als zu Beginn des Jahrhunderts, und wenn heute jemand von der Schönheit des Krieges als einziger Hygiene der Welt reden würde, ginge er nicht in die Geschichte der Literatur ein, sondern in die der Psychiatrie ein.“

Die Arge für Wehrdienstverweigerung und Gewaltfreiheit beteiligte sich an zahlreichen Friedenskundgebungen gegen den Krieg und hisste während der Angelobung am Heldenplatz ein Transparent mit dem Text „Flüchtlingsjagd verweigern“.

Flugitext

Gibt es einen gerechten Krieg?

Seit jeher haben die Mächtigen den „gerechten Krieg“ des Guten gegen das Böse ausgerufen. Die heutige Pax Americana stützt sich auf das Recht, Krieg gegen „das Böse“, die „Ungläubigen“, „die Terroristen“ zu führen (wie schon die Kreuzzugritter, die Inquisition, die Habsburger oder Franco).
Für uns gibt es keine Rechtfertigung für Mord, egal ob er staatlich angeordnet oder individuell ausgeführt wird. Alle Kriege wurden und werden aus Machtinteresse geführt! Die Mächtigen haben stets unerbittlich gegen jede Emanzipation gekämpft. Bomben, Panzer, Schwerter, Scheiterhaufen, Galgen (Giftspritze/elektrischer Stuhl) dienten und dienen nur dem „Recht des Stärkeren“. Nur die Herrschenden behaupten, es gäbe einen „gerechten Krieg“: der Krieg gegen Aufbegehrende wäre „heilig“, „gottgewollt“, „unvermeidlich“.

Es gibt keinen gerechten Krieg!

Heute führen die reichen Staaten (vor allem die USA) diesen Kreuzzug gegen die Armen. Die meisten Regierungen weltweit unterstützen den Krieg „gegen den Terrorismus“ jedoch die wenigsten aus Überzeugung — sie resignieren vor der Weltmacht USA. In Europa ist (Umfrage EU-Komission Ende September 2001), die Mehrheit gegen den Krieg. Regierungen und Medien lassen sich nicht dadurch stören: Kritik wird verschwiegen, es darf nur für den Krieg gejubelt werden.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
November
2001
Heft 6/2001, Seite 28
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