Zeitschriften » radiX » Nummer 2
Simon Pils

Eine ökologische Krise auf dem Balkan zeichnet sich ab!

Daß Kriege oder auch nur die Vorbereitung von Kampfhandlungen enorme Folgen für die Menschen beziehungsweise für die Umwelt haben, ist bekannt. Ob es sich um den Einsatz des Entlaubungsmittels Agent Orange im Vietnamkrieg handelte, oder um russische Atom-U-Boote, die im Hafen von Murmansk vor sich hin­rosten, die Folgewirkungen waren, sind und bleiben ver­heerend. Und auch der Krieg am Balkan wird katastro­phale Folgeschäden verursachen. Der Artikel wird sich in zwei Teile gliedern. Im ersten wird die sogenannte DU (depleted uranium/abgebranntes Uran)-Munition behan­delt, im zweiten wird auf allgemeine ökologische Folgen durch die NATO-Luftangriffe eingegangen.

Die DU-Munition ist ein Nebenprodukt der Atomindustrie, und wurde in den 80er Jahren bei den US-Streitkräften eingeführt. Zum Einsatz kommt sie, wenn die amerikani­sche Luftwaffe auf Panzerjagd geht. Diese wird von eigens dafür gebauten Flugzeugen, den A-10 ausgeführt. Die Besonderheit dieser Maschine ist, daß sie um ein 5-läufiges Geschütz, die GAU-8 gebaut wurde, und eben dieses Geschütz verschießt die DU-Munition. Der militäri­sche Vorteil solcher Geschosse ist der, daß der Kopf aus dem Isotop Uran 238 besteht, was der schwerste vorkom­mende Stoff ist. Bei großer Hitze erreicht es die Härte von Titan-Stahl, und daher ist es in der Lage, Panzerungen zu durchbrechen. Das Material ist chemisch giftig, und wenn solche Geschosse auf Panzer treffen, wird ein Uranoxid freigesetzt, das, wenn es eingeatmet oder über Wunden in den menschlichen Organismus gelangt, Schwermetallvergiftungen hervorruft. So kann es zu Nierenschäden, Fehlfunktionen im Immunsystem und Unfruchtbarkeit kommen. Diese Munition wurde erstmals im Golfkrieg 1991 verwendet, und es kam in der Folge zu etlichen Tot- und Fehlgeburten. Auch das sogenannte Golfkriegssyndrom der alliierten Soldaten, die seither unter Kopfbeschwerden leiden, dürfte die Folge des DU-Einsatzes sein. Mehr als 100.000 US-Soldaten sind daran erkrankt, und 4.500 seitdem gestor­ben! Die Kommandierenden sind sich wohl auch darüber im klaren, denn einige der Veteranen, die der Sache nachgehen woll­ten wurden unter Druck gesetzt. Seit die NATO Panzerfahrzeuge angreift, ist auch die DU-Munition zum Einsatz gekommen. Wieviel verschossen wurde, ist nicht bekannt. Im Golf krieg wurden nach UN-Angaben über 900 Tonnen abgefeuert. Mit Fortdauer dieses Konfliktes werden jedenfalls enorme Gesundheitsschäden auftre­ten, denn die Aufnahme der Substanz in den menschlichen Organismus ist durch Wasser- oder Sauerstoffaufnahme in den betroffenen Gebieten jederzeit möglich.

Die ökologische Katastrophe zeichnet sich aber auch auf überregionaler Ebene ab. Christof Zerephos, Professor für Umweltchemie an der Uni Saloniki konnte bereits nach den ersten drei Kriegstagen einen ungewöhnlichen Anstieg von Dioxinen und Giftstoffen messen. Gesundheitsschäden wie Störungen des Nervensystems, Tumore in den Atmungsorganen, Hepatitis und Geburtsschäden können die Folge sein. Auch die radio­aktiven Substanzen in der Luft und im Erdreich haben zugenommen, was auf den Einsatz der DU-Munition zurückzuführen sein könnte. Durch die Bombardierung der Ölraffinerien Pancevo und Novi Sad wurden hunderte von toxischen Komponenten freigesetzt. Auf der Donau südlich von Novi Sad hat der Ölteppich bereits beträchtliche Ausmaße angenommen. Alle Gebiete stromabwärts bis zum Schwarzen Meer sind davon betroffen, dazu gehört auch das bulgarische AKW Chosloduij, das seine Kühlsysteme mit Donauwasser speist. Entweder Abschalten oder Super-GAU! Weiters sei darauf hinge­wiesen, daß zum Zeitpunkt, in dem dieser Artikel verfaßt wurde, in Jugoslawien die Aussaat begonnen hat. ökologische Schäden sowie die Behinderung der Landarbeit durch die Bombenangriffe wer­den zu schweren Ernteeinbußen führen!

Kurz, dieser Krieg wird über Jahrzehnte hinweg Schäden verursachen, die für Mensch und Umwelt eine deutliche Beeinträchtigung darstellen werden. Nur ein Hinweis: nach der Bombardierung des Öllagers Lobau/Wien, 2. Weltkrieg, wird heute noch der mehr als tausendfache Grenzwert von Erdöl im Grundwasser gemessen!

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
1999
Nummer 2, Seite 24
Autor/inn/en:

Simon Pils:

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