Zeitschriften » FŒHN » Heft 10/11

FŒHN-Post

Redakteur. War das ein schönes Gerücht, das Sie uns da aus der Wiener Zeitungsszene durchgegeben haben, wonach die Tiroler Handelskammer Heft 6 unserer Zeitschrift zuerst klagen wollte und dann die Auflage ratziputz aufgekauft habe. Wahr ist, daß die, die den Fremdenverkehrskuchen verputzen, die im FOEHN gebotene Analyse des heimischen Fremdenverkehrs, welche sie, die Nutznießer, fein säuberlich von der Masse derer, die um die Kuchenkrumen raufen, getrennt hat, weghaben wollen. Wahr ist auch, daß sie das nicht mehr können. Und daß Heft 6 wie fast alle übrigen Hefte noch erhältlich ist.

Kriegsgegner. Du interessierst dich für die im letzten Heft zitierte »österreichische Bewegung gegen den Krieg«. Das ist keine „Friedensbewegung“, die einer politischen Partei oder einer Supermacht gehört, die österreichische Bewegung gegen den Krieg ist eine Initiative, die sich gehört. Sie kämpft nicht abstrakt ge­gen irgendwelche Sprengköpfe irgendwo in der Weltgeschichte, sondern stellt sich hier der verhängnisvollen österreichischen Politik in Schrift und Rede und Tat entgegen. Wenn wir diejenigen treffen, denen die Neutralität und Unabhän­gigkeit Österreichs nichts, ein Anschluß an die EG alles bedeutet, diejenigen, die die Probleme im Lande mittels Entlassungen und Betriebsschließungen lösen wollen, haben wir mehr gegen die Kriegsgefahr getan als durch Menschenketten­bildungen und Friedensmärsche, das ist die Erkenntnis der »Österreichischen Bewegung gegen den Krieg« aus der Geschichte. Die sehr aktive Landesgruppe Tirol trifft sich jeden Donnerstag um 20 Uhr im Lambichler Jugendhort in Hall in der Thurnfeldgasse. (Kontaktadresse: Fassergasse 20, 6060 Hall i. T.; Telefon 05223/3261)

Jahrgang 22. Du hast dich bei der jüngsten tirolweiten Werbekampagne der Sparkasse Innsbruck-Hall mit ihren 58 Filialen an etwas aus deiner Jugend erin­nert. Während es nun heißt, „Seit ihrer Gründung im Jahre 1822 war es eine der vornehmsten Aufgaben der Sparkasse Innsbruck-Hall, gemeinnützige Werke zu unterstützen oder zu fördern.“, ist dir aus eigenem Erleben bekannt, wie die Sparkasse Innsbruck-Hall im Jahre 1938, gleich nach dem Anschluß, die Sag­gen-Villen Rennweg 10 und Gänsbacherstraße 4 arisiert, d.h. aus jüdischem Be­sitz „erworben“, und an die Gauleitung weitervermietet hat. Vielen Dank für die Mitteilung.

Landesrat. Sie klagen in einem Brief, wir hätten Sie in die Nähe von „Vaterlandsverrätern“ gerückt. Das ist unwahr. Das haben Sie sich doch selbst, indem Sie sich in die Tiroler Landesregierung gedrängt haben, Herr Kranebitter.

Arbeiter. Was wir von grüner Politik halten? In Cornwall macht das Gericht folgende Probe auf die Zurechnungsfähigkeit eines Angeklagten: Er wird in einen Raum geschickt, in dem das Wasser im Waschbecken überläuft — mit dem Auf­trag, dort aufzuwischen. Wenn er nicht zuerst den rinnenden Hahn zudreht, hat er den Beweis für die Nichtzurechnungsfähigkeit erbracht. — Alles klar?

I. Z. „Es gibt“, hat Daniel Spitzer einmal gesagt, „liebenswürdige Menschen, die niemals jemanden betrübt oder ihm etwas zu leide getan haben, nicht einmal durch ihren Tod.“ Sie waren so einer, Herr Professor! Es hat uns schon erheitert, als wir gehört haben, sie hätten am Totenbett angekündigt, sie würden es den Herren Mächtigen noch ganz unverblümt hineinsagen, wenn sie vom Sterben nocheinmal davonkämen. Dazu haben Sie ja zweiundachtzig Jahre nicht Zeit ge­habt. Schade. „Kein Teil seines Lebens“, meinte der „unseren Bruder Ignaz“ ein­segnende Priester am Mühlauer Friedhof, „soll verloren gehen!“ Wir lassen uns das gesagt sein und werden uns um einige etwas verlorengegangene Teile kümmern.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Januar
1988
Heft 10/11, Seite 58
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